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Ernst & Young analysiert die Lage der deutschen Biotech-Branche 
Ernst & Young analysiert die Lage der deutschen Biotech-Branche |
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| 22. April 2010 | |
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Top oder Flop? Wenn es um Biotech geht, klaffen die Meinungen oft weit auseinander. Die einen sind enttäuscht, weil echte Highlights fehlen. Die anderen jubeln, weil die Unternehmen die Krise meist gut überstanden haben. Ernst & Young legt sich nicht fest. In ihrem aktuellen Biotech-Report haben die Wirtschaftsprüfer positive wie negative Fakten zusammengetragen.
Laut Ernst & Young konnte die Branche im Krisenjahr 2009 ihren Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres halten: Das so genannte Kernsegment, also Biotech-Unternehmen, die ihren Stammsitz in Deutschland haben, erreichte mit 960 Millionen Euro Umsatz exakt den Vorjahreswert. In einer erweiterten Betrachtung – analog der Analyse des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) – in der unter anderem auch in Deutschland ansässige Tochterfirmen ausländischer Biotech-Unternehmen zusammengefasst sind, stieg der Umsatz um weniger als ein Prozent von 2,19 Milliarden Euro auf 2,2 Milliarden Euro. Die börsennotierten Unternehmen mit Stammsitz in Deutschland steigerten ihren Umsatz sogar um sieben Prozent von 212 auf 226 Millionen Euro. Zahl der Beschäftigten im erweiterten Segment gestiegen Die Zahl der Unternehmen blieb im Kernsegment mit 387 etwa auf dem Niveau des Vorjahres (386), während im erweiterten Segment ein Anstieg um 30 Firmen auf 531 Unternehmen registriert wurde. Die Zahl der Beschäftigten stieg im erweiterten Segment um drei Prozent von 14.450 auf 14.950. Im Kernsegment ist ein Beschäftigtenzuwachs um ein Prozent von 9.794 auf 9.861 zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) im erweiterten Segment mit 1,06 Milliarden Euro nahezu gleich geblieben. Im Kernsegment sind die F&E-Ausgaben hingegen um sechs Prozent gesunken – eine Reaktion auf knapper werdendes Kapital. Während jedoch die privaten Unternehmen ihre F&E-Ausgaben fast auf Vorjahresniveau hielten (Rückgang um ein Prozent auf 587 Millionen Euro), sanken sie bei den börsennotierten Unternehmen deutlich um 22 Prozent auf 159 Millionen Euro.
Hintergrund sind die unterschiedlichen Schwerpunkte in den Unternehmenssegmenten: Während private Unternehmen stärker im Servicegeschäft aktiv sind und daher insgesamt niedrigere F&E-Aufwendungen haben, konzentrieren sich die gelisteten Firmen stärker auf die forschungs- und kostenintensive Produktentwicklung. In schwierigen Zeiten sind sie daher stärker unter Druck, knappes Kapital sparsam einzusetzen. Neben den Marktzulassungserfolgen ist bemerkenswert, dass die Zahl der Wirkstoffkandidaten in den entscheidenden klinischen Phasen II und III im vergangenen Jahr um 17 Prozent von 85 auf 99 gestiegen Ist. „Besonders ermutigend ist, dass es in Phase III keine negativen Studienergebnisse oder Entwicklungsabbrüche gab. Zudem sind drei Phase-II-Projekte in die nächste klinische Stufe vorgerückt, und ein weiteres Phase-III-Projekt konnte identifiziert werden, so dass sich die Anzahl in dieser Wertschöpfungsstufe von zehn auf 14 Kandidaten erhöht hat“, so Bialojan. Und: „Die deutschen Biotech-Unternehmen arbeiten insgesamt erfolgsorientierter als früher. Sie konzentrieren sich darauf, ihre höheren Wertschöpfungsstufen weiter voranzubringen“. Durch eine robuste präklinische Pipeline mit 197 neuen Produktkandidaten (plus 12 Prozent) ist auch der Nachschub gesichert. Der leichte Rückgang in Phase I ist eher positiv zu beurteilen, denn er zeigt, dass die Produktkandidaten diese letzte Phase vor dem Test am Menschen effizienter durchlaufen.
Eigenkapitalfinanzierung bricht erneut ein Dieser erneute Einbruch traf jedoch nur die privaten Unternehmen, die mit einem Rückgang von 66 Prozent nur noch 69 Millionen Euro von Risikokapitalgebern oder Private Equity-Investoren erhielten (Vorjahr: 203 Millionen Euro).
Börsennotierte Gesellschaften, deren Kapitalaufnahme im Vorjahr ebenfalls kräftig zurückgegangen war, konnten den weiteren Abwärtstrend zumindest aufhalten. Sie legten im Rahmen von Sekundärfinanzierungen um – wenn auch bescheidene – 10 Prozent zu. Wie bereits in den zwei vorangegangenen Jahren gab es auch 2009 in Deutschland keinen Börsengang. Investoren scheuen das Risiko Der anhaltende Einbruch der Eigenkapitalfinanzierung privater deutscher Biotechnologie-Unternehmen hat verschiedene Ursachen. Zum einen haben die beiden größten Privatinvestoren der vergangenen beiden Jahre im Jahr 2009 keine weiteren Beteiligungen in Deutschland abgeschlossen. Zum anderen gibt es immer weniger Risikokapital-Investoren in Deutschland.
Die Gründe hierfür liegen vor allem an den Schwierigkeiten vieler Investoren, neue Geldgeber für ihre Fonds zu finden. Viele Investoren scheuen das Risiko, da bislang keine überzeugende Erfolgsbilanz existiert.
Die Erholung an den Kapitalmärkten deutet an, dass der Appetit der Börsen auf den Life Science Sektor wieder steigt. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Trend anhält und wieder neue Börsengänge ermöglicht. Im Jahr 2009 gingen allerdings lediglich vier europäische Biotech-Unternehmen an die Börse und erzielten dabei Emissionserlöse von insgesamt 90 Millionen Euro (plus 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Auswege aus dem Finanzierungsengpass bieten neue Formen von Kollaborationen und strategischen Partnerschaften insbesondere zwischen Biotech- und Pharma-Unternehmen. Beide Branchen haben komplementäre Stärken und Schwächen, mit denen sie sich in der gegenwärtigen Lage gegenseitig helfen können: Biotech-Unternehmen leiden einerseits unter chronischer Finanzschwäche, sind aber andererseits innovationsstark.
Umgekehrt haben die Pharma-Unternehmen bei einer vergleichsweise komfortablen finanziellen Ausstattung in den vergangenen Jahren an Innovationskraft eingebüßt und sind stark unter Kostendruck geraten. Dies motiviert sie, Teile ihrer F&E-Aktivitäten auszulagern und mittels Partnerschaften mit Biotech Unternehmen Zugang zu Innovationen zu suchen. Davon profitieren Biotech-Unternehmen, die sowohl als Service- wie auch als strategische Partner für Pharmaunternehmen höchst attraktiv sind. Viele Vereinbarungen werden nicht publiziert Folglich hat die relative Häufigkeit von Dienstleistungsvereinbarungen in Deutschland zugenommen (von 20 Prozent auf 23 Prozent) und liegt deutlich über dem Europäischen Durchschnitt (11 Prozent). Da diese Vereinbarungen vielfach nicht publiziert werden, ist die tatsächliche Anzahl an Dienstleistungsvereinbarungen deutlich höher als aus den veröffentlichen Informationen ablesbar. Deutsche Biotech Unternehmen haben ihren Schwerpunkt auf Technologie-Allianzen gelegt. Die Anzahl dieser Vereinbarungen liegt auch hier mit einer relativen Häufigkeit von 48 Prozent doppelt so hoch wie der europäische Durchschnitt (24 Prozent). Dies zeigt die Innovationskraft deutscher Biotech-Unternehmen, die sie für innovationshungrige Pharmapartner attraktiv macht. Dementsprechend weisen 75 Prozent der publizierten Transaktionsvereinbarungen deutsche Biotech Unternehmen als Anbieter von Technologien und Dienstleistungen aus. Lediglich 25 Prozent der Unternehmen sind als Käufer von Technologien oder Produkten aktiv geworden. e&y/pan |









