ConsultingStar.com – Nachrichten und Exklusiv-Informationen über Consultants und andere Professionals


Homepage - Nachrichten - Managementberatung - A.T. Kearney: Unternehmen kauft man besser in der Krise


A.T. Kearney: Unternehmen kauft man besser in der Krise

Drucken E-Mail
24. August 2010
Wenn der Konjunkturmotor stottert, sinkt die Zahl der Firmenkäufe und Fusionen. Leider, muss man sagen. Denn gerade im Abschwung sind die Chancen auf erfolgreiche Transaktionen am größten. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie, die das Beratungshaus A.T. Kearney jetzt veröffentlicht hat.

Für ihre Studie haben die Berater die 50 größten europäischen Unternehmenskäufe pro Jahr im Zeitraum von 1998 bis 2009 untersucht und dabei die sogenannten Pure Cycle Player bestimmt – also Unternehmen, die mindestens 80 Prozent ihrer Akquisitionen entweder ausschließlich in Abschwung- oder Boom-Phasen durchgeführt haben.

Anschließend haben die Consultants die Aktienmarkt-Performance dieser Unternehmen ermittelt, und zwar jeweils kurz vor der Transaktion und zwei Jahre danach. Die so ermittelten Werte wurden mit denen von Branchenwettbewerbern verglichen.

15 bis 20 Prozent höher

Ergebnis: Die Aktienperformance der Unternehmen, die in der Rezession zugreifen, ist im Durchschnitt um
15 bis 20 Prozent höher als die von Unternehmen, die nur in konjunkturellen Hochphasen akquirieren. Erstere wachsen auch schneller als der jeweilige Branchendurchschnitt.

„Während Konjunkturkrisen agieren die meisten Unternehmen sehr defensiv und sind in erster Linie damit beschäftigt, Kosten zu reduzieren oder das Nettoumlaufvermögen zu optimieren. So gehen auch die Fusionsaktivitäten in solchen Phasen stets merklich zurück“, sagt Jürgen Rothenbücher, Leiter der Strategie-Practice von A.T. Kearney und Autor der Studie.

Diese Phasen seien jedoch eine einzigartige Gelegenheit, offensiv zu agieren. Rothenbücher: „Dabei haben wir gar nicht so sehr auf die Transaktionspreise geschaut. Es geht vielmehr um die grundsätzliche Fusions-Bereitschaft der potenziellen Übernahmekandidaten, die in Krisenzeiten sehr viel höher als in Boom-Phasen ist.“

Wer wagt, gewinnt

Unternehmenskäufe und Fusionen sind jedoch immer auch kritische Projekte, die ohne eine weitreichende strategische Planung und konsequente Umsetzung nicht angegangen werden sollten. Derlei Transaktionen
bleiben nach Ansicht der Berater stets ein Risiko.

Die Consultants unterstreichen zudem die bekannte Tatsache, dass die meisten Fusionen oder Übernahmen hinter den Erwartungen in Bezug auf Synergie-Potenziale zurückbleiben. 

Einer der Gründe: In Boom-Phasen sind Restrukturierungsprogramme nur sehr schwierig durchzuführen, da in den Unternehmen das Bewusstsein für Kostenoptimierungen meist fehlt. Das spricht für Transaktionen in einer Abschwungphase: Hier sei die hohe Dringlichkeit jedoch allen bekannt und damit auch die Bereitschaft, Einschnitte hinzunehmen, so die Berater. Das erleichtere die Realisierung von Synergie-Effekten.

„In erfolgreichen Unternehmen ist in Abschwungphasen eine Fusion immer eine mögliche strategische Option, die entsprechend vorgedacht und vorgeplant wird und dann auch gegebenenfalls in einer Krise sehr rasch umgesetzt werden kann“, so Rothenbücher.

Einigkeit – nicht nur innerhalb des Managements

Zu solchen Vorhaben gehört jedoch auch
Einigkeit, also übereinstimmende Ansichten bei Top-Managern und Aktionären. Grund: Die entsprechenden Zeitfenster sind meist sehr klein und bieten keinen Platz für langwierige Diskussionen darüber, ob und wann man kaufen oder fusionieren soll.

Gerade für das Top-Management kann eine Fusion in Krisenzeiten natürlich sehr schnell zur Nagelprobe werden
es gilt, den komplexen Business-Alltag in einer – im Zweifel schwer vorhersehbaren – Krisensituation zu managen und gleichzeitig auch Zeit und Ressourcen dem möglichst raschen Abschluss einer Transaktion zu widmen.

„Die Herausforderung, in wirtschaftlichen Abschwungphasen ein anderes Unternehmen zu übernehmen, ist in Summe sicherlich sehr viel größer als in Boom-Phasen. Die Zeitfenster sind enger, die Daily-Business-Belastungen größer und die Anforderungen an einen reibungslosen Integrationsprozess sehr viel höher – doch die Chancen, dadurch mehr Wert zu schaffen und auf innovative Art und Weise zu wachsen, auch ungleich größer“, sagt Rothenbücher.

atk/pan

 


Stichwortsuche
Durchsuchen Sie alle Nachrichten und Profile von ConsultingStar.com



Neu registriert


Umfrage
Yahoo-Chef Thompson hat seinen Lebenslauf frisiert - und muss gehen. Richtig so?