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Mercer: Talent Management ist meist nur ein Lippenbekenntnis

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2. September 2009
In Zeiten globalen Wettbewerbs und sinkender Geburtenraten gewinnt Talent Management an Bedeutung. Darüber herrscht Einigkeit in den Chefetagen. In der Praxis aber kümmern sich oft nur die Personalleute um das Thema. Weitere Defizite enthüllt eine Studie, die das Beratungsunternehmen Mercer heute veröffentlicht hat.

Vier von fünf Managern wissen, dass Talent Management für das Erreichen der Unternehmensziele entscheidend sein kann. Und die meisten wollen auch trotz der Krise genug Geld und Personal zur Verfügung stellen, um wichtige Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden. Genauer: 60 Prozent der Manager planen keine Einschnitte auf dem Gebiet des Talent Managements.

106 Unternehmen

So weit die guten Nachrichten. Die Studie, für die Mercer 106 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz befragt hat, zeigt jedoch auch, dass Talent Management in vielen Unternehmen nicht viel mehr als ein Lippenbekenntnis ist.

Dies vor allem deswegen, weil die Entwicklung und Umsetzung der Talent-Management-Strategie in etwa 40 Prozent der Unternehmen allein der Personalabteilung obliegt. Erst in Unternehmen ab 80.000 Mitarbeitern weltweit sind dafür Personal- und Linienmanagement gemeinsam verantwortlich.

Und: Die große Mehrheit der befragten Unternehmen (94 Prozent) setzt bei der Bindung von Mitarbeitern vor allem auf kurzfristige monetäre Anreize. Karrierebezogene Maßnahmen wie beispielsweise die individuelle Laufbahnplanung werden hingegen nur in knapp über der Hälfte der Unternehmen (55 Prozent) genutzt.

Die Umsetzung karrierebezogener Maßnahmen setzt aber voraus, dass die Personalleute mit dem Linienmanagement zusammen arbeiten. Hier sehen die Teilnehmer der Studie den größten Verbesserungsbedarf.

Personal- und Nachfolgeplanung

Auch bei der qualitativen Personal- und Nachfolgeplanung liegen Wunsch und Wirklichkeit noch weit auseinander. Insbesondere die Analyse der zukünftig notwendigen Fähigkeiten der Mitarbeiter kommt in 51 Prozent der befragten Unternehmen zu kurz.

Die Nachfolgeplanung empfindet die Mehrheit der Studienteilnehmer (95%) als verbesserungswürdig. Dabei erhoffen sich 41 Prozent vom Einsatz neuer Methoden und 25 Prozent von leistungsfähigeren HR-Prozessen signifikante Verbesserungen.

Stephan Weinert, Consultant bei Mercer und einer der Autoren der Studie, kritisiert vor allem die Diskrepanz zwischen der Bedeutung von Talent Management und der mangelnden Unterstützung durch das Top-Management: „Entscheidend ist, dass im Talent Management Unternehmensführung, HR und Linienmanagement als gleichwertige Partner – von der Idee bis zur Umsetzung – zusammenarbeiten“, betont der Berater.

„Vor allem bei der Bindung von Leistungs- und Potenzialträgern besteht akuter Verbesserungsbedarf“, sagt Sassan Yussefi, Co-Autor der Mercer-Studie. Wenn die Unternehmen hier nicht Fortschritte erzielten, drohe ihnen beim Aufschwung „eine Abwanderungswelle“, warnt der Experte.

cer/pan

 


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