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KPMG: Schweizerische Privatbanken erwarten Konsolidierungswelle Drucken E-Mail
26. Juni 2009
Das Private Banking in der Schweiz steht vor einem fundamentalen Wandel. Die bislang eher zersplitterte Branche wird sich in den nächsten Jahren stark konsolidieren. Das zeigt eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG unter rund 100 Privatbanken und Vermögensverwaltern.

Zwei Gründe sind für den Wandel maßgeblich. Erstens: Geänderte rechtliche Rahmenbedingungen infolge des sogenannten Steuerstreits mit den USA und der Europäischen Union. Zweitens: Der enorme Kostendruck.

Neue Geschäftsmodelle nötig

Mit der Entscheidung der schweizerischen Bundesregierung, den OECD-Standard bei der Amtshilfe in Steuersachen zu übernehmen, seien zentrale Positionen der schweizerischen Politik aufgegeben worden, heißt es in einer Medienmitteilung von KPMG. Folge: Die Branche muss sich neue Geschäftsmodelle suchen.

Die Spielregeln haben sich grundlegend geändert", sagt Stuart Robertson, Head of Markets und Geschäftsleitungsmitglied von KPMG Schweiz. Geschäftsmodelle, welche ausschließlich auf dem schweizerischen Bankgeheimnis beruhen, seien nicht mehr zukunftstauglich. Künftig stünden vor allem die Servicequalität und die Performance im Vordergrund, so der Experte.

Laufende Verfahren und weitere regulatorische Bestimmungen sorgen für zusätzliche Hürden und lassen den Druck auf die Gewinnmargen der Banken und Vermögensverwalter steigen. Das wiederum erhöht den Konsolidierungsdruck. Die Zahl der Firmenübernahmen und Fusionen im Bereich Private Banking und Asset Management werde sowohl in der Schweiz als auch in anderen Ländern steigen, so KPMG.

Traditionelle Stärken

Die Schweizer Privatbanken können jedoch auf traditionelle Stärken bauen. Zu diesen zählen laut KPMG die teilweise über 200-jährige Erfahrung und entsprechend profunde Fachexpertise. Hinzu kommen der hohe Stellenwert der Diskretion und der Schutz der Privatsphäre sowie die Stabilität des Schweizer Frankens und der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse.

Kleinere, hauptsächlich im Offshore-Bereich tätige Unternehmen müssen sich verschiedene Optionen offen halten und Zusammenschlüsse oder Veräußerungen in ihre Überlegungen einbeziehen.

Auch im Offshore-Geschäft tätige Töchter ausländischer Banken dürften in Bedrängnis geraten, wenn deren Mütter in Staatsbesitz sind oder staatliche Unterstützung erhalten.

Anders als die Konkurrenten

Neben diesen spezifisch schweizerischen Gegebenheiten, unterscheiden sich die von KPMG befragten Schweizer Privatbanken und Vermögensverwalter aber auch in anderer Hinsicht von ihrer Konkurrenz  - selbst von ihren westeuropäischen Mitbewerbern:

  • Schweizerische Teilnehmer sehen mehrheitlich in Asien das größte Wachstumspotential – eine These die im europäischen Umfeld nur von englischen und deutschen Teilnehmern vertreten wird.
  • Mindestens die Hälfte der schweizerischen und britischen Banken, welche Akquisitionen tätigten, konnten die Kundenbasis von übernommenen Unternehmen innerhalb des ersten Jahres halten oder gar vergrößern (letzteres trifft insbesondere auf Schweizer Banken zu), während akquirierende Banken aus anderen europäischen Ländern in diesem Bereich weniger geschickt zu agieren schienen; die grosse Mehrheit verlor zwischen 1-5%, verschiedene gar bis zu 10% der akquirierten Kundenbasis.
  • Die meisten europäischen Käufer hielten die Anpassung unterschiedlicher Geschäftsmodelle als größte Schwierigkeit bei der Integration; diese Einschätzung trifft auch für Schweizer Banken zu. Im Gegensatz zu ihren europäischen Kollegen, verursachte die Harmonisierung interner Prozesse den Schweizern weniger Schwierigkeiten, während kulturelle Differenzen in der Schweiz (und in Deutschland) zu mehr Kopfzerbrechen geführt hatten als im übrigen Europa.
  • Während die Mehrzahl der europäischen Teilnehmer eine Unternehmensentwicklung durch organisches Wachstum oder nur sehr beschränkte Akquisitionen plant, gaben fast die Hälfte der schweizerischen Teilnehmer an, etwa im gleichen Ausmaß auf Akquisitionen und organisches Wachstum zu setzen, und rund zwei Drittel der befragten Schweizer schließen Akquisitionen nicht aus.
  • Die Hälfte der schweizerischen Teilnehmer gab den Mangel an geeigneten Kandidaten als größtes Hindernis für weitere M&A-Investitionen an. Bei den europäischen Mitbewerbern scheint der Mangel an geeigneten Kandidaten kaum ein Thema zu sein – dort werden insbesondere die gegenwärtige Wirtschaftslage, mangelnde finanzielle Mittel, aber auch die als einigermaßen attraktiv beurteilten Perspektiven durch organisches Wachstum als Dämpfer für M&A-Investitionen zitiert.

kpmg/pan

 


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