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Egon Zehnder International spricht sich gegen Frauenquote aus

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19. Oktober 2010
Wenn es um die Vergabe von Spitzenjobs an Frauen geht, zählen deutsche Unternehmen nicht gerade zur Avantgarde. Zu diesem wenig überraschenden Ergebnis kommt die Headhuntingfirma Egon Zehnder International in einer aktuellen Untersuchung. Eine gesetzlich verankerte Frauenquote sei dennoch eher schädlich, so die Consultants.

In den größten deutschen Unternehmen, darunter alle DAX 30-Konzerne, sind lediglich 8,7 Prozent der Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder weiblich. Im EU-Schnitt liegt der Frauenanteil hingegen bei 12,2 Prozent (im Vergleich zu 9,7 Prozent vor zwei Jahren).

Besonders schwach vertreten sind Frauen in den Vorständen deutscher Unternehmen, also in operativen Managementfunktionen: Lediglich 2,3 Prozent der Positionen besetzen sie dort, im Vergleich zu 4,2 Prozent im EU-Schnitt.

Schweden, Finnland und Norwegen

Egon Zehnder International hat in der seit 2004 zum vierten Mal durchgeführten Studie „European Board Diversity Analysis“ über 300 der größten europäischen Unternehmen mit einer Marktkapitalisation von über vier Milliarden Euro in 17 Ländern untersucht. Dabei traten im Ländervergleich erhebliche Unterschiede zutage:

Schweden, Finnland und Norwegen liegen mit etwa 30 Prozent weiterhin an der Spitze, wobei nur Norwegen über eine gesetzlich vorgeschriebene Quote verfügt.

In Frankreich, wo ein entsprechendes Gesetz auf den Weg gebracht ist, gingen im Jahr 2009 38 Prozent aller Neubesetzungen an Frauen, der Gesamtanteil liegt hier bei 12,4 Prozent.

„Wir beobachten europaweit eine starke Tendenz zugunsten von mehr Frauen in Vorständen und Aufsichtsgremien. Deutschland muss aufpassen, hier nicht den Anschluss zu verlieren“, warnt Berthold Leube, der die Board Practice bei Egon Zehnder International Deutschland leitet.

Gesetzliche Quote kein Allheilmittel

Dabei sei eine gesetzlich vorgegebene Mindestquote kein Allheilmittel, wie der Blick beispielsweise auf Schweden und Finnland – die keine Quote haben – zeige: „Die Bedeutung des gesellschaftlichen Klimas kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. In anderen Ländern sind die strukturellen Voraussetzungen besser. Eine stärkere Mitwirkung von Frauen in unternehmerischen Funktionen ist gesellschaftlich gelernt und gewollt“, so Leube weiter.

„Die überwiegende Mehrheit deutscher Unternehmenslenker erkennt – auch jenseits der Genderfrage – die Notwendigkeit und den Vorteil größerer Diversität in Vorständen und Aufsichtsräten, doch eine konsequente und nachhaltige Umsetzung steht oftmals noch aus.“

Auffällig ist der deutsche Rückstand auch in puncto Internationalität. So stammen lediglich ein Fünftel der Frauen in deutschen Vorständen und Aufsichtsräten aus dem Ausland. Im EU-Schnitt erreicht die Internationalität über dreißig Prozent.

Damit ist der internationale Anteil bei den weiblichen Vorständen und Aufsichtsräten höher als bei Männern. Und: Die meisten Frauen, die in diese Gremien berufen werden, sind einige Jahre jünger als ihre männlichen Konterparts.

Fachkompetenz und Persönlichkeit

Insgesamt nimmt der Bedarf der Unternehmen an Frauen, die sich für entsprechende Positionen eignen, stark zu. Entsprechend wichtig wird in diesem Zusammenhang die Frage der Qualifikation. In einem Besetzungsverfahren, so Leube, solle vor allem die fachliche Kompetenz zählen. „Und da müssen Frauen sich nicht verstecken.“

Im Bereich von formalen Kriterien fehle auf Seiten der Unternehmen hingegen oftmals eine differenziertere Perspektive.

„Wenn Sie ein Aufsichtsratsmitglied suchen, das unbedingt vorher CEO eines DAX-Konzern gewesen sein soll - wie viele werden Sie finden?“, fragt Leube. „Entscheidend ist, dass eine Frau genau jene professionellen Kompetenzen, operative Erfahrungen und Persönlichkeit mitbringt, die die spezifische Unternehmenssituation erfordert.“

ezi/pan

 


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