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Booz & Company mit Studie zu neuen Trends in der Autoindustrie

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7. September 2011
Flexibel einsetzbar, klimaschonend in Herstellung und Verbrauch aber bitte erschwinglich: Das Auto von morgen muss vielen Ansprüchen gerecht werden. In einer neuen Studie analysieren die Berater von Booz & Company die wichtigsten Trends und sagen, wie die Hersteller darauf reagieren.

Laut Studie bleibt das Auto ein Prestigeobjekt. Die jüngere Generation lege jedoch weniger Wert auf einen eigenen, möglichst leistungsstarken Wagen. Sie schätze dagegen Flexibilität und bekenne sich zu einem ökologisch korrekten Lifestyle, so Booz & Company.

Viele jüngere Autokäufer erwarten zudem, dass ihr Wagen an das Internet angebunden ist. Sie wollen vom Auto aus mit Freunden kommunizieren oder in Echtzeit lokale Verkehrsinformationen empfangen.

Kostenlose Reservierung von Parkplätzen

Deswegen tüfteln einige Autohersteller an sogenannten Paketangeboten, die das mobile Leben leichter machen sollen. Beispiel: Innenstadt-Parkplätze, die man gratis reservieren kann. Oder Kooperationen mit Anbietern von Telekommunikationsdiensten.

Auf den Wunsch nach höherer Flexibilität reagiert die Industrie außerdem mit Car-Sharing-Modellen. In Fahrzeugzahlen gemessen ist der europäische Markt für Car-Sharing mit 15.000 bis 20.000 Fahrzeugen zwar nach wie vor klein, verzeichnet aber in jüngster Vergangenheit beachtliche zweistellige Wachstumsraten.

„In den nächsten zehn Jahren erwarten wir ein durchschnittliches Wachstum von über 15 Prozent pro Jahr, also eine Vervierfachung der Fahrzeuge. In Österreich wäre etwa eine Verzehnfachung der Nutzer möglich“, sagt Angela Dum, Automobilexpertin und Mitglied der Geschäftsleitung bei Booz & Company in Wien.

Starkes Wachstum wird insbesondere durch Corporate Car-Sharing-Modelle erwartet, eine Alternative zum klassischen Unternehmensfuhrpark. Derzeit sind nur etwa 20 Prozent der Car-Sharing-Nutzer Firmenkunden.

Noch sind nur wenige Betreiber profitabel, erst eine deutliche Steigerung der Fahrzeuganzahl würde das Geschäftsmodell attraktiver machen. Konsolidierungstendenzen und weitere Zusammenschlüsse sind daher schon in naher Zukunft zu erwarten.

Gute Chancen fürs Elektroauto

Booz & Company sieht für das kurzstreckentaugliche Elektroauto auf dem heimischen Markt erhebliches Potenzial, da ein Autofahrer im Schnitt täglich nur 30 bis 40 Kilometer zurücklegt.

„Nach unserer Einschätzung könnten im deutschsprachigen Raum 2020 über ein Viertel der Berufstätigen mit dem E-Auto zur Arbeit fahren. Dazu müssten allerdings die Nutzer ihre Skepsis in Hinblick auf Reichweite und Lademöglichkeiten verlieren, sowie die Wirtschaftlichkeit der Autos deutlich verbessert werden“, sagt Stephen Reith, Auto-Experte und Partner bei Booz & Company.

In Ergänzung könne der Gesetzgeber absatzfördernde Anreizsysteme schaffen. Während China und Frankreich den Kauf eines Elektroautos mit bis zu 7.000 Euro prämieren, wollen Deutschland und Österreich die Kauflust durch Steuerermäßigungen ankurbeln.

Ob diese Förderung zu einem Abnahmevolumen führe, der die Massenproduktion für Hersteller attraktiv mache, bliebe abzuwarten. „OEMs investieren heute deshalb doppelt: in die Verbesserung konservativer Antriebe ebenso wie in Zukunftstechnologien, die sich erst zu einem späteren Zeitraum rentieren“, so Reith.

CO2-Reduzierung über den gesamten Lebenszyklus

Mindestens über die nächsten fünf bis zehn Jahre bleibt laut Booz & Company Treibstoffeffizienz der primäre Innovationsbereich. Hersteller reagieren damit auf den politischen Druck und die Kundennachfrage nach sparsamen Autos. Schließlich entstehen derzeit noch bis zu 80% der Emissionen während des Fahrzeugbetriebs selbst. Ein Weg zur Verbrauchssenkung führt über neue, leichte Materialien.

Grundsätzlich gilt: Ein hundert Kilo leichteres Auto verbraucht durchschnittlich einen halben Liter weniger Sprit auf 100 Kilometer. Durch den Einsatz von CFK (Carbon-Faser-verstärkter Kunststoff)-Bauteilen kann bei vergleichbarer Funktion bis zu 75 Prozent vom Gewicht einer Stahlkomponente und noch bis zu 60 Prozent des Gewichts eines Aluminiumbauteils eingespart werden.

In Produktion und Verarbeitung hingegen schneiden die neuen Materialien deutlich schlechter ab. Im Vergleich Gewichtsreduktion zu Herstellkosten für Leichtbau steht CFK mit ca. 50 Euro pro eingespartem Kilo einem Wert von etwa fünf Euro pro Kilo im Stahl-Leichtbau gegenüber.

Energie-intensive Herstellungsverfahren, wie das „Backen“ von Aluminium bei bis zu 1.700°C, belasten die CO2-Bilanz des Bauteils in der Produktionsphase. Selbst ein PKW mit Aluminiumkarosserie müsste rechnerisch 60.000 km fahren, bevor diese erhöhten Emissionen aufgehoben sind.

Nachwachsende Rohstoffe

Der Weg zur gesamthaften Emissionsreduzierung müsse laut Reith letztendlich die weitere Entwicklung von umweltfreundlichen, beispielsweise nachwachsenden, Rohstoffen genauso beinhalten wie noch intensivere Kooperationen zwischen den Herstellern und Produzenten von Metallen, Kunststoffen und CFK-Materialien.

„Betrachtet man den gesamten Lebenszyklus eines Autos, also Fahrzeugproduktion, Energieerzeugung, Fahrzeugbetrieb und -entsorgung, wird das Ziel der CO2-Reduktion noch lange nicht erreicht“, sagt Reith.

pan

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