Horváth & Partners: Unternehmen setzen weiter auf Osteuropa
16. April 2009
Die Wirtschaftskrise trifft Zentral- und Osteuropa weitaus härter als den Westen. In vielen Ländern ist die Lage geradezu dramatisch. Analysten warnen davor, sich dort zu engagieren. Ganz anders die Manager westlicher Unternehmen. Kaum einer spielt mit dem Gedanken, sich aus dieser Region zurückzuziehen. Im Gegenteil. Das belegt auch eine aktuelle Studie des Beratungshauses Horváth & Partners.

Manager westeuropäischer Unternehmen schätzen die Länder in Zentral- und Osteuropa (CEE-Länder) als Absatzmarkt und Produktionsstandort. Sie sind zuversichtlich, dass die Märkte in dieser Region weiter wachsen werden. "Die Länder Zentral- und Osteuropas bleiben gerade für erfahrene Unternehmen attraktiv, auch wenn der Wettbewerb weiter zunimmt", sagt Stefan Bergsmann, Geschäftsführer von Horváth & Partners in Österreich.

Optimistischer als Analysten

Für die Studie "CEE-Barometer" hat Bergsmann 153 österreichische Manager befragen lassen, deren Unternehmen Geschäfte in Zentral- und Osteuropa machen. Fast die Hälfte dieser Unternehmen ist bereits länger als zehn Jahre in Zentral- und Osteuropa tätig, 20 Prozent 6-10 Jahre und 13 Prozent weniger als fünf Jahre.

Die Befragten schätzen die Wachstumspotenziale deutlich optimistischer ein als die meisten Analysten: 46 Prozent der Studien-Teilnehmer rechnen mit einem weiterhin steigenden Marktwachstum in Osteuropa, 19 Prozent erwarten zumindest ein gleichbleibendes Niveau, und nur 35 Prozent gehen von einer Abnahme des Wachstums aus.

Vor allem in den Ländern Südosteuropas, in den ehemaligen GUS-Staaten und in den Balkanländern sehen die Manager weiterhin attraktive Absatzmärkte. Doch auch die bereits reiferen Märkte der CEE-Länder (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien) genießen weiter hohe Wertschätzung.

Kunden und Markt als größte Herausforderung

Die Studie zeigt aber auch, dass Wettbewerbsintensität und Margendruck spürbar zunehmen. "Generell sehen die Unternehmen den Ausbau der Vertriebswege sowie Kundenbindungsmaßnahmen als unmittelbar größte Herausforderungen an", sagt Bergsmann. Qualitätssicherung ist in der Produktion nach wie vor das Topthema, Standortverlagerungen sind hingegen nicht geplant, weder weiter nach Osten noch zurück nach Westeuropa. Im Finanzbereich haben Cash- und Risikomanagement für die Befragten Priorität.

Die Steuerungssysteme für die osteuropäischen Niederlassungen haben in den letzten drei Jahren eine deutliche Professionalisierung erfahren. Zwar spielen personenabhängige Steuerungsformen, die typischerweise beim Einstieg in neue Märkte benutzt werden, nach wie vor eine Rolle. Zusätzlich wurden jedoch bereits vielfach objektive, standardisierte Steuerungsinstrumente installiert.

Neben den klassischen Instrumenten wie Berichten, Budgets und Plänen, gewinnt unter anderem regionales Benchmarking stark an Bedeutung. Allerdings ist dieser Prozess der Professionalisierung noch nicht abgeschlossen. Auch die Einführung integrierter IT-Systeme als Steuerungsrückgrat und der Ausbau von objektiven Steuerungsinstrumenten ist teilweise noch am Laufen.

CEE-Zentralen gewinnen an Bedeutung

In der Bearbeitung der Märkte genießen die CEE-Niederlassungen relativ große Freiheitsgrade. Auch in der aktuellen Situation wird keine Umkehr zu einer engeren zentralen Steuerung erwartet. Knapp 30 Prozent der Unternehmen lenken ihre Aktivitäten in der Region durch eigene CEE-Zentralen. Deren Kompetenzen haben in den letzten drei Jahren leicht zugenommen. "Von einem Ende der CEE-Zentralen kann daher keine Rede sein - vielmehr gewinnen sie durch die zunehmende Ausbreitung von Shared Services oder auch von Benchmarking zusätzlich an Bedeutung", so Bergsmann.

Aktuell sind Unternehmen, die Servicefunktionen ihrer lokalen CEE-Niederlassungen in einem Standort bündeln, noch in der Minderheit. Derzeit setzen nur 27 Prozent der Unternehmen solche Shared Service Center ein. Künftig wollen dies 39 Prozent tun. "Das Potenzial aus einer regionalen Zusammenfassung von gleichartigen Supportprozessen an einem Standort ist nicht zu unterschätzen", sagt Bergsmann. "Hier werden bisher noch Chancen zur Kostenoptimierung verschenkt", so der Berater.

Die Studie ist bei Horváth & Partners in Wien erhältlich.

ath/pan