Ernst & Young: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellt sich auf

12. März 2010

In der Wirtschaft gewinnen die Optimisten wieder die Oberhand. Fast zwei Drittel der Manager erwarten, dass sich die Lage ihrer Unternehmen in den kommenden sechs Monaten bessert. Das seien deutlich mehr als noch vor einem Vierteljahr, so die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young mit Blick auf eine aktuelle Umfrage.

Gleichzeitig steige auch das Vertrauen in wichtige Branchen, so die Wirtschaftsprüfer weiter. Selbst Versicherungen und Banken werden positiver bewertet als im Oktober. Deutlich gesunken ist hingegen das Vertrauen in die Stabilität des Euros sowie in die Arbeit von Regierungen im Allgemeinen sowie in die Bundes- und Landesregierungen.

Umfrage unter 700 Unternehmen

Das sind die wichtigsten Ergebnisse des „Ernst & Young Vertrauensindex“ einer quartalsweise durchgeführten Umfrage, an der sich sich rund 700 Unternehmen in Deutschland beteiligt haben.

Über eine schlechte Situation klagen aktuell nur noch 19 Prozent der Befragten im Oktober 2009 lag der Anteil noch bei 23 Prozent, im Juli 2009 sogar bei 33 Prozent. Über alle Branchen hinweg hat sich die Lage verbessert, am stärksten bei Dienstleistungs- und Industrieunternehmen, wo der Anteil der Positivbewertungen von 31 auf 43 Prozent bzw. von 26 auf 38 Prozent stieg. Auch mittel- und langfristig sehen die Manager sogar einen klaren Aufwärtstrend: Der Anteil der Optimisten steigt auf 12-Monats-Sicht auf 71 Prozent.

„Trotz des unerwartet schwachen vierten Quartals des vergangenen Jahres hat sich die Lage der Unternehmen in Deutschland weiter stabilisiert. Die Realwirtschaft erholt sich zusehends, der Optimismus gewinnt weiter an Kraft“, sagt Georg Graf Waldersee, Managing Partner Deutschland, Schweiz, Österreich bei Ernst & Young.

Die Verbesserung der Lage sei vor allem auf die wachsende Nachfrage vonseiten der Schwellenländer – allen voran China – zurückzuführen. „Die chinesische Volkswirtschaft hat sich in der Krise als erstaunlich robust erwiesen und nun die Rolle der Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft übernommen“. Das komme nun der Exportnation Deutschland zugute. „So stark wie Deutschland unter dem Einbruch der weltweiten Nachfrage gelitten hat, so sehr können wir nun vom Anziehen der Exporte profitieren“, stellt Graf Waldersee fest. Von der Binnennachfrage gehen aber kaum noch Wachstumsimpulse aus.

Während die weltweite Konjunkturentwicklung Anlass zu Hoffnung gibt, seien andere Probleme allerdings nach wie vor ungelöst, so Graf Waldersee: „Die Immobilienkrise in den USA, die schwierige Lage vieler Banken, steigende Arbeitslosenzahlen – all das sorgt weiter für Verunsicherung und steht einer nachhaltigen Erholung des Vertrauens im Wege“. Und er erwartet, dass zusätzliche Belastungsproben bevorstehen: „Wir werden wohl noch weitere Verwerfungen an den internationalen Märkten sehen. Andererseits: Die Märkte verkraften schlechte Nachrichten derzeit relativ gut – ein gewisses Grundvertrauen ist wiederhergestellt.“

Zudem werden nun die Auswirkungen der Krise auf die Staatsfinanzen immer deutlicher. „Die ausufernde Staatsverschuldung und die Sorge vor der Zahlungsunfähigkeit von Staaten werden uns in den kommenden Monaten und vielleicht sogar Jahren beschäftigen. Diese Konsequenzen des Wirtschaftseinbruchs und der Konjunkturprogramme werden nun immer deutlicher sichtbar und trüben die Stimmung in der Wirtschaft“.

Der Euro verliert an Rückhalt

Trotz der verbesserten Wirtschaftslage ist das Vertrauen der Manager in wichtige Institutionen und Branchen insgesamt zurückgegangen. Dies ist allerdings ausschließlich auf  einen Vertrauensverlust der europäischen Gemeinschaftswährung sowie generell staatlicher Stellen zurückzuführen. So haben derzeit nur noch 40 Prozent großes oder sehr großes Vertrauen in die europäische Gemeinschaftswährung – im Oktober lag der Anteil noch bei 60 Prozent.

Und in die Arbeit der Bundesregierung haben aktuell 60 Prozent der Befragten mittleres bis großes Vertrauen (Oktober: 75 Prozent). Vergleichbare Entwicklungen gab es bei der Beurteilung von Landesregierungen (Rückgang des Vertrauens  von 72 auf 66 Prozent) und von Staaten/Regierungen im allgemeinen (Rückgang von 68 auf 56 Prozent).

Graf Waldersee warnt allerdings davor, diese Entwicklung überzubewerten: „Nach Ausbruch der Krise befand sich die Wirtschaft in einer Schockstarre – die Regierungen zeigten sich hingegen handlungsfähig und konnten mit ihrem beherzten Eingreifen eine schlimmere Krise verhindern. Sie verdienten sich mit ihrem erfolgreichen Krisenmanagement die Anerkennung der Manager. Was wir jetzt sehen, ist eine Rückkehr zum Normalzustand: Regierungen und staatliche Eingriffe in die Wirtschaft werden generell von Unternehmern eher kritisch beurteilt“. Die Krise in Griechenland und der bislang nicht immer glückliche Umgang der EU-Länder mit diesem Problem trage allerdings zu dieser Entwicklung bei, vermutet Graf Waldersee.

Überraschend dabei ist: Das Vertrauen der Manager in Notenbanken bzw. Zentralbanken steigt deutlich – um 13 Prozentpunkte auf 69 Prozent. „Die Griechenland-Krise und die daraus resultierende Schwäche des Euro wird offenbar eindeutig als Problem der EU-Mitgliedstaaten und nicht als Problem der Europäischen Zentralbank begriffen“, so Graf Waldersee.

Die Länder des Euroraums stünden nun vor der Herausforderung, ihre Handlungsfähigkeit zu beweisen, die Märkte zu beruhigen und alle Zweifel an der Zahlungsfähigkeit von Euro-Ländern auszuräumen. „Was wir derzeit erleben, ist die erste große Bewährungsprobe der europäischen Gemeinschaftswährung“. Die Regierungen hätten aber den Ernst der Lage begriffen und würden nun Stützungsaktionen beschließen, ist sich Graf Waldersee sicher. „Die Krise hat eine entscheidende Schwäche des Euro aufgedeckt: Es gibt zwar eine europäische Währung, aber keine europäische (Wirtschafts-)regierung. Diese Krise wird zu neuen Diskussionen und einem Umdenken aufseiten der Regierungen führen“, erwartet Graf Waldersee.

Dass es tatsächlich zu einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone kommen könnte, glauben die befragten Manager allerdings mehrheitlich nicht. Nur sechs Prozent machen sich große Sorgen über ein mögliches Auseinanderfallen der Währungsgemeinschaft, weitere 28 Prozent äußern sich leicht besorgt. Immerhin 77 Prozent geben hingegen an, dass sie Vertrauen in den Zusammenhalt der Euro-Zone haben.

Deutsche Industrie genießt höchstes Vertrauen

Sehr hoch ist nach wie vor das Vertrauen in die Industrie, den Dienstleistungssektor und die Marktwirtschaft in Deutschland: 90, 89 bzw. 88 Prozent der befragten Manager geben für diese Bereiche ein positives Vertrauensvotum ab.

Am stärksten gestiegen ist das Vertrauen in die Zentral-/Notenbanken (+13 Prozentpunkte), den Dienstleistungssektor, die Versicherungswirtschaft und den Bankensektor (jeweils +5) sowie das britische Pfund (+3).  Relativ stark gesunken ist das Vertrauen hingegen in die Bundesregierung (-15), Staaten/Regierungen (-12) und die Rating-Agenturen (-9). Auch die Landesregierungen werden schwächer beurteilt als im Oktober (-5).

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass das Vertrauen der Unternehmen in die Finanzwirtschaft trotz des leichten Zugewinns nach wie vor relativ schwach ausgeprägt ist und nur relativ langsam wieder steigt: Der Banken- und Versicherungssektor genießt derzeit das Vertrauen von 48 bzw. 60 Prozent der Befragten. „Eine der großen Herausforderungen besteht derzeit darin, das Vertrauen in die Finanzwirtschaft wiederherzustellen“, betont Graf Waldersee.

e&y/pan