Trotz instabiler politischer Lage, grassierender Korruption und schlechter Infrastruktur: Russland und die Ukraine zählen zu den Favoriten der westlichen Wirtschaft, wenn es um Standorte für neue Fabriken geht. Die fünf mittelosteuropäischen Staaten Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn (CEE-5) erscheinen den Unternehmen dagegen weniger attraktiv.
Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie von Horváth & Partners. Die Stuttgarter Berater haben hierzu über 100 Manager in deutschen, österreichischen und Schweizer Unternehmen befragt. Fast 70 Prozent dieser Unternehmen sind bereits länger als drei Jahre in Zentral- und Osteuropa (CEE) aktiv.
Zunehmende Reife
Die Befragten schätzen die CEE-Region als Produktionsstandort wie als Absatzmarkt weiterhin attraktiv ein. Aber: Die zunehmende wirtschaftliche Reife der CEE-5-Region hat aber zu steigenden Lohnkosten und einem härteren Wettbewerb geführt. Daher zeigt sich ein klarer Trend Richtung Osten.
Genauer: Beinahe zwei Drittel der befragten Unternehmen sehen die GUS-Staaten als zukunftsträchtigen Produktionsstandort. Lediglich je ein Viertel der befragten Unternehmen sehen die CEE-5 und die baltischen Länder bzw. die „EU-Neulinge“ Rumänien und Bulgarien als potenzielle Fertigungsstandorte.
Bis dato befinden sich erst zehn Prozent der Produktionsstätten in CEE im GUS-Raum. Mehr als die Hälfte österreichischer, deutscher und Schweizer Firmen ist in den reifen CEE5-Märkten und in den baltischen Staaten ansässig. Über 20 Prozent haben Standorte in den „neuen“ EU-Beitrittsländern Rumänien und Bulgarien.
„Russland und die Ukraine sind nun die Top-Kandidaten für den Aufbau von Produktionsstandorten in den nächsten fünf Jahren“, folgert Christoph Kopp, Studienleiter bei Horváth & Partners in Wien. Es folgen mit einigem Abstand Rumänien, die Türkei, Polen, Weißrussland und Kroatien.
Der Trend Richtung Osten zeigt sich auch im durchschnittlichen Alter der Fertigungsstandorte: Während Firmenableger in CEE-5 und in den baltischen Ländern im Schnitt vor acht Jahren gegründet wurden, bestehen Standorte in Südosteuropa, Rumänien und Bulgarien durchschnittlich sechs Jahre, Niederlassungen in den GUS-Staaten erst rund zwei Jahre.
Niedrige Lohnkosten, hohes Absatzpotenzial
Als künftiger Produktionsstandort sind die GUS-Staaten aufgrund ihrer niedrigen Lohnkosten (Industriearbeiter verdienen dort nur rund ein Zehntel ihrer Kollegen in Deutschland und Österreich) und wegen des großen und wachsenden Absatzmarktes hoch attraktiv – trotz teilweise instabiler politischer Lage, ineffizienter
öffentlicher Verwaltung und schlechter Infrastruktur.
Anders als bei den meisten Produktionsstandorten, die nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs in der CEE-Region als rein verlängerte Werkbank errichtet wurden, dienen die nun in den GUS-Staaten errichteten Standorte verstärkt auch der Versorgung der regionalen Märkte mit dort gefertigten Produkten. Den CEE-5-Ländern werden künftig neue Aufgabengebiete zukommen. Sie werden langfristig als möglicher Standort für CEE-Headquarters, technologie- und wissensintensive Fertigung und Shared Service Center eingestuft.
h&p/pan
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