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OC&C, Sal. Oppenheim: Deutscher Breitbandmarkt vor Übernahmewelle

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19. Oktober 2009
Deutsche Telekom, Vodafone, O2, United Internet... In manchen Regionen Deutschlands kann der Kunde zwischen zehn Anbietern für das schnelle Internet wählen. Der harte Wettbewerb lässt Preise und Profite schmelzen. Kein Wunder, dass sich einige Anbieter zu echten Übernahmekandidaten entwickelt haben. Das zeigt auch eine heute veröffentlichte Studie von OC&C Strategy Consultants und der Investmentbank Sal. Oppenheim.

„Wir erwarten für das Gesamtjahr 2009 eine weitere Verlangsamung des Marktwachstums mit deutlich unter zwei Millionen Neuanschlüssen“, so Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. „Die Konsolidierung ist für viele Anbieter der einzige Ausweg aus der entstehenden Abwärtsspirale“, sagt Branchenexperte Arndt Rautenberg von OC&C Strategy Consultants.

Die beiden Studien-Autoren können sich eine Breitband-Penetration von über 85 Prozent durchaus vorstellen, allerdings werden sich festnetzbasierte Breitbandanbieter den Markt mit mobilen Breitbandangeboten teilen müssen. Sie prognostizieren für das Jahr 2010 daher auch nur noch etwas mehr als eine Million Neuanschlüsse – eine zu niedrige Zahl, um den Umsatzrückgang durch fortgesetzten Preisverfall in der Branche kompensieren zu können.

„Wir empfehlen der Bundesregierung, ihre geplante Strategie zur Stimulierung von Breitbandinvestitionen zu überdenken. Statt einer vermeintlich investitionsfreundlichen Regulierung ist ein Breitband-Finanzierungsprogramm für kleinere Anbieter durch die KfW die sinnvollere Maßnahme. Denn stellt die Bundesregierung keine alternativen Finanzierungen bereit, wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr Ziel verfehlen, 75 Prozent der deutschen Haushalte bis 2014 mit einem Breitband-Anschluss zu versorgen“, sagt Rothauge.

Konsolidieren – aber wie?

Die Anbieter verfolgen mit Übernahmeaktivitäten im Breitbandmarkt drei wesentliche Ziele: Neben Kostensynergien wollen sie Umsatzsynergien erzielen sowie Investitionsausgaben bündeln. Aufgrund der unterschiedlichen Dynamik in den Teilmärkten variieren diese Ziele zwischen DSL-, Kabel- und Mobilfunkanbietern zum Teil erheblich. Die Studie analysiert insgesamt 77 Übernahmeoptionen – 18 davon werden als möglich oder gar wahrscheinlich eingeschätzt.

Besonderes Augenmerk legen die Autoren auf vier Szenarien: Strategische Optionen für Telefónica O2 in Deutschland, die Renaissance des Reseller-Modells, Konsolidierungsszenarien für den Kabelmarkt sowie der Komplex „DSL goes Cable“.

Die Deutsche Telekom bleibt unberücksichtigt, weil die Autoren nicht damit rechnen, dass die Bundesnetzagentur ihr Akquisitionen im Festnetzbereich in Deutschland genehmigen würde.

Rückzug unwahrscheinlich – Optionen für Telefónica O2

Mit einem Marktanteil von rund 14 Prozent und 14,9 Millionen Kunden ist Telefónica O2 derzeit der viertgrößte Mobilfunk-Netzbetreiber in Deutschland. Im Breitband- bzw. Festnetzbereich verfügt das Unternehmen über ein volles LLU-Netzwerk auf Basis der ADSL2+-Technologie. Allerdings liegt sein Marktanteil hier unter ein Prozent. Zusätzlich hat Telefónica O2 als Wholesaler verschiedener Service Provider rund eine Million Verbindungen geschaltet. Ein Triple- oder Quadruple-Play mit IPTV spielt Telefónica O2 noch nicht.

Basierend auf dieser relativ schwachen Marktperformance waren die finanziellen Ergebnisse der vergangenen Quartale unbefriedigend, wenn auch mit positivem Trend. Ein Rückzug vom deutschen Markt ist dennoch unwahrscheinlich.

Das deutsche Geschäft machte 2008 mit 3,6 Milliarden Euro etwa 6 Prozent des Konzernumsatzes aus. Außerdem hat Telefónica in den vergangenen Jahren rund 3 Milliarden Euro in die Erhöhung der 2G- und der 3G-Reichweiten investiert.

Als Alternative zum Exit identifiziert die Studie zwei strategische Handlungsoptionen. „Statt einer Fokussierung auf Mobilfunk als „Mobile-Only“-Player sollte das Unternehmen den integrierten Festnetz- und Mobilfunkansatz stärken. Die attraktivere Option für Telefónica O2 ist der massive Ausbau des Festnetz-Geschäfts“, erläutert Arndt Rautenberg von OC&C.

Dies kann bei aktuell 230.000 Kunden allerdings nur über eine Akquisition von signifikanter Größe gelingen. HanseNet mit 2,3 Millionen Anschlüssen und 10 Prozent Marktanteil ist als Übernahmeziel bereits im Gespräch. Damit wäre die notwendige Größe und eigene Innenfinanzierungskraft als Bedingung für weitere DSL-Rollouts und Investitionen in neue Technologien erreicht.

Durch eine Ausweitung des Geschäftskundensegments ließen sich zudem Investitionen in IPTV-Angebote und damit der qualitative Anschluss an die Wettbewerber Deutsche Telekom und Vodafone realisieren.

Optionen für United Internet: Renaissance der Reseller?

Lange Zeit galt der Resell-Ansatz als nicht überlebensfähig. In Europa konnte sich mit United Internet nur ein reiner Breitband-Reseller ohne eigene Netz-Infrastruktur etablieren. Warum aber sollte sich das ändern?

United Internet verfügt nach der Übernahme des Freenet-DSL-Geschäfts über etwa 3,5 Millionen DSL-Breitbandkunden. Durch das Bündnis mit Freenet hat United Internet darüber hinaus Zugang zu über 1.000 Points-of-Sale und ein breites Distributionsnetzwerk. Zudem betreibt das Unternehmen Deutschlands größtes Portal und ist Europas führender Webhoster. Dieses Geschäft trägt zwar nur 18 Prozent zum Gruppenumsatz bei, sein Anteil am EBITDA beläuft sich aber auf immerhin 40 Prozent.

Aus dieser recht komfortablen Situation ergeben sich drei strategische Optionen für die Breitbandaktivitäten von United Internet: der Rückzug vom DSL-Markt, die Expansion in den mobilen (Breitband-)Markt oder die Expansion in den Festnetz-Breitband-Markt.

Die Autoren halten hier nur die beiden ersten Optionen für realistisch, und dies auch frühestens in zwei Jahren. Denn für eine Übernahme im Festnetz-Breitband-Markt, etwa von HanseNet, fehlt United Internet derzeit wohl das nötige Kapital. Aber auch ein Übernahmezug in Richtung Freenet ist kurzfristig nicht zu erwarten.

„Wir glauben nicht, dass United Internet ernsthaft für HanseNet bietet, denn der erwartete Kaufpreis von ca. einer Milliarde Euro übersteigt vermutlich die Möglichkeiten des Unternehmens“, sagt Rothauge. Und: „Wir rechnen daher mit keinem weiteren Annäherungsversuch von United Internet vor 2011 oder 2012“, so der Experte.

Szenarien für den Kabelmarkt – Konsolidierer und Ziele

In der deutschen Kabelindustrie hat vor allem die Kabel Deutschland GmbH (KDG) enormes Potential, als Konsolidierer aufzutreten. Durch zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz und EBITDA hat Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber eine beachtliche EBITDA-Marge von 43,2 Prozent erzielt und den Kapitalzufluss im 2. Quartal 2009 mit über 86 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die Eigentümer Providence Equity (88 %) und Ontario Teachers‘ Pension Fund (8 %) wären zudem in der Lage, einen Konsolidierungszug zu unterstützen.

Auch Unitymedia, Deutschlands zweitgrößter Kabelanbieter, ist ein potentieller Käufer. Unitymedia hat sein EBITDA im 2. Quartal 2009 dank erheblichen Umsatzwachstums auf 48,2 Prozent oder 111,3 Millionen Euro gesteigert. Die Mehrheitseigentümer BC Partners (35,3 %) und Apollo Management LP (29,2 %) könnten dem Unternehmen gewiss eine aktive Rolle in der Konsolidierung ermöglichen.

Kabel BW als kleinster der drei Kabelnetzbetreiber auf Netzebene 3 kommt als aktiver Käufer dagegen kaum in Frage. Mögliche weitere Käufer auf dem Kabelmarkt sind Private Equity-Häuser. Hierzu gehören z.B. Apax, Apollo, BC Partners, Blackstone, Providence oder Vitruvian.

Auch bei Versatel und Vodafone ist vorstellbar, dass sie unter gewissen Umständen in die Konsolidierung eingreifen. Und schließlich wird Liberty Media – einem großen, jedoch hoch verschuldeten Investor aus den USA – Interesse am deutschen Kabelmarkt nachgesagt.

Das offensichtlichste Übernahmeziel ist Orion Cable mit den Tochtergesellschaften Tele Columbus und PrimaCom. Orion (3,2 Millionen Kunden) gehört dem Finanzinvestor Escaline in Luxemburg. Bei diesem haben nach dem Bruch eines Kreditvertrages nun allerdings die Gläubiger weitgehend das Sagen und verlangen den Verkauf von Tele Columbus in einem formalen M&A-Prozess.

Auch Kabel BW ist mittelfristig ein Übernahmekandidat. Der viertgrößte Kabelnetzbetreiber (2,3 Millionen Kunden in Baden-Württemberg) ist trotz positiver Entwicklung in den vergangenen Quartalen zu klein, um allein langfristig erfolgreich zu bestehen. Der bereits für dieses Jahr avisierte Capex von 170 bis 200 Millionen Euro und die massiven Investitionserfordernisse lassen sich in einem größeren Verbund reduzieren und leichter schultern.

Auch Kabel Deutschland sollte als Übernahmeziel mittelfristig nicht außer Acht gelassen werden: Providence Equity hat seit sechseinhalb Jahren sehr erfolgreich in KDG investiert. Bei KDG stehen 2011 für das notwendige Netzwerk-Upgrade größere Investitionen an. Der Private Equity-Investor aber benötigt Barmittelzuflüsse. Insofern ist neben einem Börsengang auch ein Verkauf von KDG denkbar. Potentielle Käufer sind Vodafone und E-Plus.

Im Gegensatz zum Bundeskartellamt sehen die Verfasser der Studie weitere Zusammenschlüsse im Kabelmarkt und insbesondere auch auf der Netzebene 3 als nicht wirklich kritisch an: „Warum ein Zusammenschluss etwa von Unitymedia und Kabel BW den Wettbewerb in Deutschland nachhaltig stören sollte, ist uns nicht ersichtlich“, kommentiert Arndt Rautenberg. Im Gegenteil: „Nur auf Basis größerer Regionen und einer breiteren Kundenbasis werden die Kabelnetzbetreiber langfristig erfolgreich gegen ihre bundesweit agierenden DSL-Wettbewerber antreten können.“

„DSL goes Cable“ – oder lieber doch nicht?

Auch für die Kombination von Kabel- und DSL-Geschäften gibt es gute Argumente. Kabelanbieter haben den zentralen Vorteil eines eigenen „End-to-End“-Netzwerks und müssen daher keine Gebühren für die letzte Meile bezahlen. Alternative DSL-Anbieter hingegen zahlen der Deutschen Telekom dafür derzeit 10,20 Euro. Allein damit reichen sie mehr als 40 Prozent des aktuellen Headline-Preises von 29,90 Euro, der die Mehrwertsteuer beinhaltet, an den Marktführer weiter.

Dieses Rechenexempel ist ein starkes Argument für einen Zusammenschluss von DSL- und Kabelnetzbetreibern. Aber geht diese Rechnung wirklich auf? Bisher gibt es nur ein Beispiel für einen vergleichbaren Zusammenschluss auf dem deutschen Markt: Im Juni 2008 erwarb der DSL-Anbieter Versatel den kleinen Kabelbetreiber AKF Telekabel, und  nur sechs Monate später kaufte Versatel mit Media Home Net die zweite Kabelfirma.

Die Logik dieser Deals basierte auf drei Synergietreibern: dem sogenannten Upselling von Telefonie und Breitband aufgrund der besseren Expertise und der bekannteren Marke, dem Ersatz der Zulieferung des Signals von Netzebene 3 sowie einer Migration von DSL-Kunden zum Kabel.

Das Upselling funktioniert bei Versatel und AKF tatsächlich. Versatel erwartet, dass mittelfristig 15 bis 20 Prozent der TV-Kabelkunden zusätzlich das Telefon- und Breitband-Internet-Angebot nutzen. Da auch andere Kabelanbieter das Triple-Play-Geschäft zunehmend beherrschen, wird diese Synergieform mit der Zeit allerdings an Bedeutung verlieren.

Eine deutlich größere Herausforderung besteht darin, Synergien bei der Zulieferung von Netzebene 3 zu generieren. Die Migration von DSL-Kunden in Richtung Kabelanschluss ist nur bei Überlappung beider Netzinfrastrukturen möglich. Zudem muss jeder einzelne Kunde seine Zustimmung zum Technologiewechsel geben, was einen aufwändigen administrativen Prozess voraussetzt. Überdies muss der Anbieter zahlreichen Kunden Hardwarekosten, z.B. für WLAN Router, erstatten.

Der Zusammenschluss von DSL- und Kabelanbietern scheint zwar plausible Argumente für Synergien zu liefern – praktisch sind die Effekte jedoch eher gering und ihre Entwicklung benötigt zudem viel Zeit. Frank Rothauge: „Eine Akquisition von Kabel Deutschland durch Telefónica oder Vodafone ist aus unserer Sicht eher unwahrscheinlich, eine Übernahme von Kabel BW nahezu ausgeschlossen. Alle drei Synergietreiber greifen in diesen Szenarien nicht. Eine Übernahme des überlappenden Teils des Kabelnetzes von Orion durch Versatel kann hingegen sinnvoll sein.“

oc&c/pan

 


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