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Beraterverband BDU: Headhunter machen wieder gute Geschäfte

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16. Mai 2011
Die Wirtschaft brummt, die Headhunter freut's. Laut einer neuen Studie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) haben die diskreten Dienstleister im vergangenen Jahr kräftig beim Umsatz zulegen können. Die starke Nachfrage werde auch 2011 anhalten, so der Verband.

Am Arbeitsmarkt für Fach- und Führungskräfte zeigen sich erste Anzeichen einer Überhitzung. Die Unternehmen reißen sich um Ingenieure, Konstrukteure und IT-Experten. Aber auch Kandidaten mit anderen Qualifikationen haben gute Jobchancen. Und es sind keineswegs nur junge, dynamische Überflieger, die da gesucht werden. Die Wirtschaft braucht auch Manager mit langjähriger Berufserfahrung und gediegener Branchenkenntnis.

Schnell abgehakt

So lässt sich jedenfalls die Studie interpretieren, die der BDU letzte Woche veröffentlicht hat. Das druckfrische Zahlenwerk zeigt vor allem, dass die deutschen Headhunter das Horrorjahr 2009 schnell abgehakt haben.

Rückblickend spricht Michael Heidelberger, Vorsitzender des Fachverbandes Personalberatung beim BDU, von einem Zustand der „Schockstarre“ bei den Auftraggebern. Soll heißen: Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 waren die Umsätze der Berater ins Bodenlose gestürzt. Die Entscheider in den Unternehmen verhängten Einstellungsstopps und stornierten die laufenden Aufträge. Heidelberger & Kollegen durften Däumchen drehen (vgl. ConsultingStar, Bericht vom 5. Mai 2010).

Doch die Durststrecke dauerte gerade einmal ein Jahr: Laut Studie haben die Consultants schon im vergangenen Jahr wieder kräftig Kasse gemacht. Ihre Umsätze beliefen sich auf insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro – 18 Prozent mehr als 2009. Und ein Ende des Booms ist nicht abzusehen. Für das laufende Jahr rechnen die Autoren der Studie mit einem weiteren Umsatzplus. Der Anstieg wird allerdings nicht mehr so stark ausfallen wie 2010. Die Prognose liegt bei 14 Prozent.

Stark steigender Bedarf

Die Nachfrage kommt in erster Linie aus den Hightech-Branchen Telekommunikation, IT, Medien, Unterhaltung und Sicherheit. Aber auch das Verarbeitende Gewerbe, die Versorgungsindustrie und die sogenannten wirtschaftsnahen Dienstleister, also etwa Unternehmens- und Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer, melden stark steigenden Personalbedarf. Die Zuwachsraten in den genannten Branchen werden laut Studie zwischen 16 und 20 Prozent liegen.

Weiteres Ergebnis: Das Suchgeschäft entwickelt sich zunehmend mehrkanalig. Neben der sogenannten Direktansprache und der Suche per Print- und Online-Anzeige gewinnen soziale Netzwerke im Internet und das Echtzeitweb (Twitter & Co.) immer mehr an Bedeutung.

Wer das BDU-Papier liest, erkennt auch die enorme Bedeutung der Headhunter für das Wohl und Wehe der Wirtschaft: Fast 45000 Posten hatten die Recruiting-Profis im vergangenen Jahr besetzt, davon rund ein Viertel Stellen im Vorstand oder der Geschäftsführung eines Unternehmens. Und man muss kein Hellseher sein, um zu sagen, dass der Stellenwert dieser Berater weiter steigt. Dafür sprechen die rasante Internationalisierung und die zunehmende Komplexität der Wirtschaft. Hinzu kommen die geradezu prekäre demographische Entwicklung und der anstehende Generationswechsel in den Führungsetagen. All diese Trends heizen den Headhunter-Boom weiter an.

Groteske Intransparenz

Trotz der großen Bedeutung der Branche herrscht auf dem Personalberatermarkt eine nach wie vor geradezu groteske Intransparenz. Grund: In Deutschland gibt es laut BDU fast 2000 Firmen, die Personalberatung anbieten. Darunter befinden sich Global Player wie Egon Zehnder, Heidrick & Struggles oder Spencer Stuart, aber auch weitgehend unbekannte Kleinunternehmen mit wenigen Mitarbeitern und eine völlig unübersichtliche Szene von Einzelkämpfern. Insgesamt arbeiten über 5000 Consultants in dieser Branche. Hinzu kommen noch einmal etwa 6000 Mitarbeiter – vor allem Researcher, Assistenten und Sekretärinnen.

Kaum jemand blickt da noch durch. Vor allem jüngere Kandidaten wissen nicht genau, wer sie da gerade angerufen und nach ihrer Bereitschaft zu einem Jobwechsel gefragt hat. Die enorme Zersplitterung der Beraterlandschaft und der rasche Wandel in der Branche erschweren aber auch den Personalprofis in den Unternehmen die Auswahl des richtigen Dienstleisters.

Früher griffen die Entscheider bei der Auswahl von Beratern zu dickleibigen Branchenführern. Die gibt es auch heute noch. Sie helfen aber nicht weiter. Da diese Wälzer durchweg anzeigenfinanziert sind, erhält jedes inserierende Unternehmen den gleichen Raum eingeräumt – egal ob es sich um ein seriöses und bedeutendes Beratungshaus handelt oder nicht.

Keine gute Beratung

Heute durchforsten die Personalleute und Job suchende Kandidaten das Internet – und müssen allzu oft erfahren, dass ausgefeiltes Suchmaschinenmarketing noch lange keine gute Beratung ausmacht.

Auch die Studie bringt kaum Licht in den Beraterdschungel. Das Papier erweist sich insoweit eher als herbe Enttäuschung. Grund: In früheren Jahren hatte sich der Verband noch die Mühe gemacht und die 20 Marktführer der deutschen Headhunterszene in der Reihenfolge ihrer Umsätze gelistet. Dieses Jahr sind in der Studie jedoch lediglich die Namen und Eckdaten von vier Firmen abgedruckt: Kienbaum, Baumann, Zehnder und Heads. Der Rest der Branchengrößen hatte sich wohl geweigert, dem BDU Zahlen zu nennen.

Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast: Selbst das Mini-Ranking des BDU ist nicht frei von Fehlern. Grund: Im Gegensatz zu Zehnder und Heads erzielen Kienbaum und Baumann große Teile ihres Umsatzes mit anzeigengestützter Personalsuche. Die Anzeigenspesen, die den Auftraggebern in Rechnung gestellt werden, finden Eingang in die gemeldeten Umsatzzahlen. Das verzerrt die Statistik. Transparenz sieht jedenfalls anders aus.

Nicht geschützt

Personalberater, Headhunter oder Executive Search Consultant kann sich jeder nennen. Diese Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt. Um ins Search Business einzusteigen, muss man nicht einmal einen Schulabschluss vorweisen. Das machen sich immer wieder unseriöse Gestalten zunutze – und ziehen ihre arglosen Kunden über den Tisch.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Verband entschlossen, die Zertifizierung von Personalberatern weiter voranzutreiben. Das Zertifikat vergibt der BDU nur an Akademiker, die mindestens fünf Jahre lang hauptberuflich als Personalberater tätig gewesen sind und sich regelmäßig fort gebildet haben.

Außerdem hat der Verband einen Leitfaden veröffentlicht: In den „Grundsätzen für die ordnungsgemäße qualifizierte Personalberatung“ steht schwarz auf weiß, wie ein Suchprojekt ablaufen soll – vom Beginn der Vertragsverhandlungen bis zur erfolgreichen Besetzung eines vakanten Postens. Diese Grundsätze müssen jedoch nur Berater beachten, die Mitglied im BDU sind.

pan

 


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