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Deloitte-Studie: Luftfahrt- und Rüstungsindustrie am Wendepunkt Drucken E-Mail
15. Februar 2010
Die Stimmung in der Luftfahrt- und Rüstungsindustrie hellt sich auf, die Zeichen für eine konjunkturelle Erholung mehren sich. Die positive Entwicklung dokumentiert auch eine aktuelle Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte. Dennoch gebe es keinen Grund, sich zufrieden zurückzulehnen, so Deloitte.

Fluggesellschaften werden dieses Jahr weltweit wieder mehr als 800 zivile Passagierflugzeuge bestellen und den abwärts gerichteten Trend von 2009 drehen. Der Markt für Firmen- und Privatjets belebt sich, und auch die Unternehmen der Rüstungsindustrie registrieren eine verstärkte Nachfrage.

Schwerpunkt verlagert sich

Doch der Schwerpunkt des Geschehens verlagert sich. Laut der Studie Compass 2010 Global Aerospace & Defense Sector Outlook“ findet die Erholung vor allem auf den asiatischen Märkten statt. Viele große europäische Hersteller wollen auf diesen Märkten Kunden gewinnen. Schwierigkeiten zu Hause behindern jedoch diese Aktivitäten.

So sorgen Verzögerungen und explodierende Kosten bei europäischen Rüstungsprogrammen für negative Schlagzeilen. Und große Hersteller verlieren vermehrt Aufträge an junge, kleine Wettbewerber, die mit innovativer Technologie vor allem die Entscheider der öffentliche Hand überzeugen.

Die beginnende Erholung und gleichzeitige Veränderung des Marktumfelds wird in Europa zu verstärkten Übernahmeaktivitäten führen“, sagt Michael Hessenbruch, Partner Aerospace & Defense bei Deloitte. Dies betreffe vor allem die größeren Zulieferer. Hier könne man mit gezielten Transaktionen erhebliche Skaleneffekte erzielen, Kapaziten besser nutzen und Marktmacht gewinnen, so der Experte.

Europäische Unternehmen werden außerdem Betriebe aus den USA akquirieren – um einen Teil ihrer Kosten in den Dollar-Raum zu transferieren und Zugang zum weltweit wichtigsten Rüstungsmarkt, den Vereinigten Staaten, zu bekommen, sagt Hessenbruch.

Europa und Amerika folgen langsam

Die Nachfrage nach Zivilflugzeugen wird steigen – insbesondere im Mittleren Osten, in Indien und China. Allein chinesische Fluggesellschaften brauchen in den nächsten 20 Jahren bis zu 3.500 neue Linienflugzeuge.

Diese Chancen wollen vor allem die traditionellen Flugzeugbauer nutzen, aber auch die chinesische Luftfahrtindustrie drängt auf den Markt – sie wird sich in den kommenden zehn Jahren rasant entwickeln und zu einem wichtigen Spieler heranwachsen. Zusätzlich wächst dort der Markt für Business- und Privatjets – hiervon gibt es in China bisher nur 100.

Den Märkten in Europa und Amerika bieten sich aber ebenfalls Wachstumsaussichten: Die Anzahl bezahlter Beförderungskilometer (Revenue Passenger Kilometers) wird wohl auch in Zukunft langsam weiter ansteigen. Zusammen mit dem ebenfalls wieder wachsenden Luftfrachtaufkommen, notwendigen Ersatzinvestitionen (Umweltverträglichkeit) wird auch in Europa und Amerika die Nachfrage nach Zivilflugzeugen steigen, jedoch deutlich langsamer als im Mittleren Osten und in Asien.

Indien als neuer Markt für Rüstungskonzerne

Der weltweite Rüstungsmarkt ist im vergangenen Jahr nicht gewachsen, das wird sich auch in diesem Jahr nur geringfügig ändern. Viele Regierungen müssen krisenbedingt ihre verschuldeten Haushalte konsolidieren und sparen bei den Rüstungsausgaben. Zudem vermindern die hohen operativen und Materialkosten der weltweiten Militäreinsätze die Möglichkeit zu Investitionen.

Einer der kommenden Märkte ist jedoch Indien: Nach den Anschlägen von Mumbai will der Staat seine Militärausgaben deutlich steigern – wovon nur etwa 25 Prozent an indische Rüstungsbetriebe gehen.

Der Ausblick zeigt Chancen: „Die Nachfrage nach neuester Sicherheitstechnik und technologischer Innovation wie unbemannten Aufklärungsflugzeugen, Cybersecurity- und Biometrietechnologien wird auch in den reifen Industrienationen stark zunehmen“, sagt Hessenbruch. „Wir gehen davon aus, dass insbesondere europäische Hersteller diesen Umbruch nutzen – und Erfolge feiern werden“, so der Experte.

tte/pan

 


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