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KPMG-Studie: Wirtschaftskriminalität nimmt weiter zu Drucken E-Mail
12. Januar 2010
Die Kriminalität entwickelt sich zu einer ernsten Gefahr für viele Betriebe. Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG klagt jedes dritte deutsche Unternehmen über Schäden durch Diebstahl, Betrug oder andere Delikte. Vor vier Jahren seien es nur etwa ein Viertel der Befragten gewesen, so KPMG.

„Trotz dieser alarmierenden Ergebnisse unterschätzen vor allem mittelständische Unternehmen noch immer die Gefahr, Opfer von Wirtschaftskriminalität zu werden“, sagt Frank M. Hülsberg, Leiter des Bereichs Forensic bei KPMG.

Trügerische Sicherheit

Jeder zweite Mittelständler wiegt sich in trügerischer Sicherheit: 56 Prozent sind der Meinung, ihr Betrieb sei weniger anfällig für Wirtschaftskriminalität als ein Großunternehmen. Drei von vier mittelständischen Unternehmen (76 Prozent) glauben, ihre Präventionsmaßnahmen seien ausreichend.

Hülsberg: „Inhaber- oder familiengeführte Unternehmen setzen bei ihren Mitarbeitern auf das Vertrauensprinzip. Doch damit machen sie sich auch angreifbar, denn die Erfahrung zeigt, dass grundlegende Kontrollmechanismen wie die Funktionstrennung und das Vieraugenprinzip oft vernachlässigt werden.“

Laut Umfrage ist für 69 Prozent der mittelständischen Unternehmen die Gelegenheit zum Vertrauensmissbrauch die wichtigste Ursache für wirtschaftskriminelle Taten. Die Studie zeigt, dass sich in mittelständischen Unternehmen Mitarbeiter überwiegend mit externen Dritten zusammentun, um dem Betrieb Schaden zuzufügen. Dies war in zwei von drei Fällen wirtschaftskrimineller Handlungen so (62 Prozent). Bei Großunternehmen dagegen liegt diese Quote bei nur 40 Prozent.

Geschäft mit sensiblen Informationen blüht

Bei jedem dritten mittelständischen Unternehmen wurden laut Umfrage Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse oder Schutz- und Urheberrechte verletzt. Und wiederum nur ein gutes Drittel gibt an, über Schutzkonzepte für vertrauliche Unterlagen zu verfügen. Bei Großunternehmen hat inzwischen bereits jedes zweite dafür entsprechende Strukturen geschaffen.

Hülsberg: „Gerade in Krisenzeiten blüht das Geschäft mit dem Verkauf sensibler Informationen an Wettbewerber oder Kriminelle. Heutzutage passen selbst die komplexesten Konstruktionspläne auf einen USB-Stick und damit in jede Westentasche. Datendiebstahl und Industriespionage können so zum Kinderspiel werden, wenn die Kontrolle versagt. Der Verlust von sensiblen Entwürfen oder Formeln kann für ein innovationsgetriebenes mittelständisches Unternehmen aber existenzbedrohend sein.“

Der Anteil der Unternehmen, die Wirtschaftskriminalität als ernsthaftes Problem ansehen, ist gegenüber der letzten Befragung auf 80 Prozent gestiegen (+ 9 Prozent). Bei den großen Unternehmen sind es sogar 90 Prozent.

Großunternehmen haben auf die Gefahr reagiert und melden Erfolge. Im Mittelstand aber helfe „Kommissar Zufall“ in beinahe jedem zweiten Fall entdeckter Wirtschaftskriminalität (48 Prozent). Während 74 Prozent der Großunternehmen Hinweise aus dem internen Kontrollsystem als Quelle für die Aufdeckung wirtschaftskrimineller Handlungen nannten, waren es bei mittelständischen Unternehmen nur 59 Prozent. Auch gibt mit 22 Prozent ein durchaus signifikanter Teil der mittelständischen Unternehmen an, keine speziellen Verfahren zur Aufdeckung wirtschaftskrimineller Handlungen einzusetzen, bei Großunternehmen sind es unter 10 Prozent.

Kriminelle erklimmen Unternehmenshierarchie

Die Analyse der durch Wirtschaftskriminalität betroffen Unternehmensbereiche zeigt eine starke Verschiebung hin zum Finanz- und Rechnungswesen sowie zum Kreditgeschäft. KPMG schließt daraus, dass wirtschaftskriminelle Handlungen in der Unternehmenshierarchie nach oben wandern. Denn um die Kontrollen in diesen Bereichen zu umgehen, sei meist eine gehobene Stellung sowie ein gutes Fachwissen notwendig.

Hülsberg: „Unsere Erfahrung zeigt, dass wirtschaftskriminelle Handlungen etwa im Bereich des Finanz- und Rechnungswesens durch systematisierte, interne Kontrollsysteme inzwischen häufiger aufgedeckt werden. Insbesondere Großunternehmen haben die Kontrollprozesse in den letzten Jahren systematisch weiter verbessert.“

Nach wie vor stellten die klassischen Vermögensschädigungen wie Betrug (bei 61 Prozent der Befragten), Diebstahl oder Unterschlagung (bei 57 Prozent) und Untreue (bei 45 Prozent) die am häufigsten auftretenden Delikte dar. Aber auch Geldwäsche (Anstieg um 16 auf 21 Prozent) sowie die Fälschung von Jahresabschlüssen bzw. Finanzinformationen (Anstieg um 7 auf 13 Prozent) haben zugenommen. Das Bundeskriminalamt beziffert allein den Schaden, der der Volkswirtschaft durch entdeckte Wirtschaftskriminalität pro Jahr entsteht, zuletzt auf 3,4 Milliarden Euro. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen, vermutet KPMG.

Internetkriminalität mit stark steigender Tendenz

Sprunghaft angestiegen ist nach Angabe der befragten Unternehmen die Internetkriminalität auf inzwischen 53 Prozent (+ 30 Prozent). Zu den Delikten im Internet zählen u. a. Identitätsdiebstahl, betrügerisches Anbieten von Waren und Dienstleistungen oder Kreditkartenbetrug. Das Bundeskriminalamt schätzt, dass schon heute bei jedem fünften Fall von Wirtschaftskriminalität das Internet genutzt wird.

Hülsberg rät den Unternehmen, sich auf Attacken aus dem Netz vorzubereiten. Im Vordergrund sollte dabei die Frage stehen: ‚Würde ich einen solchen Angriff bemerken und kann ich angemessen reagieren, um Schaden von mir und meinen Kunden abzuwenden?’ Genauso wichtig sei es, durch die Gestaltung sicherer IT-Systeme und Geschäftsprozesse dafür zu sorgen, dass kein Schaden entstehen könne.

kpmg/pan

 


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