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Weibliche Führungskräfte zeichnen sich in vielfacher Hinsicht aus. Sie bauen schneller Kontakte auf als ihre männlichen Kollegen, gehen konstruktiv mit dem Feedback anderer um und sind ausgesprochen gute Projektmanager. Und dennoch drücken sich die Experten des Kölner ifp Instituts für Managementdiagnostik um eine klare Antwort auf die alte Streitfrage, wer denn nun die besseren Manager seien.
Frauen sind vielleicht nicht die besseren Manager, aber sie müssen nach wie vor besser sein, um überhaupt Manager zu werden. Auf diesen Nenner lassen sich die Ergebnisse einer Studie bringen, die das Beratungshaus ifp jetzt veröffentlicht hat. Gegenstand der Untersuchung waren 1700 Führungskräfte aus verschiedenen Branchen. Schwerpunkt: Finanzdienstleister und Immobilienwirtschaft.
Klischees nur teilweise bestätigt
Teilweise fanden die ifp-Experten die gängigen Geschlechterklischees bestätigt: So zeigt die Studie, dass die Frauen zielorientierter sind als die Männer. Die weiblichen Führungskräfte betrachten in ihrem Handeln stärker den Kosten-Nutzenaspekt und hinterfragen, inwieweit ihre Aufgaben zur Zielerreichung beitragen.
Bei den Frauen nimmt die persönliche Weiterentwicklung zudem einen höheren Stellenwert ein. Für sie ist es ein stückweit selbstverständlicher als für ihre männlichen Kollegen, sich als Person in einem kontinuierlichen Lern- und Veränderungsprozess zu sehen.
Die Männer hingegen neigen stärker dazu, am bestehenden Bild der eigenen Person festzuhalten.
Fähigkeit zur Selbstkritik
Bei den Frauen findet man eine größere Bereitschaft, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen und sich mit Feedback konstruktiv auseinanderzusetzen. Es werden nicht nur die eigenen Stärken, sondern durchaus auch die Schwächen wahrgenommen.
"Das Konzept der Selbstreflexion kann man bei Führungskräften gar nicht wichtig genug einschätzen", so Rainer Bäcker, Leiter der ifp Managementdiagnostik. Um sich an sich verändernde Rahmenbedingungen anpassen zu können, sei es entscheidend, ein realistisches Bild der eigenen Kompetenzen zu entwickeln und offen für Kritik zu bleiben.
Was kann man aus der Studie insgesamt lernen? "Auf den ersten Blick würde man sagen, dass Frauen einfach die besseren Manager sind", sagt Senior-Beraterin Damaris Sander, "schließlich haben die Frauen in mehreren Punkten besser abgeschnitten als die Männer, und die Männer haben in keiner der untersuchten Eigenschaften die Frauen übertrumpfen können. Aber es lohnt sich, auch einen zweiten Blick zu riskieren".
Geringer Frauenanteil
Eine andere interessante Schlussfolgerung bietet sich an: Der Frauenanteil an der Gesamtstichprobe ist mit 17% vergleichsweise gering. Es handelt sich hier also um eine kleine Gruppe, die den Schritt in eine Führungsaufgabe vollzogen hat, teilweise mit Förderung durch das jeweilige Unternehmen, teilweise sicherlich auch gegen Widerstände.
"Man könnte also durchaus vermuten, dass die Kombination aus hoher Zielorientierung, Beziehungsfähigkeit und Bereitschaft zur kritischen Selbstreflexion, die wir in der weiblichen Stichprobe gefunden haben, karriereförderlich ist und diese Frauen darin unterstützt hat, in eine Führungsposition zu gelangen", folgert Damaris Sander.
Die Ergebnisse können zudem als Spiegelbild der Vorstellungen interpretiert werden, die über weibliche Manager bestehen. Diese - sicherlich nicht bewusst ausgesprochenen - Vorstellungen bestimmen, wie Frauen sozusagen 'gestrickt' sein müssen, um eine Führungsposition zu 'ergattern' und in dieser akzeptiert zu werden.
Das würde zum Beispiel bedeuten, dass eine Frau, die in Punkto Beziehungsfähigkeit und Selbstreflexion nicht besser ist als ihre männlichen Kollegen, geringere Aufstiegschancen hat als diese.
ifp/pan
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