ConsultingStar.com – Nachrichten und Exklusiv-Informationen über Consultants und andere Professionals


Homepage arrow Nachrichten arrow Managementberatung arrow A.T. Kearney: Deutsche Wirtschaft unterschätzt Schwellenländer


A.T. Kearney: Deutsche Wirtschaft unterschätzt Schwellenländer

Drucken E-Mail
11. Mai 2010
Deutsche Unternehmen sind Spitze. Selbst Mittelständler gehören zu den führenden Anbietern auf dem Weltmarkt. Die Frage ist: Wie lange noch? Wenn die Deutschen nicht schnell handeln, geraten sie ins Hintertreffen, warnt A.T. Kearney.

Die Beratungsfirma hat rund 130 Manager für eine neue Studie befragen lassen – die meisten davon in Deutschland. Ergebnis: Viele Teilnehmer haben die Bedeutung der Schwellenländer noch gar nicht richtig erkannt. Deswegen seien ihre Unternehmen zumeist falsch aufgestellt, so A.T. Kearney.

Nur etwa jedes zehnte global agierende deutsche Industrieunternehmen verfüge in den Schwellenländern über den gleichen Marktanteil wie in seinem Heimatmarkt, kritisieren die Berater. Deswegen könne die deutsche Wirtschaft die enormen Wachstumschancen in Ländern wie China und Indien gar nicht richtig nutzen. 

Enormes Potenzial

Die Consultants machen folgende Rechnung auf: Wenn deutsche Unternehmen in den Schwellenländern genauso präsent wären, wie in den westlichen Industrieländern, hätten sie 2009 etwa 120 Milliarden Euro mehr Umsatz gemacht. Ein Potenzial, das laut A.T. Kearney noch sehr viel größer werden wird.

Immerhin räumen 53 Prozent der Befragten den Schwellenländern einen hohen Stellenwert ein. Die Unternehmen besitzen jedoch meist noch keine umfassende lokale Wertschöpfung und bleiben daher auch oftmals hinter dem Wachstum der lokalen Wettbewerber zurück.

„Deutsche Unternehmen müssen schleunigst umdenken", sagt Martin Sonnenschein, Zentraleuropachef von A.T. Kearney. Made in Germany sei kein Garant mehr dafür, auf globaler Ebene erfolgreich zu sein. „Weltweite Markführerschaft wird sich in Zukunft nur noch über die Schwellenländer realisieren oder halten lassen“, so der Experte.

Um jedoch in diesen Ländern Marktanteile zu gewinnen, müssen die deutschen Unternehmen ihre Stärken vor Ort ausspielen und wesentliche Teile ihrer Wertschöpfung lokal aufbauen

Über Jahrzehnte hinweg waren deutsche Unternehmen mit ihren Produkten weltweit führend, obwohl sie den Schwerpunkt ihrer Wertschöpfung im Heimatland erwirtschafteten. Um Lohnkostenvorteile zu erzielen wurden nach und nach einzelne Wertschöpfungsbereiche in Schwellenländer verlagert – allen voran Produktion und Einkauf.

Rasanter Aufschwung

Aufgrund des rasanten wirtschaftlichen Aufschwungs von Schwellenländern wie China oder Indien stellt sich jedoch die Frage, ob diese Maßnahmen für deutsche Unternehmen ausreichen, um weiterhin auf globaler Ebene wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die globalen Strukturen verändern sich in immer kürzeren Zyklen. China und Indien werden in naher Zukunft in vielen Branchen die dominanten Märkte sein. In manchen Industrien stellen die Schwellenländer bereits heute die am schnellsten wachsenden und größten Unternehmen.

Die Bedeutung dieser Unternehmen habe man lange Zeit unterschätzt und deren Produkte als nicht wettbewerbsfähig angesehen: „Dabei wurden die einzelnen Low-Cost-Marktsegmente nur wertmäßig – nicht jedoch in punkto Stückzahlen – betrachtet und damit als unwichtig bzw. nicht lohnenswert abgestempelt", sagt Studienautor Jürgen Rothenbücher, Leiter des Strategiebereichs von A.T. Kearney.

So konnten konnten und können nach und nach Wettbewerber aus Schwellenländern heranwachsen, die zwar zunächst mit geringerer Produktqualität, aber mit rasant wachsenden Stückzahlen die lokalen Märkte bedienten, zunehmend auch in die anderen Schwellenländer exportierten und schließlich den gesamten Weltmarkt abdeckten.

Die neuen Wettbewerber verbessern ihr Know-how und können in vielen Fällen bei der Produktqualität zu den etablierten Unternehmen aufschließen. Haben diese Unternehmen erst einmal eine kritische Größe überschritten, sind sie kaum noch einzuholen.

Nahezu aussichtslos

In zahlreichen Branchen sind die Unternehmen aus den wirtschaftlichen Schwellenländern jedoch schon so stark, dass es nahezu aussichtlos erscheint, mit diesen in den Wettbewerb zu treten. In solchen Fällen bleiben dem deutschen Unternehmen nur die Alternativen Akquisition, Joint Ventures oder Partnerschaft. Motto: „If you can't beat them, join them or buy them".

In Branchen, in denen noch Aussicht auf weltweite Marktführerschaft besteht, könne man eine „multiglobale  Wachstumsplattform" aufbauen. „Diese Chance gilt es schnell zu nutzen", so Rothenbücher.

pan

 


Stichwortsuche
Durchsuchen Sie alle Nachrichten und Profile von ConsultingStar.com



Neu registriert


Umfrage
Was bedeutet es für Barack Obama, wenn Mitt Romney ins Rennen um die US-Präsidentschaft geht?