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Rüstungskonzerne und Flugzeugbauer haben die Wirtschaftskrise gut überstanden. Doch die Unternehmen dürfen sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Insbesondere die Zulieferer geraten jetzt unter Druck – so die Beratungsfirma Alix Partners mit Blick auf eine aktuelle Studie.
Der Studie zufolge dürfen insbesondere die Unternehmen der zivilen Luftfahrt auf steigende Umsätze hoffen: Bis 2012 wird der Luftverkehr um 5,5 Prozent zunehmen. Langfristig werden etwa 35 Prozent des gesamten Wachstums im Flugverkehr auf Asien und den Mittleren Osten entfallen.
Die steigenden Treibstoffkosten und die Notwendigkeit effizienterer Flugzeuge treibe bereits jetzt die Nachfrage nach neuen Flugzeugmodellen an, so Alix Partners. Allein dieses Jahr werden erstmalig über 1.000 neue große Passagierflugzeuge weltweit ausgeliefert. Insgesamt erwarten die Consultants über die nächsten drei Jahre einen Produktionszuwachs von 30 bis 50 Prozent.
Neue Herausforderungen
Die steigende Nachfrage stellt die Branche jedoch auch vor neue Herausforderungen: Die Flugzeugbauer sind gezwungen, ihre Produktion deutlich auszuweiten, während sie gleichzeitig neue Produkte entwickeln und technische Neuerungen umsetzen müssen, um dem Anspruch der Treibstoffeffizienz gerecht zu werden.
Die steigende Produktionsnachfrage wiederum bringt nun vor allem die Zulieferer in Bedrängnis – sowohl hinsichtlich ihrer personellen wie auch ihrer produktiven Auslastung. Denn gerade während der Krise wurden Kapazitäten überall stark abgebaut, die jetzt zeitnah wieder hochgefahren werden müssen.
Es bestehe ein erhebliches Risiko, dass die Zulieferer der zivilen Luftfahrt nicht mit den stark steigenden Anforderungen an den Produktionsprozess Schritt halten können, heißt es in der Studie. Im Speziellen sehen sich die Zulieferer mit folgenden Herausforderungen konfrontiert: Kapazitätsbeschränkungen bei ihren eigenen Zulieferern (Tier-2 und Tier-3), die nicht genug in den Ausbau ihrer Produktionspotenziale investiert haben, Engpässe in der Versorgung mit speziellen Rohstoffen (z.B. Kohlenstofffasern und Titanverbindungen) sowie die aktuellen Verzögerungen und Engpässe in der Lieferkette aufgrund der Naturkatastrophe in Japan.
„Die Zulieferkette der Luftfahrtindustrie wurde durch die Wirtschaftskrise starken Belastungen ausgesetzt“, sagt Stefan Ohl, Spezialist für die Luft- und Raumfahrtindustrie bei AlixPartners. Teilweise seien sogar bereits bezahlte Aufträge auf Eis gelegt oder in einen schleppenden Stop-and-Go-Modus versetzt worden, so der Berater. Und: „Alle Indikatoren verdeutlichen, dass es für die Zulieferer einen Kraftakt darstellen wird, mit der steil ansteigenden Nachfrage Schritt zu halten. Ohne zusätzliche, korrigierende Maßnahmen sind weitere Produktionsengpässe daher mehr als wahrscheinlich.“
Budgetkürzungen belasten die Rüstungsindustrie
Laut Studie werden die USA ihre Rüstungsausgaben bis zum Jahr 2013 um mindestens 12 Prozent und bis 2016 um weitere 6,5 Prozent reduzieren. In Europa wurden bereits im letzten Jahr knapp drei Prozent weniger in Rüstung investiert, in den nächsten Jahren ist ein noch deutlicherer Rückgang zu erwarten. Beispielsweise kündigte Großbritannien kürzlich eine Kürzung der Rüstungsausgaben um acht Prozent an.
Als Resultat dieser großflächigen Kürzungen erwartet Alix Partners, dass sich die Prioritäten im Verteidigungssektor verschieben werden: Verlängerung der Nutzungsdauer bestehender Ausrüstung, Verbesserung der Kommunikationsnetzwerke und Investitionen in neue Waffensysteme, die der modernen Kriegsführung gerecht werden.
Diese Investitionen jedoch, so die Berater, werden nicht ausreichen, um Kürzungen bei großen Plattform-Projekten auffangen zu können, wie etwa der F-35 Kampfflugzeugserie, die von Lockheed Martin Corp., BAE Systems PLC und Northrop Grumman Corp. Gemeinsam entwickelt und gebaut wird, und bereits deutliche Kürzungen hinsichtlich der ursprünglich geplanten Stückzahlen erfahren hat.
Als Antwort auf diese Art von Kürzungen empfehlen die Berater den großen Rüstungsunternehmen, auf stärker diversifizierte Geschäftsmodelle zu setzen und ihren Fuß in neue Märkte zu setzen. Kleinere Hersteller sollten hingegen Allianzen bilden oder fusionieren, wenn sie nicht aus dem Markt ausscheiden wollen.
M&A Ausblick
Vor diesem Hintergrund rechnen die Berater damit, dass in den nächsten zehn Jahren Fusionen und Übernahmen in der Luftfahrtindustrie deutlich zunehmen werden. Außerdem hätten die niedrigen Bewertungen innerhalb des Sektors mit Multiples, die durchweg unter dem Faktor 10 liegen, Deals sehr viel wahrscheinlicher gemacht. Auf der Rüstungsseite könnten laut Studie dabei kleinere Unternehmen immer stärker in den Fokus geraten, da die größeren Player darauf abzielen, neue Märkte zu erschließen und strategische Zusatzakquisitionen zu tätigen.
„Die großen Unternehmen werden die kleineren Hersteller kritisch prüfen und bewerten, ob diese über neue Technologien, innovative Produkte oder Komplementärsysteme verfügen, die sich leicht und profitabel in das eigene Unternehmenskonzept integrieren lassen“, sagt Michael Baur, Deutschland-Chef von Alix Partners. „Quer durch die Industrie sind die Multiples seit 2008 um 45 Prozent zurückgegangen. Unserer Einschätzung nach, handelt es sich hierbei um hervorragende Rahmenbedingungen für M&A-Aktivitäten.“
Weiteres Ergebnis der Studie: Der weltweite Markt für Geschäftsflugzeuge wird sich bis zu einem gewissen Grad erholen, nachdem die Auslieferungen zwischen 2008 und 2010 um 38 Prozent zurückgegangen waren. Mit einer erwarteten kumulierten jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 17 Prozent zwischen 2010 und 2012 wird sich der signifikante Aufschwung über Vorkrisenniveau hinaus aber noch bis mindestens 2012 verzögern.
Die Nachfrage wird zudem von dem großen Überhang an Gebrauchtflugzeugen gebremst (etwa 14 Prozent des Gesamtmarkts) und leidet zusätzlich unter der negativen öffentlichen Wahrnehmung sowie dem kritischen Urteil der Medien über den Gebrauch von Privatflugzeugen in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und anhaltender Restrukturierungsmaßnahmen.
Wartung, Reparatur und Instandhaltung
Nach einer zweijährigen Seitwärtsbewegung wird sich der Markt für Wartung, Reparatur und Instandhaltung bis zum Ende des Jahres 2012 mit knapp vier Prozent jährlichem Wachstum erholen und im Jahr 2020 einen zu erwartenden weltweiten Marktwert von mehr als 60 Milliarden US-Dollar erreicht haben. Dieses Wachstum resultiert im Wesentlichen aus den Bereichen Triebwerke, Komponenten und Modifizierung sowie der steigenden Nachfrage, die für die sogenannten „Emerging Markets“ erwartet wird. In Nordamerika und Europa hingegen wird hier nur ein vergleichsweise geringes Wachstum von ein bis zwei Prozent erwartet.
Insgesamt erwartet Alix Partners für den Bereich Luft- und Raumfahrt wieder eine hohe Wirtschaftlichkeit mit EBIT-Margen auf dem Niveau von 2006. Überdies zeigen die Ergebnisse der Studie, dass die Profitabilität der europäischen Unternehmen – historisch immer geringer als in Nordamerika – nur noch etwa ein Prozent hinter den Ergebnissen der amerikanischen Unternehmen liegt.
„In der Luft- und Raumfahrtindustrie gilt der Grundsatz, nachhaltige Wirtschaftlichkeit durch höhere Effizienz und Innovation zu erzielen. Hierbei haben insbesondere Hersteller, Zulieferer und Eigentümer (inklusive der Private Equity-Gesellschaften) eine Schlüsselposition inne, um das Wachstum aufrecht zu erhalten und weiter voranzutreiben“, sagt Michael Baur. „Um den vor uns liegenden, ambivalenten Herausforderungen gerecht werden zu können, wird sich die Luftfahrtindustrie so wandlungsfähig und flexibel wie nie zuvor präsentieren müssen.“
xp/pan
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