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Ernst & Young: Jede vierte deutsche Hochschule ist unterfinanziert

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25. November 2009
Studentenproteste, Politikerschelte, Ebbe in den Kassen: Universitäten und Fachhochschulen stehen unter massivem Druck. In welch dramatischer Situation sich viele dieser Einrichtungen befinden, zeigt eine aktuelle Studie von Ernst & Young.

Der Wettbewerb unter den Hochschulen wird immer härter. Insbesondere hinsichtlich der Studierenden (90 Prozent) und der Finanzmittel (87 Prozent) erwarten die Hochschulen eine weitere Steigerung dieses Drucks. Wer nicht als Verlierer enden will, muss sich stärker profilieren.

90 Prozent aller Hochschulen wollen daher in die Verbesserung der Lehre investieren, 81 Prozent wollen ihr Studienangebot profilieren, indem sie beispielsweise attraktive Lehrfächer ausbauen, regionale Kooperationen eingehen, internationale Partnerschaften aufbauen oder auch Lehrangebote reduzieren. 78 Prozent der befragten Universitäten geben an, die Forschung stärken zu wollen.

Das sind zentrale Ergebnisse der Studie „Hochschulen im Wettbewerb“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Befragt wurden die Kanzler und Vizepräsidenten von 281 staatlichen Hochschulen.

Mehr Geld verdienen, aber nicht durch höhere Gebühren

Um sich für diesen Wettbewerb zu rüsten, benötigen die Hochschulen mehr Geld. Da sie nicht damit rechnen, dass die öffentliche Grundfinanzierung steigen wird, wollen vor allem viele staatliche Hochschulen künftig aus eigener Kraft zusätzliche Finanzmittel generieren.

Bereits jetzt sind mehr als ein Drittel (35 Prozent) der staatlichen Hochschulen im Fundraising aktiv, knapp die Hälfte (48 Prozent) planen aktuell solche Aktivitäten. Etwas mehr als ein Drittel (38 Prozent) der staatlichen Hochschulen sind bereits jetzt eigenwirtschaftlich tätig, ein weiteres Drittel (33 Prozent) plant, durch wirtschaftliche Betätigung zusätzliches Geld zu verdienen.

Die Erhöhung von Studiengebühren ist für die Hochschulen dagegen kein Thema: 78 Prozent der Hochschulen gehen davon aus, dass die von den Studierenden zu entrichtenden Gebühren gleich bleiben oder sogar fallen werden; von den staatlichen Hochschulen gehen sogar 83 Prozent von gleich bleibenden oder fallenden Gebühren aus.

Um den Herausforderungen des sich verschärfenden Wettbewerbs gewachsen zu sein, wünschen sich die Hochschulen mehr Selbständigkeit: 60 Prozent aller staatlichen Hochschulen sind mit dem Stand der bisher gewährten Autonomierechte nicht zufrieden und wünschen sich mehr Kompetenzen und mehr Entscheidungsfreiheit.

83 Prozent von diesen Hochschulen wollen freiere Entscheidungen in Personal- und Organisationsfragen. Ihre Finanzmittel wollen 71 Prozent eigenverantwortlicher verwenden. Und wenn es darum geht, sich eigenwirtschaftlich zu betätigen, wünschen sich 44 Prozent der staatlichen Hochschulen mehr Unabhängigkeit von den Ministerien.

Mehr Autonomie, besseres Management

Mehr Autonomie bedeutet mehr Selbstverantwortung und mehr Selbststeuerung. Die hierfür erforderlichen Steuerungsinstrumente und –methoden müssen allerdings oftmals erst geschaffen werden. Ein Indikator für die Hinwendung der Hochschulen zu einem optimierten Management ist der Wechsel von der Kameralistik zu einem kaufmännischen Rechnungswesen.

25 Prozent der Hochschulen haben die Doppik bereits eingeführt, weitere 30 Prozent befinden sich derzeit in der Umstellung. Interne Kosten- und Leistungsrechnungen sind bereits bei fast zwei Dritteln der Hochschulen eingeführt und werden nach Angaben der Hochschulen überwiegend auch zur internen Steuerung eingesetzt.

Zunehmend lassen Hochschulen ihre Jahresabschlüsse extern prüfen und testieren.  Für einige Hochschulen, z. B. in Nordrhein-Westfalen, ist dies Voraussetzung dafür, dass sie eigenständig, ohne besondere Erlaubnis des Ministeriums, Kredite aufnehmen dürfen.

e&y/pan

 


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