Boston Consulting: Tourismusindustrie muss auf Chinesen zugehen
|
|
|
|
30. März 2011 |
|
Binnen zehn Jahren wird sich die Zahl der chinesischen Touristen in Europa vervierfachen. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie von Boston Consulting. In dem heute veröffentlichten Papier sagen die Berater auch, wie Reiseveranstalter und Hoteliers auf den Ansturm reagieren sollten.
Für ihre Studie haben die Consultants 4250 Chinesen befragt. Untersucht wurden unter anderem Reisegewohnheiten, Reiseplanung und -ausgaben sowie die Zufriedenheit mit Reiseanbietern.
Zweitgrößter Reise- und Tourismusmarkt
Ergebnis: Bis 2013 entwickelt sich China zum weltweit zweitgrößten Reise- und Tourismusmarkt nach den USA. Das Volumen der chinesischen Auslandsreisen wächst bis 2020 auf das des US-amerikanischen an.
Die Anzahl der chinesischen Touristen in Europa wird sich im gleichen Zeitraum voraussichtlich auf acht Millionen vervierfachen; in den USA werden sie die drittgrößte Gruppe aller internationalen Ankünfte ausmachen.
Der Markt für Inlandsreisen in China vergrößert sich jährlich um 16 Prozent auf einen Wert von rund 590 Milliarden US-Dollar bis 2020. Im Gegensatz zu den Konsumenten in den USA und Europa wollen Chinesen zukünftig mehr Geld für ihren Urlaub ausgeben und stufen Reisen als wichtigste Kategorie bei ihren geplanten Ausgabensteigerungen ein.
Um diese Potenziale zu nutzen, müssen Unternehmen vor allem die speziellen Bedürfnisse der chinesischen Kunden verstehen – denn 95 Prozent sind mit den derzeitigen Reiseangeboten nicht zufrieden. Es fehlen vor allem Marken und Dienstleistungen, die das Vertrauen der chinesischen Konsumenten genießen.
Urlaub und Luxus-Shopping
Obwohl es in China in den kommenden Jahren durchschnittlich 25 Millionen Erstreisende pro Jahr geben wird, sind nur wenige Anbieter auf die speziellen Bedürfnisse der chinesischen Konsumenten eingestellt: „Chinesen reisen anders als Europäer oder Amerikaner. Sie sind im Schnitt jünger und unerfahrener als westliche Zielgruppen und oft in großen Gruppen unterwegs“, sagt Achim Fechtel, Partner und Tourismusexperte bei Boston Consulting.
Auch bei der Aufteilung des Reisebudgets gibt es große Unterschiede. Während die westlichen Zielgruppen den Großteil des Reisebudgets für Übernachtungen und Essen aufwenden, geben die chinesischen Touristen fast die Hälfte des Geldes beim Shopping aus. Vor allem Luxusartikel werden als Geschenke für die Familie daheim oder für Freunde gekauft.
Die unterschiedlichen Präferenzen zeigen sich auch bei den Premium-Services bei Flugreisen. Im Gegensatz zu den westlichen Zielgruppen ist man in China bereit, etwa den Gepäcktransfer zum Hotel zu bezahlen: „Reiseanbieter, die auf die Sonderwünsche reagieren, können zusätzliche Erträge generieren“, sagt Fechtel.
Die Studie zeigt eine große Unzufriedenheit der Chinesen sowohl bei den Inlands- als auch bei den Auslandsangeboten. Beispielsweise wurden Hotels in China aufgrund der schlechten Sauberkeit als mangelhaft eingestuft; globale Hotelketten in China schnitten sogar am schlechtesten ab. Im Hochpreissegment wurden die Qualität von lokalen Reiseführern im Ausland sowie das eintönige Angebot bei Pauschalreisen bemängelt.
Jeder Zweite plant seine Reise online
Das Internet ist für die Hälfte der Befragten die wichtigste Quelle für die Informationsbeschaffung, Preisvergleiche und Buchungen. Gründe hierfür sind das allgemeine Misstrauen gegenüber Reiseanbietern sowie fehlende Erfahrungswerte und Empfehlungen von Bekannten.
Allerdings wurde das Online-Angebot der meisten Reiseanbieter als zu komplex und die Buchungsvorgänge als zu langwierig eingestuft. Die Kunden wünschen sich benutzerfreundlichere Reiseseiten mit vertrauenswürdigen Informationen und Dienstleistungen.
bcg/pan
|