ConsultingStar.com – Nachrichten und Exklusiv-Informationen über Consultants und andere Professionals


Homepage - Nachrichten - Deloitte: Europa könnte gestärkt aus der Krise hervorgehen


Deloitte: Europa könnte gestärkt aus der Krise hervorgehen

Drucken E-Mail
14. Januar 2009

Die Aussichten für die Weltwirtschaft sind alles andere als rosig. Vor allem die exportorientierten, international eng verflochtenen Volkswirtschaften hätten noch eine lange Durststrecke vor sich, heißt es in der Studie „Global Economic Outlook“ des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte. Europa aber könne gestärkt aus der Krise hervorgehen. Genauer gesagt: Kontinentaleuropa. Die Lage in Großbritannien sei erheblich schlechter, so Deloitte.

Beispiel Deutschland: Die stark exportabhängige Wirtschaft hat mit einem Auftragsrückgang von teilweise über zwanzig Prozent zu kämpfen. Die Binnenkonjunktur bleibt schwach. Und in den Nachbarländern stagnieren oder sinken die Investitionen. In Spanien steigt die Arbeitslosigkeit rapide, Italien und Griechenland treiben ihre ohnehin enorme Verschuldung in neue Höhen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Ausnahmeklausel des EU-Stabilitätspakts besondere Aktualität.

Vier handfeste Gründe für den Optimismus

Was die Experten von Deloitte dennoch optimistisch stimmt, sind folgende Punkte: Der stabile Euro, eine konsolidierte Bankenlandschaft, das vergleichsweise hohe Tempo bei den Strukturreformen sowie die auf Innovationen fokussierte Industrie. Diese handfesten Vorteile können den Europäern helfen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Düsterer sind die Aussichten für Großbritannien, das wohl mindestens bis 2011 mit keiner nennenswerten Erholung rechnen kann. Nach dem Platzen der Immobilienblase ist das Vertrauen der Verbraucher auf einem Tiefpunkt, Unternehmen investieren nicht mehr, die Banken bleiben bei einer restriktiven Kreditpolitik.

Wenig ermutigend sind auch die Perspektiven für Japan: Die Industrieproduktion sinkt ebenso wie das Vertrauen der Verbraucher, für 2009 muss das Land mit einer Deflation rechnen. Das Wachstum der aufstrebenden Märkte China und Indien schwächt sich ebenfalls auf absehbare Zeit stark ab.

„Nahezu alle Regierungen haben Maßnahmenpakete auf den Weg gebracht. Damit werden Neben- und Wechselwirkungen erzielt. So wird das Rettungspaket der USA zu geringeren internationalen Investitionen, beispielsweise in Brasilien und Russland führen“, sagt Elisabeth Denison, Leiterin Research Deutschland bei Deloitte.

China und Indien

China als „globale Werkbank“ leidet unter der Krise der Realwirtschaft viel mehr als unter der Finanzkrise. Das Land verfüge über genügend Mittel zur Konjunkturbelebung, heißt es in der Deloitte-Studie. Der weltweite Nachfragerückgang hat hier zu einem Exportminus von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geführt, während gleichzeitig die Binnennachfrage extrem schwach ist. Durch massive fiskalische Maßnahmen versucht die Regierung nun, diese zu stärken. Denn um soziale Unruhen zu vermeiden, muss China auch weiterhin zweistellige Wachstumsraten vorweisen.

Indien droht im industriellen Sektor ein Niedergang, auch der Binnenkonsum lässt deutlich nach und die Banken misstrauen sich gegenseitig. Die Rupie hat 20 Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren, ohne dabei den Export stärken zu können. Auch die Maßnahmen der indischen Regierung werden kurzfristig keine Trendumkehr bewirken können.

Russland: Ende des Rohstoffbooms

Der Rückgang der Rohstoffpreise ist das Hauptproblem Russlands. Dazu kommen eine starke Kapitalflucht sowie ein Kollaps der industriellen Produktion im Oktober 2008. Trotz aktueller Rezession, steigender Inflation und eines zu erwartenden Defizit für 2009 werden die Folgen der Krise jedoch nicht so gravierend sein wie die der Finanzkrise von 1998.

Japan droht im kommenden Jahr ein Desaster. Trotz Sparkurses in den vergangenen Jahren sind die Aussichten denkbar schlecht: Die Produktion fällt, die Investitionen bleiben aus, die private Nachfrage ist nahezu auf dem Nullpunkt, die Kreditmärkte sind eingefroren. Auch der Arbeitsmarkt gibt beunruhigende Signale, was das Verbrauchervertrauen weiter sinken lässt. Für 2009 sagen Experten eine sich vertiefende Deflation voraus – mit fallenden Preisen von minus 18 bis minus 22 Prozent für Produktionsgüter.

Schwellenländer: Geldflüsse versiegen

Besonders hart trifft es Schwellenländer unterschiedlichster Industriealisierungsstufen, darunter Vietnam und Rumänien, aber auch Kambodscha, Äthiopien oder Bangladesch. Nachdem diese zu Jahresbeginn unter hohen Rohstoff- und Nahrungsmittelpreisen litten, kommen nun starke Kredit- und Entwicklungshilfebeschränkungen wie auch stagnierende Auslandsinvestitionen dazu. Gerade hier ist aber die Stabilisierung der ökonomischen Lage Voraussetzung für politische Stabilität, sodass sich die Krise weit über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus negativ auswirken kann.

Insgesamt haben vor allem die exportorientierten, international eng verflochtenen Volkswirtschaften noch eine lange Durststrecke zu überwinden, denn ihnen fehlen derzeit die Abnehmer. Ob das aktuelle US-amerikanische Prinzip der unbegrenzten Geldversorgung die gewünschten Früchte trägt, bleibt abzuwarten. Selbst bei einer erfolgreichen Belebung der Wirtschaft bleibt die Situation der amerikanischen Privathaushalte kritisch.

„Sicher ist, dass sich auf absehbare Zeit niemand auf die amerikanischen Konsumenten verlassen kann“, sagt Denison. Auch die Rohstoffexporteure hätten nichts zu gewinnen. Folglich konzentrierten sich die meisten Staaten auf die Stimulation der Binnennachfrage. Davon abgesehen träten gerade jetzt in der Krise die vielen strukturellen Schwächen zutage. Es sei höchste Zeit, diese Mängel engültig zu beheben, so Denison.

tte/pan

 


Stichwortsuche
Durchsuchen Sie alle Nachrichten und Profile von ConsultingStar.com



Neu registriert


Umfrage
Yahoo-Chef Thompson hat seinen Lebenslauf frisiert - und muss gehen. Richtig so?