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Die Konjunkturpakete der deutschen Bundesregierung zeigen Wirkung. Sie stützen den Markt, sind aber für eine nachhaltige Trendwende nicht ausreichend. Abhängig von der Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds erwarten die Berater von OC & C frühestens 2010 eine Stabilisierung des Hochbaus. Insbesondere der Nichtwohnungsbau ist von der Krise betroffen. Anders der private Wohnungsbau: Hier ist die Talsohle nach vielen Jahren starker Rückgänge weitgehend erreicht.
Noch im vergangenen Jahr ist der deutsche Hochbau um 2,6 Prozent gewachsen. Die Aussichten für die kommenden Jahre sind jedoch trüber: Die Experten der Unternehmensberatung OC&C Strategy Consultants rechnen mit einem „deutlichen Rückgang“ der Bauumsätze ab Mitte dieses Jahres.
Rezession macht sich im zweiten Halbjahr bemerkbar
Der Grund dafür ist die globale Finanz- und Wirtschaftskrise. Für 2009 gehen die Experten von einem Rückgang des Marktes um 1,8 Prozent aus. Nachdem die derzeitigen Auftragsbestände noch ein solides erstes Halbjahr 2009 erwarten ließen, werde die Rezession in der zweiten Jahreshälfte deutlich spürbar werden, heißt es in einer heute veröffentlichten Mitteilung von OC & C.
„Die Dauer der Wirtschaftskrise und deren Auswirkungen auf den deutschen Hochbau sind im Detail noch nicht abzusehen“, sagt Axel Schäfer, Partner bei OC & C, mit Blick auf eine aktuelle Branchenanalyse, die das Beratungshaus alljährlich erstellt. Offensichtlich sei jedoch, dass insbesondere der Wirtschaftsbau infolge der Krise starke Rückgänge erleiden werde: „Eine Stabilisierung des Marktes halten wir frühestens Ende 2010 für möglich. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich bis dahin auch die Gesamtwirtschaft zumindest seitwärts bewegt“, so Schäfer.
Neben zahlreichen Herausforderungen sieht der Berater dennoch Chancen für die Bauindustrie. „Ab der zweiten Hälfte dieses Jahres werden die verabschiedeten Konjunkturpakete der Bundesregierung mit direkten Investitionen in den Hoch- und Tiefbau sowie weiteren indirekten Maßnahmen den Abwärtstrend abmildern. Auch der Immobilienmarkt gewinnt durch steigende Mieten im Wohnungs- und Nichtwohnungsbereich an Attraktivität“, so der Experte. Zudem vermutet der Consultant, dass durch Aktienmärkte abgeschreckte Kapitalanleger den deutschen Immobilienmarkt als eine interessante Option entdecken könnten.
Nichtwohnungsbau verliert in der Krise besonders stark
Die Berater von OC & C sehen insbesondere für den Nichtwohnungsbau schwarz. Der Sektor werde am stärksten unter der aktuellen Entwicklung leiden und im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2009 stark unter Druck geraten. Dann nämlich hat die Industrie die aktuell noch vorhandenen Auftragsbestände abgearbeitet. Die aus den Konjunkturprogrammen resultierenden Maßnahmen werden sich im Wirtschaftsbau kaum positiv bemerkbar machen. Den öffentlichen Bau dagegen werden sie stärken, wobei dieses Wachstum den übergreifenden Rückwärtstrend nicht ausgleichen kann. Daher wird trotz der stützenden Maßnahmen der gesamte Nichtwohnungsbau in den nächsten Jahren stark zurückgehen.
Der gewerbliche Wohnungsbau wird sich von seiner Krise relativ schnell wieder erholen und kann eventuell bereits 2010 bzw. 2011 ein kleines Wachstum verzeichnen. Steigende Mieten und eine wachsende Wohnungsnachfrage in Ballungsgebieten locken Investoren an. Der private Wohnungsbau ist bereits in den vergangenen Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau angekommen. Hier sieht die Studie von OC&C die Talsohle weitgehend erreicht. Die Berater gehen von einer mittelfristigen Stabilisierung in diesem Sektor aus.
Der Wohnungsbau in Ostdeutschland hat stärker mit den aktuellen Entwicklungen zu kämpfen als der im Westen. Dabei machen sich insbesondere zwei Faktoren bemerkbar: Zum einen senkt die weiter anhaltende Bevölkerungsmigration von Ost nach West den generellen Wohnungsbedarf. Zum zweiten ist die Renovierungsnachfrage in Ostdeutschland niedrig, weil die genutzten Gebäude überwiegend erst in den letzten 15 Jahren kernsaniert wurden. Aufgrund der Summe der Einflüsse erwartet OC&C in diesem Jahr für die ostdeutsche Bauindustrie in allen Segmenten einen Rückgang. Erholt sich die Gesamtwirtschaft rasch von der Krise, ist mit einer Stabilisierung des Marktes bis 2011 zu rechnen.
Chancen nutzen – auch in der Krise
Neben den offensichtlichen Herausforderungen ergeben sich gerade in schwierigen Zeiten für viele Unternehmen auch durchaus Möglichkeiten, Marktanteile zu gewinnen und die eigene Wettbewerbsposition zu verbessern.
„Natürlich hat ein konsequentes Kosten- und Liquiditätsmanagement derzeit die höchste Priorität, um das Unternehmen abzusichern. Daneben kann aber die richtige Investition in Produktportfolio oder Marketing helfen, die Marktposition entscheidend zu verbessern. Auch die Akquisition von Wettbewerbern, die in Schwierigkeiten geraten sind, kann interessant sein“, so Axel Schäfer zu Herausforderungen und Chancen in der Krise.
Den Unternehmen der Branche rät er, sich in diesen unsicheren Zeiten mit Hilfe von Planungsszenarien auf alle Eventualitäten vorzubereiten. „Unternehmen sollten neben der operativen auch eine strategische Position zu der aktuellen Marktsituation entwickeln. Nur wer zusätzlich zu einem konsequenten Sparkurs auch gezielt Chancen zur Verbesserung der Wettbewerbsposition nutzt, geht gestärkt aus dieser Phase hervor“, sagt der Berater.
oc&c/pan
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