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BVSI: Vermittlungsagenturen zocken freiberuflich tätige IT-Berater ab

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20. März 2011

Die Honorare der IT-Freiberufler steigen wieder. Der Projektmarkt entwickle sich positiv, heißt es in einer aktuellen Mitteilung des Berufsverbands Selbständige in der Informatik (BVSI). Das sei aber kein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen.

„Die Rahmenbedingungen für IT-Freiberufler sind verbesserungswürdig“, so Dirk Bisping, Vorstand des im holsteinischen Glückstadt ansässigen Verbands. Bisping stören vor allem die hohen Provisionen der IT-Projektvermittler: 25 Prozent vom Honorar und mehr für die Vermittlung eines IT-Spezialisten – dies sei „nicht nachvollziehbar“, kritisiert der Verbandschef.

Unzumutbar sei auch die mangelnde Transparenz: Im Regelfall hätten IT-Berater keine Chance zu erkennen, wieviel Provision der Vermittler jeweils einstreiche.

Widerstand auch bei den Unternehmen

Nicht nur die freiberuflich tätigen IT-Berater ärgern sich über das Geschäftsgebaren der Vermittler. Auch in Unternehmenskreisen formiere sich Widerstand, heißt es in dem Papier des BVSI. Eine Reihe von Großunternehmen hat in den Einkaufsrichtlinien Höchstgrenzen für Vermittlungsmargen festgelegt. Verstößt ein Vermittler gegen die Regeln, erhält er keine Aufträge mehr.

Der BVSI begrüßt dies Geschäftsverhalten und empfiehlt anderen Unternehmen, ebenso fair zu handeln.

Neue Wege können auch bei der Projektvermittlung von Freiberuflern gegangen werden. „Es ist denkbar, dass sich die Bundesagentur in die Vermittlung von IT-Freiberuflern einschaltet“, sagt Bisping. Nach einer entsprechenden Einarbeitung könnten Mitarbeiter des staatlichen Jobcenter IT-Freiberufler in Projekte vermitteln und damit eine alternative Vermittlungsschiene zu den privaten Anbietern aufbauen.

Der Gesetzgeber ist gefordert, zu handeln und das Thema ´Vermittlung von Freiberuflern´ nicht einfach auszusitzen, fordert Bisping.
Die Politik hat es leider versäumt, sich mit den Belangen der Freiberufler zu beschäftigen, was angesichts der hohen Wachstumsraten von Freiberuflern in Deutschland überrascht.“

Viele Ungereimtheiten

Nach Auffassung des BVSI gibt es hinsichtlich der Rahmenbedingungen für freiberufliche Berater viele Ungereimtheiten. So werden IT-Berater Jahre zurückliegend mit abstrusen Argumenten als Gewerbetreibende eingestuft. Die Finanzämter scheinen hier zum Teil die Paragraphen willkürlich auszulegen. Wiederholt wurden beispielsweise freiberufliche Datenbank-Administratoren oder Projektleiter als Gewerbetreibende eingestuft.

Ähnlich problematisch ist die Zwangsmitgliedschaft von IT-Beraten bei der IHK. Eine IHK-Mitgliedschaft mag Handwerkern nutzen, für die IT-Berater ist sie nicht mit Gegenleistungen verbunden. Der BVSI fordert deshalb den Stopp der Zwangsmitgliedschaft für IT-Berater in der IHK.

In der sozialrechtlichen Einstufung der IT-Freiberufler als scheinselbständig oder rentenversicherungspflichtig liegt ein weiteres riesiges Problemfeld. Diese Einstufung stellt für viele IT-Freiberufler eine permanente Bedrohung dar, weil viele IT-Projekte länger als ein Jahr dauern, womit nach Auffassung der Deutschen Rentenversicherung Bund Rentenversicherungspflicht besteht, wie der Justitiar des BVSI, Benno Grunewald, betont.

Zertifizierung von IT-Beratern

Weiterhin fehle ein unabhängiges Gremium, das IT-Freiberufler zertifiziere und deren Leistungsfähigkeit nachweise. Der Begriff IT-Berater ist nicht geschützt, jeder kann sich so nennen. Mit möglicherweise gefährlichen Folgen: denn IT-Berater können mit fehlerhafter Arbeit große finanzielle Schäden anrichten.

Der BVSI schlägt deshalb vor, ein unabhängiges Gremium einzuführen, das Qualifikationskriterien für IT-Freiberufler festlegt und so klare berufliche Standards schafft. Dies ist in anderen Arbeitsfeldern, zum Beispiel bei den Architekten, den Ärzten und Ingenieuren schon lange üblich.

Mit einer Informatiker-Kammer bekämen die ungeregelten Verhältnisse in der jungen Informatik-Branche einen soliden, gesetzlichen Rahmen. In Zukunft sollten IT-Freiberufler einen Leistungsnachweis vor solch einem Gremium erbringen. Der BVSI bietet seine Mitarbeit bei der Einführung gesetzlicher Regelungen und der Einrichtung einer Kammer für IT-Freiberufler an.

pan

 


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