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China führt den Weltmarkt für Maschinenbauprodukte an. Die Asiaten werden 2010 fast doppelt so viel Umsatz machen wie ihre deutschen Konkurrenten. Und die Chinesen expandieren weiter – während die Deutschen mit Problemen zu kämpfen haben. Das zeigt eine gestern vorgestellte Studie der Beratungsfirma Alix Partners.
Für die Studie hat Alix Partners öffentlich zugängliche
Daten ausgewertet sowie das Topmanagement von Unternehmen des
Maschinenbaus befragt.
25 Prozent weniger Umsatz
Ergebnis: Der überwiegend mittelständisch geprägte Maschinenbau in Deutschland, neben dem Fahrzeugbau oft als Herzstück der deutschen Industrie und als einer der größten Arbeitgeber identifiziert, musste im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr Umsatzeinbrüche von rund 25 Prozent hinnehmen.
Besonders hart getroffen hat es Bereiche wie Baumaschinen (-45 Prozent), Druckmaschinen (-37 Prozent) sowie Maschinen zur Verarbeitung von Holz und Textilien (je -32 Prozent).
Mit einer deutlichen Erholung kann die Maschinenbauindustrie der Studie von Alix Partners zufolge jedoch auf absehbare Zeit nicht rechnen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Umsatzniveau des Jahres 2008 frühestens 2013 wieder erreicht werden kann, in einigen Teilbereichen sogar erst im Jahr 2015.
Kunden haben kein Geld
Wichtige Abnehmerbranchen wie die Bauindustrie und die Automobilindustrie werden in diesem und den folgenden Jahren nicht in größerem Umfang in neue Maschinen investieren können.
Lediglich Unternehmen aus der Prozessindustrie und aus der Konsumgüterbranche werden Alix Partners zufolge wieder vermehrt Maschinen kaufen, um der mittelfristig steigenden Nachfrage gerecht werden zu können. Dies kann ausbleibende Investitionen aus anderen Branchen aber nicht ausgleichen.
„Der Umsatz im Maschinenbau hängt vor allem vom Umfang der Investitionsprogramme in den großen Endkunden-Märkten ab“, sagt Roman Zeller, Managing Director und
Co-Head Enterprise Improvement EMEA bei Alix Partners.
Viele Sektoren kämpfen aber immer noch mit Überkapazitäten und haben gleichzeitig ernste Finanzierungsschwierigkeiten. „In Europa wird die Nachfrage nach Maschinenbauprodukten deshalb nicht wesentlich ansteigen“, so Zeller.
Die Maschinenbauer müssten daher vor allem beim Export in die „Emerging Markets“ punkten, wenn Sie ihre Kapazitäten mittelfristig wieder auslasten wollen, sagt der Experte.
Abgeschlagen auf Platz 2
Mit Umsätzen von umgerechnet deutlich über 300 Milliarden Euro im Jahr 2010 wird der chinesische Maschinenbau seine globale Führungsposition noch weiter ausbauen.
Mit 175 Milliarden Euro lag Deutschland bereits 2009 auf einer abgeschlagenen zweiten Position. Im Krisenjahr 2009 schrumpften die Umsätze von Maschinenbau-Unternehmen in Deutschland und USA (je -25 Prozent), vor allem aber auch in Japan (-40 Prozent).
Währenddessen konnten die chinesischen Unternehmen ihre Umsätze im Jahr 2009 sogar noch steigern (+12 Prozent auf etwa 300 Milliarden Euro).
Während der Westen 2010 auf dem Niveau von 2009 stagniert oder langsam wieder wächst, ist in China wiederum 2-stelliges Wachstum auf 330 – 350
Milliarden Euro zu erwarten.
Während westliche Maschinenbauer 2009 zum Teil heftige Verluste einfuhren, ist die Profitabilität der chinesischen Maschinenbauer nur moderat gesunken. So lag die durchschnittliche EBIT-Marge im Jahr 2009 für private Maschinenbau-Unternehmen in China bei durchschnittlich knapp 7 Prozent, für Staatsunternehmen bei durchschnittlich 3,4 Prozent.
Produktivität chinesischer Unternehmen
Nach Schätzungen von Alix Partners wird die Produktivität der chinesischen Maschinenbauunternehmen von derzeit durchschnittlich rund 60.000 Euro Umsatz im Jahr pro Mitarbeiter in fünf Jahren auf über 100.000 Euro pro Mitarbeiter steigen. Die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Hersteller würde dadurch weiter stark ansteigen.
Der Durchschnitt in deutschen Maschinenbau-Unternehmen liegt derzeit bei knapp 180.000 Euro Jahresumsatz pro Mitarbeiter und kann meist nur noch langsam gesteigert werden.
Auch die technologische Qualifikation der chinesischen Unternehmen hat sich rasant entwickelt. So arbeiten chinesische Unternehmen in vielen Segmenten bereits technologisch auf Augenhöhe mit deutschen und japanischen Unternehmen – in anderen Bereichen entwickeln sich die Chinesen schnell
weiter.
„Chinesische Unternehmen werden für den deutschen Maschinenbau zu einer immer härteren Konkurrenz“, sagt Roman Zeller. „Wenn die deutschen Maschinenbauer den Anschluss in wachstumsstarken Exportmärkten nicht verlieren wollen, müssen sie sich jetzt Produktionskapazitäten in Asien sichern.“
Unterschiedliche Strategien
Insbesondere die größeren deutschen Maschinenbau-Unternehmen sind der Studie zufolge bereits in China präsent oder planen derzeit entsprechende Aktivitäten. Dabei verfolgen die einzelnen Unternehmen allerdings durchaus unterschiedliche Strategien.
Während einige Unternehmen Teile der Produktion und in Einzelfällen bereits auch der Entwicklung nach China verlagern und dafür Kapazitäten in Europa abbauen, kaufen sich andere Unternehmen bei chinesischen Zulieferern ein, gründen Joint Ventures oder arbeiten für einzelne Projekte mit chinesischen Partnerunternehmen zusammen.
Es gebe hier einen „klassischen Zielkonflikt“, sagt Zeller. Einerseits wolle man am Wachstum teilnehmen, andererseits aber nicht künftige Konkurrenten mit Know-How und gut ausgebildetem Personal versorgen, so der Experte.
„Klar ist, dass die deutschen Maschinenbauer vor Ort in China auf die starke Konkurrenz chinesischer Unternehmen reagieren müssen. Ansonsten werden sie Marktanteile gerade in denjenigen Ländern verlieren, in denen die Nachfrage nach neuen Maschinen noch steigt“, warnt Zeller.
ap/pan
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