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Egon Zehnder: Deutschlandchef will Beraterteam aufstocken

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29. April 2010
Egon Zehnder International hat ein enttäuschendes Jahr hinter sich. 2010 will die Personalberatungsfirma aber wieder zurück auf den Wachstumspfad. Wie das gehen soll, verrät Deutschlandchef Johannes Graf von Schmettow in einem Exklusivinterview mit ConsultingStar.

Herr Dr. von Schmettow, Egon Zehnder International hat 2009 in Deutschland 52,6 Millionen Euro Umsatz gemacht. Das ist ein Minus von über 20 Prozent – und das erste Minus seit langem. Haben Sie als Reaktion auf die Flaute Ihre Preise gesenkt?

Nein, es gibt keinen Anlass, Preisanpassungen vorzunehmen.

Haben Sie Personal entlassen?

Nein, unsere Mitarbeiter- und Beraterzahlen sind im letzten Jahr konstant geblieben. Zurzeit suchen wir Berater. Wir wollen unser Team von jetzt rund 50 um vier weitere Consultants aufstocken.

In welchem Zeitraum?

Noch in diesem Jahr – vorausgesetzt, wir finden sie.

Vier Berater sollen schwer zu finden sein? Sie scherzen.


Nein, das ist mein voller Ernst. Das Angebot an hervorragenden Beratern, die in ihrer Qualifikation und ihrer Persönlichkeit zu uns passen, ist äußerst knapp.

dr._johannes_graf_v._schmettow.jpgWenn Sie neue Leute einstellen, rechnen Sie mit einem besseren Geschäft als 2009. Welchen Umsatz werden Sie im laufenden Jahr machen?

Im ersten Quartal 2010 haben wir 8,2 Prozent mehr Umsatz erzielt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Ich schätze, dass wir 2010 ein deutliches Plus erwirtschaften werden. Das
hängt natürlich auch davon ab, wie sich die Konjunktur entwickelt.

Welche Konsequenzen haben Sie aus der Krise gezogen?


Ohne dies ausschließlich der Krise zuschreiben zu wollen, sind wir in letzter Zeit sicherlich bestrebt, noch wachsamer und noch agiler zu sein.

Was heißt das?

Wir versuchen, uns noch stärker in die Situation unserer Klienten hineinzuversetzen und sie in ihren strategischen Entscheidungen zu begleiten. Im Sinne einer langfristigen und vertrauensvollen Klientenbeziehung entwickeln wir unsere Services weiter. Ein Beispiel hierfür ist unsere CEO Succession Practice, die ein Bedürfnis vieler Unternehmen widerspiegelt, den Nachfolgeprozess systematischer und professioneller zu gestalten.

Gab es oder gibt es darüber hinaus Änderungen?

Wir haben unsere internen Strukturen und Prozesse überprüft. Durch eine bessere technische Vernetzung unserer Büros und die Einrichtung eines deutschlandweiten Service Desks können wir solche Prozesse optimieren. Es sind viele kleine Maßnahmen.

Lassen Sie Ihre Berater coachen?

Systematisch sicher nicht. Was regelmäßig geschieht, ist der gegenseitige Austausch unter den Beratern. Wir reden sehr viel miteinander. Diese Gespräche sind ein zentraler Bestandteil unserer Firmenkultur.

Andere Unternehmen ändern in Krisenzeiten ihre Strategie. Wie ist das bei Ihnen?

Es macht für uns wenig Sinn, uns einer festgelegten Strategie zu unterwerfen. Unsere Zielsetzung ist vielmehr ein organisches Wachstum, das auch wesentlich mit dem Beraterpotenzial, das wir gewinnen können, zusammenhängt. Der amerikanische Managementexperte Jim Collins hat einmal gesagt, es sei entscheidend, die richtigen Leute ins Unternehmen zu holen: „Get the right people on the bus“ – das ist auch unser erstes Ziel.

In Zeiten rückläufiger Nachfrage verstärken große Beratungshäuser ihr Business Development: Sie entwickeln neue Geschäftsideen und gehen damit gezielt auf die Klienten zu. Was tun Sie?

Ein Business Development im klassischen Sinn des Wortes haben wir nicht. Das ist bei uns anders als bei manchen großen Strategie- oder IT-Beratungsfirmen, die entsprechende Spezialisten beschäftigen. Bei uns kümmern sich die Berater selbst um den Ausbau ihres Geschäfts.

Was machen Ihre Berater, wenn sie keine Aufträge haben?


Von solchen Situationen kann ich Ihnen nicht berichten. Zu unserer Tätigkeit gehört natürlich auch die Weiterentwicklung des Netzwerkes und der Austausch mit potenziellen Klienten und interessanten Kandidaten.

Nehmen Sie keine neuen Geschäftsfelder ins Visier?


Sicher, das tun wir. Dabei wird die Entwicklung neuer Geschäftsfelder in erster Linie von der Kompetenz und dem unternehmerischen Engagement unserer Berater vorangetrieben.

Können Sie Beispiele nennen?

Wissenschaftliche Institutionen und Nonprofit-Organisationen – auf diesen Gebieten sind wir erst seit relativ kurzer Zeit tätig. Auch Besetzungen im politischen Bereich – sowohl auf Unternehmensseite als auch in politischen Institutionen selbst – spielen eine stärkere Rolle. Und wir haben seit etwa zwei Jahren eine Global Sustainability Practice, in der es vorrangig um Nachhaltigkeitsthemen geht, die in der Wirtschaft zunehmend wichtiger sind. Oder nehmen Sie das Thema Compliance, das immer größere Relevanz gewinnt.

Mit der Krise hat dies alles aber nichts zu tun.


Genau. Wir versuchen, immer dann auf neuen Feldern Fuß zu fassen, wenn unsere Berater Potenziale sehen. Unser Unternehmen basiert auch auf dem Prinzip, gute Leute zu gewinnen und ihnen die Gelegenheit zu geben, sich zu entfalten, ihr Netzwerk zu entwickeln und bisweilen eben auch neue Geschäftsfelder zu erschließen. Egon Zehnder International bildet gewissermaßen die Plattform oder den Rahmen für die unternehmerischen Aktivitäten unserer Berater.

Zu den relativ neuen Aktivitäten bei Egon Zehnder International gehört „Akademia“: Ihre Berater suchen Führungspersonal für Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen. Sie bieten auch Management Appraisals für solche Klienten. Wie läuft dieses Geschäft?

Sehr gut!

Die Gehälter im akademischen Sektor liegen weitaus niedriger als in der Privatwirtschaft. Die wenigen spezialisierten Headhunter, die in diesem Bereich arbeiten, klagen über die niedrigen Honorare. Hat es Egon Zehnder International nötig, seinen Fuß auf ein derart unattraktives Geschäftsfeld zu setzen?

Unsere Honorare orientieren sich nicht am Gehalt der Kandidaten. Für die Menschen, die im akademischen Sektor arbeiten, sind die Chancen und Herausforderungen ihrer Aufgabe weitaus wichtiger als die Vergütung. Viele Wissenschaftler sind extrem leistungsfähig. Sie würden sich auch in der Privatwirtschaft hervorragend schlagen.

Letztes Jahr hatte einer Ihrer Berater den Rektor für die Universität Regensburg gesucht. Dabei sickerte durch, dass der Rektor der Universität Rostock zu den heißen Kandidaten gehörte. Die Rostocker zwangen den Mann zur Aufgabe seiner Ämter, und zwar noch bevor die Entscheidung der Findungskommission gefallen war. Wie beurteilen Sie diesen Fall?

Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu Personalien, ganz egal, ob wir involviert sind oder nicht.

Was machen Sie, wenn solche Pannen passieren?

Dort, wo Menschen unterwegs sind, passieren Fehler. Und wenn wir das Gefühl haben, dass irgendwo etwas nicht gut gelaufen ist, dann sehen wir uns das an. Wir versuchen, fehlerfrei zu arbeiten – wie jede vernünftige Firma das tut.

Die Findungskommissionen an deutschen Hochschulen stehen nicht nur im Ruf, wenig diskret zu sein. Sie sollen auch nicht besonders objektiv entscheiden. Es ist keineswegs sicher, dass der beste Kandidat das Rennen macht. Wie gehen Sie damit um?

Diese Schwierigkeiten gibt es doch auch in der Privatwirtschaft. Ich möchte meinen, dass unsere Berater oft mit komplexeren Herausforderungen konfrontiert sind, wenn sie nach einem Topmanager suchen. Das ist ja der Grund, warum man uns einschaltet. Wir sind dazu da, diese Probleme zu lösen.

Zur Person: Johannes Graf von Schmettow, 48, leitet das Deutschland-Geschäft von Egon Zehnder International seit November 2008. Bevor der promovierte Mathematiker zu Egon Zehnder stieß, arbeitete er als Managementberater bei Boston Consulting. Der „Familienmensch“ (von Schmettow über sich selbst) ist verheiratet und hat fünf Kinder.    pan

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Die Fragen stellte Rainer Steppan, www.ConsultingStar.com.

Mehr über Egon Zehnder International bei ConsultingStar:

http://www.consultingstar.com/personalberatung/egon-zehnder-international-leidet-unter-flaute-am-manager-arbeitsmarkt.html

Firmenfoto Dr. Johannes Graf von Schmettow: Egon Zehnder International

 


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