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Der russische Automarkt gleicht einer Achterbahn: 2009 war die Nachfrage nahezu zusammengebrochen. Bereits 2014 wird der Markt jedoch sein Vorkrisenvolumen wieder erreicht haben. Bis 2020 könnte das Land sogar zum sechstgrößten Automarkt der Welt aufsteigen, heißt es in einer heute veröffentlichten Studie von Boston Consulting.
„Wir rechnen in den nächsten fünf Jahren mit jährlichen Wachstumsraten zwischen acht und vierzehn Prozent“, sagt Nikolaus Lang, Partner bei Boston Consulting. „Unsere Analysen prognostizieren vier Millionen abgesetzte Einheiten im Jahr 2020“, so der Experte.
Kooperationen mit ausländischen Partnern
Aktuell gehen russische Automobilhersteller wie AvtoVAZ, GAZ und Sollers verstärkt Kooperationen mit Partnern aus dem Ausland ein. „Es ist wichtig, diese Partnerschaften so zu gestalten, dass sie Modernisierungschancen mitbringen und einen Transfer von Technologien nach Russland ermöglichen“, sagt Lang. „Nur so kann Russland der Anschluss an den globalen Wettbewerb gelingen.“
Vor allem das von der Regierung geförderte Verschrottungsprogramm, das lokale Automobilhersteller fördert, führte im vergangenen Jahr zu einem Marktwachstum von 30 Prozent.
Dennoch biete Russland enorme Wachstumschancen auch für internationale Automobilhersteller und Lieferanten, heißt es in einer aktuellen Mitteilung von Boston Consulting. Die Studie zeige, dass die Produktionskapazitäten zwischen 2007 und 2010 um rund 50 Prozent gestiegen sind und bis 2014 die Marke von 3,2 Millionen Einheiten erreicht sein wird.
„Die internationalen Hersteller treiben ihre Bemühungen um den russischen Markt voran, angespornt von den Wachstumspotenzialen und den durch die Regierung neu geschaffenen Rahmenbedingungen. Wir erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt“, sagt Lang.
Europäische Nachfragemuster
Strukturell wird sich der russische Markt in den kommenden Jahren zunehmend an europäischen Nachfragemustern orientieren, mit einem Fokus auf PKWs aus den mittelgroßen B-und C-Segmenten sowie auf Geländewagen. Letztere versprechen das größte Wachstum.
Im PKW-Segment und im Bereich der Light Commercial Vehicles wird Russland bis 2018 zum europaweit größten Markt aufsteigen – und damit Deutschland überholen.
Lang zufolge wünschen sich die Russen Fahrzeuge, die den westlichen Modellen möglichst nahe kommen. Anders als in Brasilien oder Indien seien keine großen Anpassungen des Produktportfolios notwendig. Allerdings achteten die Russen stark auf den Preis.
Die Berater sagen auch, wie internationale Unternehmen das Potenzial des russischen Automobilmarkts nutzen können. Hier gibt es laut Studie vier Möglichkeiten:
Produktion: 2015 werden die Produktionskapazitäten der in Russland produzierenden Autohersteller (OEMs) rund 90 Prozent über Vorkrisenniveau liegen. Das entspricht einer Verdoppelung seit 2007. Um dieses gesteigerte Fertigungspotenzial zu nutzen, muss es den OEMs jedoch gelingen, den Ausbau ihrer Kapazitäten zeitlich optimal auf die Entwicklung der Nachfrage abzustimmen.
Eine weitere Herausforderung sind die vergleichsweise hohen Materialkosten in Russland, die aus höheren Fix-, Logistik- und Qualitätskosten resultieren un15 Prozent über dem Preisniveau westeuropäischer Staaten liegen. Ein stringentes Kostenmanagement ist daher erfolgskritisch. Lokale Beschaffung und Produktionsverbünde sind eine Möglichkeit, Produktionskosten durch Skaleneffekte niedrig zu halten. Kleinere Hersteller werden den Markt dagegen vermutlich vorwiegend über Importstrategien erschließen und auf eine eigene Produktion vor Ort verzichten.
Beschaffung: Von den 40 größten Autoherstellern der Welt sind aktuell 21 in Russland präsent. Die Studie prognostiziert ihnen ab 2010 ein jährliches Wachstum um 19 Prozent: Bis 2015 werden die Umsätze der Zulieferer damit von 6,7 Milliarden Euro auf 15 Milliarden Euro steigen. Dennoch besteht auf der lokalen Lieferantenseite deutliches Optimierungspotenzial, vor allem in puncto Qualität, Liefertreue und finanzieller Stabilität. Mögliche Strategien für eine Verbesserung der Qualität sind die Gründung von Kompetenzzentreneine gezielte Spezialisierung und die Zusammenarbeit mit westlichen Partnern.
Marketing und Vertrieb: Die Studie zeigt, dass 60 Prozent der russischen Bevölkerung keinen Automobilhändler in ihrer unmittelbaren Nähe haben. Eine größere Händlerdichte wäre folglich erstrebenswert. Gleiches gilt für den Aftersales Service, d. h. die Wartung und Reparatur von Fahrzeugen, wo eindichteres und professionelleres Angebot anzustreben ist. Während der Gewinn europäischer Autohäuser zu rund 60 Prozent aus Aftersales Service resultiert, generieren russische Autohäuser lediglich 15 Prozent ihres Profits aus dieser Quelle.
Forschung und Entwicklung: Andere Industrien wie die Luft- und Raumfahrtbranche oder die Chemieindustrie haben gezeigt, dass sich Investitionen in lokale Forschungs- und Entwicklungszentren auszahlen. Auch im Automobilsektor ließe sich das Potenzial Russlands nutzen – angefangen bei der großen Anzahl an technisch gut ausgebildeten Fachkräften bis zur vorhandenen Expertise in Forschungsbereichen wie Kraftstoffzellen oder Smart Materials.
pan
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