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Booz & Company rät zu massiven Investitionen in den Verkehrssektor

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7. April 2011
Die schlechte Nachricht zuerst: Der Verkehr wächst mit rasantem Tempo und droht, immer mehr Energie zu verschlingen. Die gute Nachricht: Wir können den Energieverbrauch trotz allem senken. Und das Beste daran: Die Wirtschaft könnte davon profitieren so jedenfalls das Ergebnis einer neuen Studie der Beratungsfirma Booz & Company.

Die Studie „Repowering Transport“ haben die Consultants gemeinsam mit der in Genf ansässigen, gemeinnützigen Organisation Weltwirtschaftsforum erstellt.

Demnach fließen aktuell über 60 Prozent der täglich verbrauchten 87 Millionen Barrel Öl in den weltweiten Personen- und Gütertransport. Mit 73 Prozent konsumiert der Straßenverkehr den Löwenanteil des Erdöls, dahinter folgen Flug- und Schiffsverkehr mit jeweils zehn Prozent und der Schienenverkehr mit lediglich drei Prozent.

Steiler Anstieg des Verbrauchs

Die alarmierende Erkenntnis: Ohne geeignete und global koordinierte Gegenmaßnahmen sorgt das rasante Wachstum des globalen Verkehrsaufkommens bis 2030 für einen zusätzlichen Verbrauch besonders emissionsintensiver fossiler Energieträger von weiteren 40 Prozent. In diesem Szenario nimmt der CO2-Ausstoß jährlich weiter um 1,7 Prozent zu.

Laut Studie ließe sich der Erdölverbrauch im Verkehrssektor trotz des steigenden Aufkommens um jährlich 0,6 Prozent senken. Bis 2030 ist somit eine Reduzierung des Ölanteils im Energiemix um bis zu 25 Prozent möglich.

Voraussetzung dafür sind allerdings substantielle Investitionen in die Steigerung der Energieeffizienz konventioneller Antriebstechnologien und in die Forschung und Entwicklung für neue Technologien sowie Fahrzeug- und Transportkonzepte.

Konkret sind bis 2030 jährliche Aufwendungen von bis zu 400 Milliarden US-Dollar notwendig, um eine 25 Prozentige Substitution der bisherigen Kraftstoffe durch Strom aus regenerativen Energiequellen oder durch Biokraftstoffe zu erzielen. Das ist nur knapp die Hälfte der weltweiten jährlichen Subventionen für Mineralölerzeugnisse in den Förderländern, die der internationale Währungsfonds auf rund 740 Milliarden Dollar beziffert.

Elektrizität als Alternative

Angela Dum, Mitglied der Geschäftsleitung und Automobilexpertin im Wiener Büro von Booz & Company, sieht die Versorgungssicherheit und größere Unabhängigkeit vom Öl als Hauptbeweggrund für den akuten Handlungsdruck.

„Die derzeitige unsichere politische Lage in einigen Erdöl-Förderländern ist nur ein weiterer Faktor, der die Knappheit und Verteuerung von Öl treibt“, so die Expertin. Dum rät Unternehmen und Staaten, sich nicht von den aktuellen Ereignissen treiben zu lassen, sondern dauerhaft eine größere Unabhängigkeit vom Erdöl anzustreben.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Elektrizität gewinnt für den Transport an Bedeutung. Der Anteil von Strom am Energiemix steigt dann von derzeit ein Prozent auf drei Prozent im Jahr 2030. Dieses prognostizierte Bedarfsvolumen lässt sich durchaus ohne die aktuell viel diskutierte nukleare Energie decken.

Ein weiterer wichtiger Vorteil: Die Elektrofahrzeuge können über intelligente Netze als mobile Zwischenspeicher für volatile Energiequellen wie Solar- und Windkraftanlagen fungieren und deren Wirkungsgrad damit deutlich erhöhen.

Dominierende Energiequelle

Die Studie zeigt aber auch: Selbst mit hohen Investitionen in alternative Energieträger bleibt Erdöl mindestens für die nächsten 20 Jahre die dominierende Energiequelle des weltweiten Personen – und Güterverkehrs.

Ein Grund hierfür sind die langen Nutzungszeiten der Fahrzeuge: Im Schnitt wird ein Auto weltweit erst nach 15 Jahren durch ein neues, effizienteres ersetzt, im deutschsprachigem Raum zwei bis drei Jahre früher.

„In den nächsten zwei Jahrzehnten gibt es für  die Automobilindustrie und ihre Zulieferer großes Potenzial für technologische Neuerungen im Bereich der konventionellen Benzin- und Diesel-Antriebe
“, sagt Dum. Alternative Antriebskonzepte rund um das Elektroauto böten zusätzliche Chancen für Innovationen.

Die Beraterin erwartet jedoch nicht, dass es in den nächsten Jahren zu dramatischen Volumenreduzierungen bei traditionellen Antrieben kommen wird.

Reduktion des CO2-Ausstoßes

In Deutschland und Österreich ist der CO2-Ausstoß durch Personenfahrzeuge bedingt durch energieeffizientere Fahrzeuge, den Bevölkerungsrückgang und zeitlich begrenzte Anreizprogramme wie die Abwrackprämie in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. In stark wachsenden Ländern wie China oder Indien hingegen steigen Ölverbrauch und Emissionen durch Bevölkerungswachstum und neue Mobilitätsansprüche.

Nach den Studienergebnissen ist ein mehrgleisiger Ansatz erforderlich, um eine wirkliche Energiewende im Verkehrssektor herbeizuführen. Dieser beinhaltet zum einen staatliche Regulierungen wie Kraftstoffsteuer oder CO2-Abgaben, zum anderen technologiespezifische Strategien, die nationale Wettbewerbsumfelder stärker berücksichtigen.

So ist eine überregionale Angleichung der Mineralölsteuern vor allem in miteinander verbundenen Märkten wie dem internationalen Flugverkehr oder dem europäischen Gütertransport erforderlich. Nur so lassen sich Effekte wie die teilweise Aufhebung der Kraftstoffeinsparungen durch eine Verlängerung der zurückgelegten Strecke vermeiden.

Bisher nahm pro zehn Prozent eingesparten Kraftstoffverbrauchs die zurückgelegte Strecke um drei Prozent zu, beispielsweise wenn Transportfahrzeuge für die günstigere Betankung von der optimalen Route abweichen.

Koordiniertes Vorgehen

„Die Öffentlichkeit konzentriert sich in der Diskussion aber oft auf einzelne Themen wie Elektro- oder Brennstoffzellenautos bzw. in Deutschland derzeit den Kraftstoff E10“, kritisiert Dum. Ihrer Ansicht nach werden jedoch nicht einzelne Technologien die Lösung sein.

Das Auto der Zukunft werde nicht nur ein alternatives Antriebssystem, sondern neue Materialen und Fertigungstechnologien benötigen, um den Nachhaltigkeitsanforderungen tatsächlich gerecht zu werden, präzisiert die Expertin.

Und: „Nur ein koordiniertes Vorgehen von Politik, Privatwirtschaft und Forschung gemeinsam mit technischen Innovationen wird diesen Wandel vorantreiben“, so Dum.

pan

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