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Ernst & Young: Automobilstandort Deutschland ist weltweit spitze

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30. August 2011
Ausländische Manager halten Deutschland für den weltweit besten Standort, um Autos zu bauen. Innovationskraft, Qualität und Produktivität sind so hoch wie nirgendwo sonst. Das ist das Ergebnis einer repäsentativen Umfrage, die die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young gestern veröffentlicht haben. In einer Kategorie jedoch musste sich Musterknabe Deutschland der Konkurrenz geschlagen geben.

Über 300 europäische Automobilmanager hat Ernst & Young befragen lassen. Dass Deutschland dabei so gut abschnitt, ist für Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young, keine Überraschung: „Nach wie vor ist die deutsche Industrie der Maßstab, an dem sich der Rest der automobilen Welt orientiert“.

Dennoch warnt der Experte: „Selbstzufriedenheit wäre völlig fehl am Platz.“ Die deutsche Industrie müsse ihre Führungsrolle ständig neu unter Beweis stellen und verteidigen. Dies gelte vor allem mit Blick auf die Konkurrenten aus Asien, die mit Macht auf den Markt drängten.

Konzentration auf das Premiumsegment

Der Schlüssel zum Erfolg der deutschen Automobilindustrie sei die Fokussierung auf das Premiumsegment: „Wer im margenstarken Premiumsegment führt, kann wegweisende Innovationen einführen und sie sich auch bezahlen lassen. Das bietet dem Hersteller anschließend die Chance, solche Technologien kostengünstig auch in kleineren Fahrzeugen anzubieten und so auch in diesem Segment Wettbewerbsvorteile zu erzielen“.

Fuß fordert daher: „Das Premium Know-how muss verstärkt genutzt werden, um auch im Einstiegssegment neue Kunden zu gewinnen – denn Mengenwachstum ist vor allem im unteren und mittleren Preissegment zu erwarten“.

Die Technologieführerschaft der deutschen Automobilindustrie sei vorläufig gesichert, so Fuß: „Selbst in der zurückliegenden heftigen Krise haben die deutschen Unternehmen erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung getätigt. Die aktuellen Neuvorstellungen mit teilweise erheblichen Innovationssprüngen sprechen eine deutliche Sprache. Da hinken die europäischen, aber auch amerikanische und asiatische Wettbewerber hinterher“.

Die weitere Branchenentwicklung sehen die befragten Manager fast durchweg positiv: Für alle wichtigen Märkte prognostizieren sie auf Jahressicht ein Absatzplus – insbesondere in China und Osteuropa. Allerdings stelle die Unberechenbarkeit der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung die Unternehmen derzeit vor enorme Herausforderungen.

Fuß: „Einerseits müssen die Unternehmen ihre Kapazitäten erweitern, um die derzeit sehr hohe Nachfrage zu bedienen. Andererseits müssen sie gewappnet sein für einen jederzeit möglichen Abschwung“.

Dieser Spagat erfordere hohe Flexibilität und eine strikte Kostendisziplin. Fuß ist sicher, dass die Branche auch eine Abschwächung des Booms verkraften könne: „Die Aussichten haben sich in den vergangenen Monaten zwar deutlich eingetrübt. Aber auch wenn der Aufschwung seinen Zenit überschritten hat, spricht kaum etwas für eine neue Wirtschaftskrise. Und die deutsche Automobilindustrie hat bewiesen, dass sie auch von erheblichen  Nachfrageschwankungen nicht aus der Bahn geworfen wird“.

Zukunftsthema Elektromobilität: Deutschland gut aufgestellt

Aus Sicht der Branche wird in den kommenden Jahren das Thema Umweltschutz für die Autobranche noch deutlich an Bedeutung gewinnen. So werden nach Einschätzung der befragten Manager Maßnahmen zum Umweltschutz und zur Emissionsreduzierung binnen drei Jahren hinter Qualitätsaspekten ganz oben auf der Agenda der Branche stehen.

Im Fokus dürften dabei Investitionen in die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien stehen: „Elektromobilität wird zur Schlüsseltechnologie für den Automobilbau der Zukunft. Diesem Thema kann sich kein Unternehmen – ob Her-steller oder Zulieferer – entziehen“, sagt Fuß.

Die befragten europäischen Manager prognostizieren den Durchbruch des Elektroautos vom Nischen- zum Massenmarkt bereits für 2022.

Entgegen den in Deutschland vielfach geäußerten Befürchtungen, dass die deutsche Industrie beim Thema Elektromobilität ins Hintertreffen geraten sei und gerade von asiatischen Konkurrenten überflügelt werde, sieht die Branche Deutschland bei dieser Zukunftstechnologie weltweit am besten aufgestellt: Jeder zweite Automobilmanager ist der Meinung, Deutschland habe besonders gute Chancen, zum weltweit führenden Anbieter von Elektrofahrzeugen zu werden. China und Japan folgen mit 30 bzw. 27 Prozent.

„Deutsche Hersteller und Zulieferer haben durchaus die Zeichen der Zeit erkannt und investieren bereits Milliardensummen in die Entwicklung alternativer Antriebe – obwohl vorläufig nur geringe Umsätze in diesem Bereich zu erzielen sind“, betont Fuß. „Die Transformation hin zur Elektromobilität ist kein 100-Meter-Sprint, sondern eher vergleichbar mit einem Marathonlauf – entscheidend ist, wer nach 42 Kilometern über die Ziellinie läuft“. Mit entscheidend sei allerdings, ob es gelinge, in Deutschland wieder eine wettbewerbsfähige Batterieproduktion aufzubauen, so Fuß.

Herausforderung China

Die Befragungsergebnisse dokumentieren sehr deutlich die schnell wachsende Bedeutung des Automobilstandorts China. China kann sich im Standortranking in drei von vier Kategorien unter den Top 3 platzieren. Nur beim Faktor Produktqualität landet das Reich der Mitte abgeschlagen auf dem zehnten Platz. Dennoch: „China gewinnt nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch als Heimat wichtiger Automobilunternehmen enorm an Bedeutung“, sagt Fuß.

Dass chinesische Automobilunternehmen in den vergangenen Monaten in Deutschland auf Einkaufstour gegangen seien, wertet Fuß als Indiz dafür, dass die chinesische Automobilindustrie erheblich an deutscher Automobilexpertise interessiert sei und sich darüber hinaus zunehmend global orientiere.

Die deutsche Industrie stehe vor der Herausforderung, einerseits am gewaltigen Wachstum in China zu partizipieren, andererseits aber den technologischen Ausverkauf deutschen Know hows zu verhindern, so Fuß. Dies könne durchaus gelingen, allerdings nur bei genügend Offenheit für neue und konstruktive Wege interkultureller Zusammenarbeit. „Manch ein deutscher Unternehmer wird sich zukünftig bei der Suche nach neuen Investoren auch für chinesische Kapitalgeber öffnen müssen – die Globalisierung ist keine Einbahnstraße“, so Fuß.

pan

 


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