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Deloitte veröffentlicht Bericht zur Lage in der Stahlindustrie

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26. März 2009

Die Nachfrage nach Stahl sinkt dramatisch. Schlimmer noch: Viele Kunden stornieren ihre Bestellungen. Die Experten des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte haben die bedrohliche Situation analysiert. Eine zuverlässige Prognose sei zwar nicht möglich, dennoch gebe es Grund zum Optimismus, sagt Hans-Rudolf Röhm, Partner und Global Leader Manufacturing bei Deloitte. Der Consultant appelliert an die Manager der Branche, nicht nur mit defensiven Maßnahmen auf die Krise zu reagieren. „Jetzt entscheidet sich, wer im absehbaren Aufschwung zu den Gewinnern gehört und wer nicht“, so Röhm.

Trotz dramatischer Einbrüche spekulieren Branchenkenner auf eine baldige Besserung der Lage. Die besondere Hoffnung liege auf China, so Deloitte in seinem Bericht. Allerdings stehen die Zeichen zunächst auf Durchhalten, d.h. Kostendämmung, Personalabbau und Konzentration auf das Kerngeschäft. Zudem sind die Hersteller gezwungen, den Fokus noch stärker auf die Prozessoptimierung zu legen.

Keine präzisen Aussagen möglich

Die maßgeblichen Stahlproduzenten aus dem deutschsprachigen Raum rechnen aber trotz herber Verluste mit einem ausgeglichenen Ergebnis zum Jahresende. Der aktuelle Deloitte-Bericht „Turning the Corner – Global Metals Outlook“ zeigt jedoch, dass sich die Stahlindustrie in einer beispiellosen Situation befindet, die gesicherte Aussagen derzeit unmöglich macht.
 
Deloitte-Experte Röhm: „Wesentliche Punkte sind: Die aktuelle Nachfrage ist dramatisch eingebrochen. Sämtliche Unternehmen müssen ihre Kosten deutlich reduzieren und umfassende Restrukturierungsmaßnahmen in Betracht ziehen. Einzelne, gut aufgestellte Unternehmen nutzen jetzt die Chance, günstig zuzukaufen – dazu brauchen sie allerdings Cash.“

Die Kunden fehlen

Die weltweite Stahlproduktion im Januar 2009 ist gegenüber dem Vorjahr um fast ein Viertel gesunken – Bestellungen werden storniert, Bauprojekte gestoppt. In Deutschland sanken die Aufträge im vierten Quartal 2008 gegenüber dem Vorjahresquartal um knapp die Hälfte. Die Rohstahlproduktion deutscher Anbieter blieb zu Jahresanfang etwa ein Drittel hinter den Vormonaten zurück – Unternehmen müssen radikale Sparprogramme einschließlich Kurzarbeit und Entlassungen fahren. International fällt die Absatzschwäche in China und Indien besonders ins Gewicht. Auch in Europa, dem wichtigsten Markt deutscher Stahlanbieter, sinkt der Bedarf signifikant.

Auf China konzentrieren sich sowohl die Hoffnungen wie auch die Befürchtungen. Einerseits erwarten Experten, dass sich chinesische Produzenten aufgrund der nationalen Konjunkturmaßnahmen auf den Binnenmarkt fokussieren und daher im weltweiten Wettbewerb ausfallen. Andererseits fürchten sie den gegenteiligen Effekt: ein massives Vordringen chinesischer Anbieter in den europäischen Markt. Einige Player sehen bereits erste Zeichen der Erholung in China und hoffen auf eine Belebung des Geschäfts, denn – da sind sich die Experten einig – das Riesenreich birgt insbesondere beim Infrastrukturausbau enorme Potenziale. Ähnliche Hoffnungen hegen sie in Bezug auf Indien, das einen noch größeren Stahlbedarf hat als China.

Unternehmen geben sich optimistisch

Die Tatsache, dass Stahltitel in Deutschland aktuell ein kurzes Hoch erfahren haben, hängt nicht zuletzt mit der Hoffnung auf eine Nachfragebelebung in Asien zusammen. Die Unternehmen selbst rechnen in naher Zukunft mit zusätzlichen Aufträgen. Generell geben sie sich (zweck-)optimistisch und wollen das Jahr 2009 insgesamt mit einem Gewinn abschließen. Die verlorenen Arbeitsplätze in der internationalen Stahlindustrie werden jedoch nicht so schnell wiederkommen und auch der wachsende Protektionismus kann zur ernsten Gefahr werden.

Die aktuelle Lage macht Prognosen schwer – Deloitte hält es für möglich, dass sich die Stimmung bereits Ende 2009, Anfang 2010 wieder aufhellt. Umso wichtiger sei es, dass die Unternehmen jetzt die richtigen Maßnahmen ergreifen. Dazu gehöre vor allem Kostenreduzierung beispielsweise durch stringente Prozessoptimierung, so die Experten. Eine interessante Option sei der Aufkauf von Rohstofflieferanten in Schwellenländern, so Deloitte. Auch durch das Identifizieren und Nutzen von Chancen, etwa durch Zukäufe, sei es möglich, sich für die Zeit nach der Krise günstig zu positionieren. Dies setze allerdings die ausreichende Verfügbarkeit liquider Mittel voraus – und die Entwicklung entsprechender Business Cases.

tte/pan

 


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