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Ernst & Young: Große Banken planen massiven Stellenabbau

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14. Juli 2009
Ernst & Young hat sich in den Führungsetagen deutscher Banken umgehört: Dort herrscht gute Stimmung. Die Manager sind zufrieden mit den Geschäften und optimistisch wie seit langem nicht mehr, so das Ergebnis der Umfrage. Aber: Gespart werden soll trotzdem, vor allem beim Personal.

Trotz der Wirtschaftskrise sieht sich die deutsche Bankenlandschaft gut positioniert. 90 Prozent der Banken bezeichnen ihre aktuelle operative Geschäftslage als gut oder eher gut Ende vergangenen Jahres lag der Anteil nur bei 78 Prozent. Zudem haben die Führungskräfte ihre Erwartungen an die kurzfristige Geschäftsentwicklung wieder deutlich nach oben korrigiert: Der Anteil der Optimisten, die eine positive Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr erwarten, steigt von 67 auf 86 Prozent.

Trotz der insgesamt also eher positiven Geschäftserwartungen stellt sich die Branche auf schwierige Zeiten ein und tritt auf die Kostenbremse: 71 Prozent führen derzeit Kostensenkungsmaßnahmen durch, und den 21 Prozent der Banken, die die Zahl der Mitarbeiter reduzieren wollen, stehen nur 11 Prozent gegenüber, die zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen. Nach den Aussagen der Manager werden die Großbanken vom Beschäftigungsabbau besonders betroffen sein.

Banken erwarten restriktivere Kreditvergabe

Für einige Unternehmen wird es zukünftig schwieriger werden, einen Kredit zu erhalten: 57 Prozent der Bankmanager meinen, dass die Kreditvergabe an Unternehmen künftig restriktiver gehandhabt wird. Nur sieben Prozent der befragten Institute erwarten für die kommenden sechs Monate eine weniger restriktive Kreditvergabepolitik. „Angesichts der zunehmenden Zahl von Insolvenzen und der schlechten Konjunkturentwicklung steigt das Risikobewusstsein der Banken weiter, was sich in intensiveren Kreditwürdigkeitsprüfungen, insbesondere bei lang laufenden, großvolumigen und stark gehebelten Finanzierungen, niederschlägt“, so Dirk Müller-Tronnier, Head Banking bei Ernst & Young.

Dies gilt gerade für Unternehmen in Branchen, deren Aussichten besonders kritisch gesehen werden bzw. die auf ihren Märkten einen besonders kräftigen Nachfrageeinbruch hinnehmen müssen: 83 Prozent der Banken stufen die Automobilwirtschaft als kritisch ein, 43 Prozent betrachten Kredite an Maschinenbau-Unternehmen als überdurchschnittlich ausfallgefährdet, in der Bauindustrie und dem Handel sind aus Sicht von 32 bzw. 25 Prozent der Banken Kredite derzeit besonders zu beobachten.

Eine vorsichtigere Kreditvergabe geht einher mit einem insgesamt gestiegenen Risikovorsorgebedarf: Bei immerhin 70 Prozent der befragten Banken ist der aus dem üblichen Kreditgeschäft resultierende Risikovorsorgebedarf gestiegen – nur bei sechs Prozent der Banken ist er gesunken. „Die schlechte Wirtschaftslage in Deutschland wird zu mehr Insolvenzen und Kreditausfällen führen – dafür werden die Banken nun Vorsorge treffen“, so Joachim Spill, für den Bereich Financial Services verantwortlicher Geschäftsführer bei Ernst & Young. Allerdings hätten die Wertberichtigungen aktuell noch kein bedrohliches Ausmaß erreicht, Kreditausfälle treten erst vereinzelt auf. Er erwartet jedoch, „dass die schwierige Wirtschaftslage die operative Situation einiger Banken in den kommenden Monaten schwächen wird“.

Müller-Tronnier ergänzt: „Die Banken stehen vor der Herausforderung, trotz gestiegener Refinanzierungskosten, einer zum Teil angespannten Eigenkapitalsituation und einem sicher erhöhten Risikobewusstsein profitables Neugeschäft abzuschließen – und hier sowohl Qualität und Quantität zu realisieren.“

Banken erwarten weitere Beruhigung der Finanzmärkte

Die Lage an den Finanzmärkten hat sich aus Sicht der deutschen Banken in den vergangenen Monaten stabilisiert: 82 Prozent sehen eine leichte, weitere 10 Prozent sogar eine deutlich Beruhigung. Die befragten Banker erwarten auch, dass sich diese Entspannung fortsetzt und die Rettungsmaßnahmen von Notenbanken und nationalen Regierungen weiter greifen werden: 70 Prozent gehen mit Einschränkungen davon aus, dass es zu einer nachhaltigen Beruhigung auf den Finanzmärkten kommen wird, weitere 15 Prozent sind sich sogar sicher.

Der Anteil der Bankmanager, die erwarten, dass weitere Banken die Maßnahmen aus dem staatlichen Rettungspaket in Anspruch nehmen, sinkt im Vergleich zum Jahresende 2008 deutlich – von 93 auf 60 Prozent. Dies dürfte mit der immer noch unklaren bilanziellen Behandlung und den bisher bekannten Konditionen zusammenhängen. Weitgehende Einigkeit herrscht darüber, dass die Staatshilfe ihren Preis hat: 85 Prozent rechnen damit, dass der Bankensektor in Deutschland künftig deutlich stärker reguliert werden wird, und 68 Prozent der Bankmanager glauben überdies, dass der Staat in Zukunft eine aktivere Rolle im Bankensektor spielen wird als bisher. „Regierungen und Notenbanken in aller Welt haben mit ihren Rettungsmaßnahmen in den vergangenen Monaten erreicht, dass es nicht zum Kollaps des weltweiten Finanzsystems kam“, stellt Spill fest. Damit sei das Vertrauen gestiegen, dass dies auch weiterhin sichergestellt werde.

Risikomanagement statt Produktentwicklung

Allgemein wird es als eine wesentliche Ursache der aktuellen Krise angesehen, dass Anreize bestanden, hohe Risiken einzugehen – oder nicht genügend Instrumente bestanden, die das Eingehen dieser Risiken verhindert hätten. Nun scheinen Gegenentwicklungen die Diskussion zu beherrschen: Zum einen treten der Umgang mit und die Begrenzung von Risiken noch stärker in den Vordergrund – für 85 Prozent der Befragten hat das Thema Risikomanagement derzeit hohe Priorität. Zum anderen werden – so die Mehrheit der Befragten (80 Prozent) – Vergütungs- und Anreizsysteme grundsätzlich überarbeitet.

Offenbar wird aber die Erschließung neuer Geschäftsfelder oder die Entwicklung neuer Produkte bei den meisten Banken vorerst auf Eis gelegt: Mit dem Aufbau neuer Geschäftsbereiche beschäftigen sich derzeit nur acht Prozent der Institute, die Erschließung neuer Auslandsmärkte steht sogar nur bei fünf Prozent im Fokus. Die Entwicklung neuer Produkte verfolgt nur jede vierte Bank derzeit intensiver. So hat auch die grundsätzlich vorhandene Absicht, wieder stärker auf grundgeschäftsorientierte Finanzprodukte zu setzen, offenbar noch nicht den breiten Durchbruch der islamischen Finanzprodukte gebracht, deren Besonderheit genau dies ist.

e&y/pan

 


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