Arthur D. Little: Kapitalintensive Chemiekonzerne trotzen der Krise
29. Juni 2009
Fallende Umsätze, schrumpfende Gewinne: Die Chemiebranche steckt bis zum Hals in der Krise. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass einige Unternehmen weitaus besser dastehen als andere. Eine neue Studie von Arthur D. Little erklärt, warum dies so ist.

Die Gewinner der Krise heißen Multichemicals: Diese kapitalintensiven Unternehmen mit breitem Produkt-Portfolio zeigen sich erstaunlich robust. Ebenso die Hersteller von Basischemikalien.

Arbeitsintensive Segmente der Industrie

Dagegen geraten Spezialchemie-Hersteller und andere Unternehmen, die in den arbeitsintensiven Segmenten der chemischen Industrie angesiedelt sind, durch die Rezession in ernste Schwierigkeiten.

Das ist das zentrale Ergebnis der Studie, für die Arthur D. Little die Kapitalstrategien der 70 größten Chemiekonzerne der Welt analysiert hat.

Die Experten haben sich die Krisengewinner näher angesehen. Erkenntnis: Unternehmen mit hoher Kapitalintensität weisen eine deutlich bessere Kapitaleffizienz auf. Gemessen am ROIC und am spezifischen Cash Flow erwirtschaften Multichemicals oder Basischemieproduzenten auch mehr Return on Equity als zum Beispiel Unternehmen der weniger kapitalintensiven Spezialchemie.

Weitere Erkenntnis: Kapitalintensive Unternehmen haben in den vergangenen zehn Jahren mehr in ihre Produktionsstätten und die Optimierung ihrer Prozesse investiert. Sie haben außerdem die richtige Balance zwischen der Größe des Unternehmens und der Flexibilität seiner Produktionseinheiten gefunden. Und: Bei ihren strategischen Investitionen sind sie nicht jeder Mode gefolgt, sondern haben langfristig geplant. Nicht zuletzt überzeugt ihr transparentes Kapitalmanagement.

Marge und Anlagevermögen

Außerdem hat Arthur D. Little zwei zentrale Erfolgsfaktoren identifiziert: die Verbesserung der Marge und die Optimierung des Anlagevermögens.

Bessere Margen lassen sich auf verschiedenen Wegen erzielen, etwa durch höhere Preise, niedrigere Kosten, Veränderungen der Produktpalette und der dazugehörigen Serviceleistungen.

Die Optimierung des Anlagevermögens lässt sich durch Änderungen der Standortstrukturen erreichen, durch die intensivere Nutzung der bestehenden Anlagen oder durch ein effizienteres Kapazitäts- und Investitionsmanagement.

Wer die Krise überwinden will,  muss diese Maßnahmen jedoch zeitgleich und zielgerichtet anpacken. Die Synchronisation beider Prozesse scheint das Hauptproblem zu sein. Kein Wunder: Während sich die Gewinnoptimierung und eine Veränderung des Produktmixes rasch realisieren lassen, sind Maßnahmen zur Verbesserung der Kapitaleffizienz in der Regel langfristiger Natur.

Arthur D. Little rät den Unternehmen, die laufenden Optimierungsmaßnahmen konsequent fortzuführen und auch in Zukunft Kosten zu sparen. Weniger kapitalintensive Unternehmen müssten Wege finden, ihre Margen zu verbessern.

Billigere Fusionen und Übernahmen

Im Übrigen sollten die Unternehmen versuchen, gerade jetzt zu expandieren. Nicht nur Fusionen und Firmenübernahmen seien jetzt billiger, so die Consultants. Auch die Errichtung neuer Produktionsanlagen und die Modernisierung bestehender Fertigungsstätten kosteten weniger als in guten Zeiten, weil Anlagenbauer und andere Zulieferer für jeden Auftrag dankbar seien.

pan