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Hostettler, Kramarsch & Partner: Chefs von MDAX-Konzernen sahnen ab

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24. Mai 2011
Die Wirtschaft boomt, die Unternehmen schreiben schwarze Zahlen, die Saläre der Topmanager klettern in Schwindel erregende Höhen. Wie viel Geld die Chefs der 50 im deutschen Börsenindex MDAX gelisteten Unternehmen kassieren, verrät eine aktuelle Studie der Beratungsfirma Hostettler, Kramarsch & Partner.

Die Studie basiert auf einer Auswertung der Geschäftsberichte der MDAX-Unternehmen. Sie belegt, dass die Gehälter der Unternehmenslenker im vergangenen Jahr deutlich gestiegen sind, und zwar um durchschnittlich 28 Prozent. Dabei kletterten die kurzfristigen variablen Bezüge um 16 Prozent. Geradezu explosionsartig entwickelten sich die auf bis zu vier Jahre ausgelegten nachhaltigen variablen Vergütungsbestandteile. Sie haben sich laut Studie mehr als verdoppelt (+102 Prozent).

Vergütungen im Geschäftsjahr 2010

Die durchschnittliche Direktvergütung eines Vorstandsvorsitzenden beträgt rund zwei Millionen Euro. Direktvergütung ist die Summe aus Festvergütung, Kurzfristbonus und nachhaltiger Vergütung. Die durchschnittliche Grundvergütung beträgt rund 0,68 Millionen Euro, der jahresbasierte Kurzfristbonus 0.67 Millionen Euro und die variable Langfristvergütung 0,64 Millionen Euro – die Vergütungsstruktur weist daher einen ausgewogenen Mix aus festen, kurzfristigen und langfristigen Elementen aus (je ein Drittel). Die durchschnittliche Direktvergütung beläuft sich auf 1,99 Millionen Euro.

Über den gesamten MDAX hinweg wird für sechs Topmanager eine Direktvergütung von mehr als drei Millionen Euro ausgewiesen, 18 Unternehmenslenker erhalten mehr als zwei Millionen Euro.

Die im MDAX gelisteten Unternehmen mit den geringsten Chef-Salären sind Deutsche Wohnen und HHLA mit jeweils 0,7 Millionen Euro Direktvergütung sowie Heidelberger Druck mit 0,75 Millionen Euro. Die Bezüge des Vorstandsvorsitzenden der Aareal Bank sind bei 500.000 Euro Fixvergütung gedeckelt, da das Institut staatliche Hilfen in Anspruch nimmt.

Das meiste Geld kassieren die Vorstandsvorsitzenden von Hochtief (4,3 Millionen Euro), Lanxess (3,9 Millionen Euro) und EADS (3,5 Millionen Euro). Diese Spitzenwerte liegen deutlich unter den Vergleichswerten im DAX (Volkswagen, 9,3 Millionen Euro Direktvergütung, Siemens 8,9 Millionen Euro), weisen aber ähnlich hohe Anteile an nachhaltig variabler Vergütung auf, mindestens 35 Prozent bei EADS und maximal 69 Prozent bei Hochtief.

Pay for Performance weitgehend etabliert

Eine Gegenüberstellung der Bezüge von Vorstandsvorsitzenden im MDAX, die sowohl 2009 und 2010 im Amt waren, belegt einen Anstieg der durchschnittlichen Direktvergütung um 28 Prozent auf 1,97 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum ist der Gewinn pro Aktie um durchschnittlich 655 Prozent gestiegen. Den höchsten Vergütungszuwachs gegenüber dem Geschäftsjahr 2009 verzeichnen die Chefs von Leoni (+ 145 Prozent), EADS (+132 Prozent) und Lanxess (+118 Prozent). Alle drei Unternehmen haben das Ergebnis pro Aktie als Performance-Kenngröße erheblich gesteigert.

Sinkende Vergütungen werden für die Unternehmenslenker von Stada Arzneimittel (-11 Prozent), Vossloh (-7 Prozent) und Hochtief (-2 Prozent) ausgewiesen, wenngleich die beiden letztgenannten Unternehmen noch einen gestiegenen Gewinn pro Aktie verzeichnen. Der deutlichste Rückgang im Vergütungsvergleich wurde bei Brenntag (-80 Prozent) ermittelt, dieser ist aber dem im Geschäftsjahr 2009 gültigen besonderen Incentivierungs-Programm im Rahmen des Börsengangs geschuldet.

Diskrepanzen zwischen Performance und Vergütung zeigen sich bei Gea Group (Gewinn pro Aktie -0,15€ / Anstieg Direktvergütung + 64 Prozent), Wincor Nixdorf (-0,23€ /+32 Prozent), Tognum (-0,30€ /+16 Prozent), Rhön Klinikum (-0,06€ /+11 Prozent) und Praktiker Holding (-0,42€ /+7 Prozent). Mit Ausnahme von Praktiker geht der Vergütungsanstieg im Wesentlichen auf die Neueinführung bzw. Erhöhung nachhaltiger variabler Vergütungen zurück, deren Auszahlung je nach Geschäftsentwicklung über die kommenden bis zu vier Jahre erfolgt.

Transparenz und Lesbarkeit verbesserungswürdig

Für die Studienautoren sind die Ergebnisse ein Beleg dafür, dass die neuen regulatorischen Anforderungen an die Vorstandsvergütung bei dem Gros der MDAX-Unternehmen weitgehend umgesetzt wurden. „Die Vergütung ist erfolgs- und risikoorientierter ausgestaltet als jemals zuvor“, sagt Michael Kramarsch, Partner bei HKP. Im Durchschnitt stehe knapp die Hälfte der variablen Bezüge der Top-Manager im MDAX für bis zu vier Jahre im Risiko und könne im Extremfall ganz entfallen. Dies sei eine neue Qualität in der Vergütungspraxis, so Kramarsch.

Der Experte betont, dass 2010 erstmalig das Gesetz zur Angemessenheit in der Vorstandsvergütung (VorstAG) und die Institutsvergütungsverordnung umzusetzen war. Die Unternehmen seien diesen Vorgaben weitgehend nachgekommen, wenngleich aktuell noch neun MDAX-Werte aufgrund des Bestandsschutzes von Altverträgen für ihre Vorstandsvorsitzenden eine variable Langfristvergütung von null ausweisen.

2010 hat die Transparenz im Ausweis der Vergütungssysteme und -höhen im MDAX weiter zugenommen. Dennoch weisen 13 von 50 Unternehmen noch immer nicht die Bezüge ihrer Vorstände individuell und nach Vergütungselementen aus. Das ist aus Sicht der Studienautoren befremdlich: „Wer am Kapitalmarkt agiert, sollte sich auch den geltenden Gesetzmäßigkeiten in puncto Transparenz unterwerfen“, sagt Regine Siepmann, Senior Consultant bei Hostettler Kramarsch & Partner.

Die Beraterin klagt auch über die Heterogenität in der Darstellung und die Vielzahl der getroffenen Annahmen bzw. unterlegten Bedingungen. All das erschwere die Lesbarkeit der Vergütungsberichte und mache einen Vergleich selbst für Experten zur Herausforderung, so Siepmann.

pan

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