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Islamic Finance boomt – paradoxerweise, muss man wohl sagen. Schließlich dürfen Muslime keine Zinsen nehmen. Aber: Wegen der Krise der westlichen Finanzmärkte bieten sich Geldgeschäfte, die mit den Regeln des Islam im Einklang stehen, als Alternative zu herkömmlichen Finanzierungen an. In einer aktuellen Mitteilung macht die Anwaltssozietät Linklaters darauf aufmerksam, dass Islamic Finance gerade auch für die öffentliche Hand von Interesse sein kann.
Auf der Erde leben rund 1,3 Milliarden Muslime. Diese Menschen verfügen seriösen Schätzungen zufolge über ein Vermögen von gut 2,5 Billionen US-Dollar. Davon sind erst 400 Milliarden Dollar nach den Prinzipien des islamischen Rechts – der Scharia – angelegt.
Geldgeber für den Westen
Islamische Geldgeber sind zurzeit stark gefragt. Vor allem Banken und Staatsfonds der Golfländer sichern einen wesentlichen Teil der Liquidität für die krisengebeutelte Weltwirtschaft.
In der Praxis wirft dies kaum Probleme auf: Nahezu das gesamte Spektrum traditioneller Finanzierungen lasse sich in Scharia-konformer Weise darstellen, heißt es in der Mitteilung von Linklaters. Die Strukturen entsprächen allgemein bekannten Finanzierungsmustern, so die Sozietät.
Darlehen lassen sich etwa als “Murabaha“ darstellen, Leasingfinanzierungen als “Ijara“ und Verbriefungen in der Form des “Sukuks“. Bei einem Sukuk veräußert der Initiator einen Vermögensgegenstand an eine Zweckgesellschaft, die sich über sog. Sukuk-Zertifikate refinanziert. Der Investor erhält Zahlungen wie bei einer klassischen Anleihe.
Allerdings sind nur bestimmte Vermögensgegenstände für diese Finanzierungsart geeignet. So war etwa ein Sukuk des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt im Jahre 2004 über Leasingstrukturen mit Gebäuden der Finanzverwaltung unterlegt.
Flugzeuge, Schiffe, Gebäude
Auch Flugzeuge und Schiffe, Flughäfen, Rohstoffe und sogar Vermarktungsrechte eignen sich als Basis für solche Anleihen. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Vorgaben für die Strukturen von Sukuks, etwa im Hinblick auf die Ausgestaltung der Rückkaufoption.
Linklaters habe auf diesem Gebiet einschlägige Erfahrung, so die Sozietät. Das jüngste Beispiel hierfür sei in Indonesien zu finden. Der ostasiatische Inselstaat habe eine islamische Anleihe mit einem Volumen von 650 Milionen Dollar und einer Laufzeit von fünf Jahren begeben, so Linklaters. Es handle sich um die größte Sukuk-Transaktion in Asien seit 2007, sagt Thomas Prüm, Experte für Islamic Finance bei Linklaters in Frankfurt am Main.
Ein Anwaltsteam unter der Führung von Kevin Wong und Robert Rosen (beide Kapitalmarktrecht, Singapur) hätten die als Joint Lead Manager und Joint Bookrunner an der Transaktion beteiligten Banken umfassend beraten, so Linklaters.
„Die Platzierung in Zeiten nur beschränkt funktionierender Kapitalmärkte ist bemerkenswert und ein Beleg für die Vitalität der islamischen Finanzmärkte“, kommentiert Prüm.
pan
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