Horváth & Partners: Unternehmen lassen Mitarbeiter-Ideen ungenutzt
19. Mai 2009
Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß! Naja: Gemessen an der Zahl der Patent-Anmeldungen steht der Münchner Technologiekonzern gar nicht so schlecht da. Der fast schon sprichwörtliche Stoßseufzer eines unbekannten Siemens-Managers trifft wohl eher auf andere Unternehmen zu. Dass hier vieles im Argen liegt, zeigt eine neue Studie von Innovation Navigators, einer Tochter der Beratungsfirma Horváth & Partners.
Die halbherzige Suche und Nutzung genialer Ideen führt in vielen Unternehmen zur Verschwendung eines großen Potenzials, lautet das Fazit der gestern veröffentlichten Studie.
Neue Wege gehen
„Kreatives Potenzial zu nutzen ist jedoch gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von großer Bedeutung“, sagt Oliver Greiner, Partner bei Horváth & Partners und Geschäftsführer der Innovation Navigators. Und: „Einen großen Schritt nach vorne schaffen regelmäßig nur jene Unternehmen, die Branchenparadigmen durchbrechen und Wege gehen, die bisher schlichtweg undenkbar waren“, so der Experte. Die Studie zeige, dass erfolgreiche Unternehmen eher auf radikale Ideen setzen, statt auf kleine, kontinuierliche Verbesserungen.
Dabei mangelt es nicht an der Erkenntnis über den hohen Stellenwert von Innovationen. 87 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass bedeutende Innovationen nötig sein werden, um die Ergebnisziele der nächsten Jahre zu erreichen. Auf der Suche nach neuen Ideen werden aber Kreativität und Schöpferkraft im Unternehmen nicht ausreichend gefördert. So sind 88 Prozent der Teilnehmer der Meinung, dass das kreative Potenzial der Mitarbeiter deutlich intensiver genutzt werden könnte. 71 Prozent sehen dies auch in Bezug auf die Innovationskraft von Führungskräften.
Eine innovationsförderliche Kultur wird von den meisten Studienteilnehmern als wichtigster Hebel zur Verbesserung der Innovationskraft gesehen. Nach Einschätzung der befragten Führungskräfte ist nur jedes zweite Unternehmen „eher offen“ gegenüber Innovationen. Spielraum für entscheidende Verbesserungen gibt es besonders bei der Förderung einer kreativeren Ideengenerierung. So werden beispielsweise lediglich bei einem Drittel der befragten Unternehmen Mitarbeiter dazu angeregt, Probleme in kreativer Art und Weise zu lösen. Nur in jedem zehnten Unternehmen kennt sich eine größere Anzahl von Mitarbeitern gut mit Kreativitätstechniken aus.
Land der Erfinder
„Deutschland ist zwar als Land der Tüftler und Erfinder bekannt“, erklärt Studienleiterin Sylvie Römer. „Doch häufig handelt es sich alleine um Mitarbeiter von Forschungs- und Entwicklungsabteilungen.“ Zur Aktivierung des Ideenreichtums aller Mitarbeiter brauche es ein neues Denken im Innovationsmanagement. „Zunächst gilt es, die Keimzelle der Innovation zu stärken – und das sind die Denkmuster aller Mitarbeiter und Führungskräfte“, so Römer. „Kreatives Denken ist eine erlernbare Kompetenz!“ Auf dieser Grundlage sollte das bestehende Innovationsmanagement ganzheitlich neu ausgerichtet werden.
Die Studie wurde im vierten Quartal 2008 in von den Innovation Navigators – der auf Innovationsmanagement spezialisierten Tochtergesellschaft von Horváth & Partners – in Zusammenarbeit mit dem Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship der European Business School (EBS) durchgeführt. 128 Führungskräfte aus Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größenordnungen beteiligten sich an der Untersuchung.