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Towers Watson: Gehälter deutscher Konzernchefs sind stark gestiegen

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29. März 2011

2010 war ein fettes Jahr für die deutschen Topmanager. Das zeigt eine Analyse, die das Personalberatungsunternehmen Towers Watson heute veröffentlicht hat. Demnach kassierten die Chefs der 30 im Börsenindex Dax gelisteten Konzerne im Schnitt rund 4,4 Millionen Euro Jahresgehalt – fast ein Fünftel mehr als 2009.

Für ihre Analyse haben die Vergütungsexperten von Towers Watson die Geschäftsberichte der Großunternehmen ausgewertet. Dabei haben sie aber nur die Entwicklung bei der sogenannten Direktvergütung der Manager abgebildet.

Zu dieser Direktvergütung muss man eigentlich noch die Altersversorgung und weitere geldwerte Leistungen hinzurechnen etwa Dienstwagen und Chauffeur.

Sonderfall Commerzbank

Der Topverdiener des Jahres 2010 ist Volkswagen-Boss Martin Winterkorn (9,3 Millionen Euro), auf Platz 2 landete Siemens-Chef Peter Löscher (8,9 Millionen Euro) gefolgt von Dieter Zetsche, dem Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG (8,7 Millionen Euro).

Einen Sonderfall stellt die Commerzbank dar. Dort erhielt jedes Vorstandsmitglied 2010 lediglich 500.000 Euro ausbezahlt
genausoviel wie in den beiden Vorjahren. Grund: Das Geldhaus darf keine höheren Gehälter zahlen, weil es während der Finanzkrise mit rund 18 Milliarden Euro vom Staat gestützt werden musste. Diese Gelder hat die Commerzbank noch nicht zurückgezahlt.

Die Höhe der Vorstandsvergütung in Deutschland hat sich an die Vergütung in den europäischen Ländern weitgehend angeglichen. Zwar liegen international noch nicht alle Geschäftsberichte vor, jedoch lässt sich aus den bereits vorliegenden Zahlen für den europäischen Börsenindex DJ Stoxx Europe 50 eine stabile Tendenz ablesen.

Neues Gesetz

Die Chefs der in diesem Index gelisteten Unternehmen verdienten 2010 im Schnitt rund 5,9 Millionen Euro, also 1,5 Millionen Euro mehr als der Dax-Durchschnitt. 2009 fiel dieser Unterschied deutlich größer aus: 3,7 Millionen (Dax) zu 6,3 Millionen Euro (DJ Stoxx Europe 50). Im weltweiten Vergleich haben die Topmanager in den USA mit 15,4 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 10 Millionen Euro) die Nase vorn.

Erstmals zeigen sich in den Geschäftsberichten die Auswirkungen des 2009 in Kraft getretenen Gesetzes zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG). Das Gesetz schreibt eine nachhaltige Vergütung basierend auf mehrjährigen Bemessungsgrundlagen vor.

„Die geänderte Regulatorik mit VorstAG und Corporate-Governance-Kodex spiegelt sich in einer stärkeren Ausrichtung der Vorstandsvergütung auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit wider“, sagt Olaf Lang, Leiter des Bereichs Talent & Rewards bei Towers Watson.

Unterschiedliche Wege

Die Mehrheit der Unternehmen hat ihre Vergütung bereits an die neuen Vorschriften angepasst. Dazu wurden unterschiedliche Wege gewählt. So haben viele Unternehmen erstmals Deferrals (aufgeschobene Auszahlung von kurzfristigen Vergütungsanteilen) eingeführt. Zudem wurden in einigen Unternehmen die Bemessungsgrundlagen geändert:

Wurden Boni früher nur für den Erfolg des zurückliegenden Jahres gezahlt, wird hierfür nun zum Teil der Erfolg der zurückliegenden zwei bis drei Jahre betrachtet. Wieder andere Unternehmen haben den Jahresbonus reduziert und im Gegenzug die langfristige aktienbasierte Vergütung erhöht.

Die wirtschaftliche Erholung schlägt sich deutlich in der Vergütungshöhe nieder. Das Ergebnis pro Aktie ist im Durchschnitt – nach Rückgängen in den Vorjahren – um rund 100 Prozent gestiegen.

Variable Vergütung

Mit den guten Unternehmensergebnissen stieg die variable Vergütung der Vorstände. Die sofort ausgezahlten Bonusanteile wuchsen um 34 Prozent.

Auch die langfristige Vergütung ist gestiegen. „Da jedoch die langfristigen Vergütungsbestandteile nur zum Teil im laufenden Geschäftsjahr, zum Teil aber erst bei ihrer Auszahlung in den folgenden Geschäftsjahren auszuweisen sind, lässt sich dieser Trend nicht solide quantifizieren“, so Ralph Lange, Director Executive Compensation von Towers Watson.

Insgesamt aber scheinen die Berater von Towers Watson mit der Vergütungspraxis an der Spitze der Dax-Unternehmen zufrieden zu sein. Die Gehaltssysteme „atmen“, heißt es in der Analyse: Im Beobachtungszeitraum von 2007 bis 2010 hätten die Chefs bei guten Ergebnissen mehr Geld bekommen, bei schlechter Performance weniger.

tow/pan

 


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