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Arthur D. Little: Online-Glücksspiele sind ein attraktiver Wachstumsmarkt Drucken E-Mail
26. Mai 2009

Glücksspiele im Internet sind nicht gerade jedermanns Sache. So wie die Spieler hat auch der Glücksspiel-Markt seine Eigenheiten. Trotzdem gibt es eine Reihe von guten Gründen, warum gerade etablierte Telefonfirmen hier und jetzt investieren sollten. Selbst den schlechten Ruf der Branche könne man in gewisser Weise als Chance begreifen, so die Berater von Arthur D. Little mit Blick auf eine aktuelle Studie.

Eine wachsende Zahl europäischer Länder bereitet derzeit die kontrollierte Öffnung ihrer Märkte für Online-Glücksspiele vor. Grund: Surfer, in deren Land es keine Online-Glücksspiele gibt, nehmen zunehmend und auf einfache Weise Angebote ausländischer Websites wahr.

Monopol wird untergraben

Damit gehen dem Fiskus Steuern in Millionenhöhe verloren. Außerdem wird das staatliche Glücksspiel-Monopol untergraben.

„Gerade etablierten Telecom-Anbietern mit ihrem festen Kundenstamm eröffnen sich dadurch interessante Perspektiven“, sagt Klaus von den Hoff, Leiter des Geschäftsbereichs Telecoms, Information; Media und Entertainment bei
Arthur D. Little. Die Unternehmen könnten nicht nur neue Umsatz- und Ertragsquellen erschließen, sondern sich auch im Wettbewerb neu positionieren.

In Zusammenarbeit mit führenden europäischen Unternehmen der Telekommunikationsbranche arbeitete das Beraterteam von Arthur D. Little wesentliche Faktoren für einen erfolgreichen Markteintritt heraus. Dabei identifizierten sie drei erfolgsentscheidende Parameter: der Mix des Spielangebotes, die Positionierung in der Wertschöpfungskette sowie die Überwindung einiger zentraler Herausforderungen.

Steile Wachstumskurven

Das Wachstum in den drei Segmenten seit 2002 kann sich sehen lassendamals betrug das Gesamtmarktvolumen rund eine Milliarde Euro und lag im Jahre 2008 bereits bei über fünf Milliarden Euro.

Ein Blick auf die einzelnen Marktsegmente zeigt kleine Unterschiede in den jährlichen Zuwachsraten. So wird das Segment der Sportwetter bis 2012 mit einer jährlichen Wachstumsrate von acht Prozent auf rund 2,3 Milliarden Euro anwachsen. Die selbe Wachstumsrate gilt auch für für Online Poker Spiele, deren europäische Gesamtumsätze 2008 bei 1,1 Milliarden Euro lagen und die bis 2012 auf 1,5 Milliarden anschwellen werden. Am steilsten geht es derzeit mit den Online Casinos bergauf. Sie erfreuen sich einer jährlichen Zuwachsrate von elf Prozent und werden 2012 von einer Milliarde auf 1,5 Milliarden angewachsen sein.

Sportwetten, Online Poker, Casinos

Etablierte Anbieter, die einen Einstieg in diesen Markt suchen, haben in der Regel die Wahl zwischen drei wesentlichen Angebotsformen: Sportwetten, Online Poker und Online Casinos.
Mit der Wahl des richtigen Einstiegsangebots steht und fällt der Erfolg eines Markteinstiegs“, so von den Hoff.

Jede Variante berge spezifische Chancen und Risiken, die es sorgfältig abzuwägen gelte: So bietet nicht zuletzt der weitgehend unerschlossene Mobile-TV-Sektor noch enormes Wachstumspotential. Hier können insbesondere Provider profitieren, die bereits Multi-Play-Pakete aus Mobilfunk, Festnetz, Internet und Fernsehen offerieren und mit vergleichsweise geringem Aufwand diese Glücksspiel-Plattformen in ihr bestehendes Angebot integrieren.

Im Ergebnis steige nicht nur der Umsatz. Auch das Profil gegenüber der Konkurrenz werde schärfer, so der Berater.

Richtige Position in der Wertschöpfungskette

Die Implementierung von Gambling-Konzepten stellt Telekom-Unternehmen vor handfeste Herausforderungen: Im Wesentlichen sehen die Berater drei Möglichkeiten entlang der Wertschöpfungskette, solche neuen Angebote zu positionieren: Affiliate, Retailer oder Operator.

Der Affiliate leitet bestehende Kunden direkt zu den Online-Angeboten seines Partners, der dann die komplette Verantwortung für das Geschäft trägt. Allerdings hat das geringe Risiko auch seinen Preis. Denn Affiliates müssen mit niedrigen Einnahmen rechnen und haben nur begrenzte Einflussmöglichkeiten.

Eine Alternative dazu stellt die Position des Online-Retailers dar. Auf der eigenen Internet-Plattform werden dabei Partnerangebote vertrieben, ohne dass der Vertreiber eine Lizenz für Gewinnspiele besitzen muss. Die Profitmöglichkeiten hängen hier letztlich von den verhandelten Tarifen mit dem jeweiligen Partner ab - je stärker das Fremdangebot in die eigene Marke integriert wird, desto höher sind die Erträge.

Im Vergleich dazu agiert ein Operator bzw. Betreiber eigenständig auf dem Markt und trägt somit alle finanziellen und rechtlichen Risiken. Zwar müssen die Einnahmen mit keinem Partner geteilt werden, jedoch ist dieser Schritt mit einer Vielzahl von Risiken verbunden. Denn bei einem Fehlstart drohen nicht nur wirtschaftliche Verluste, sondern gegebenenfalls auch ein langfristiger Imageschaden. Klaus von den Hoff: „Für die richtige Wahl lässt sich keine allgemeingültige Empfehlung abgeben, hier muss von Fall zu Fall entschieden werden.“

Beherrschung der Spielregeln

Der Markt für Online-Glücksspiele leidet unter einem schlechten Ruf. Von den Hoff sieht dies jedoch eher als Chance: Etablierte Telecom-Anbieter könnten von ihrem guten Image profitieren, so der Experte. Und: „Der Schlüssel zum Erfolg liegt hier in erster Linie in der Auswahl verlässlicher Partner.“

Neueinsteiger wiederum dürfen nicht außer Acht lassen, dass die Anforderungen der Online-User mit der Zeit gestiegen sind. Pop-ups, überflüssige Inhalte oder unübersichtliche Bedienungsflächen sind im wahrsten Sinne Spielverderber, die die Kunden schnell in die Hände der Konkurrenz treiben. Betreiber sollten auf vier Eckpunkte setzen, mit denen sich der langfristige Erfolg sichern lässt: Sicherheit, Unterhaltung, Benutzerfreundlichkeit und Simplizität der Anwendung.

adl/pan

 


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