Ein Viertel der großen Anbieter von Business Process Outsourcing (BPO) wird bis 2012 nicht mehr als unabhängige Einheit existieren, so das IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner. Marktaustritte, Übernahmen und der Aufstieg neuer Anbieter werden den Markt stark verändern. Unternehmen sollten bei der Bewertung von BPO-Anbietern auf Warnsignale achten, um ihre Risiken klein zu halten.
„Viele Anbieter werden darum kämpfen müssen, in ihrer gegenwärtigen
Form zu überleben, sei es wegen der Wirtschaftskrise, wegen
verlustbringender Verträge oder weil sie nicht in der Lage sind, ihre
Service-Modelle zu standardisieren“, sagt Robert H. Brown, Research
Vice President bei Gartner. „Einige werden übernommen werden und einige
werden komplett vom Markt verschwinden und durch neue dynamische
Marktteilnehmer ersetzt werden, die BPO als automatisierten Service auf
Verbrauchsbasis anbieten“, so der Experte.
Gartner hat sechs Warnsignale ausgemacht, welche auf die bevorstehenden
Erschütterungen im Markt hinweisen und aufzeigen, welche BPO-Anbieter
Gefahr laufen, übernommen zu werden oder ganz vom Markt zu
verschwinden. Damit Anwender ihre Prozesse nicht an gefährdete
Unternehmen auslagern, sollten sie folgende Warnsignale beachten:
1. „Chronisch defizitäre BPO-Deals“ im Portfolio eines Anbieters.
Solche Dienstleister haben den schnellen Erfolg auf Kosten der
Profitabilität gesucht. Sie haben sich zu wenig Gedanken darüber
gemacht, wie sie ihre verlustreichen Deals in standardisierte,
dauerhafte und profitable Verträge umwandeln können. Die meisten dieser
Anbieter werden sich wohl weigern, hierüber offen zu sprechen.
Einkäufer sollten dennoch versuchen herauszufinden, wie profitabel ein
Provider ist.
2. Keine bedeutenden Neuabschlüsse über einen Zeitraum von zwei bis
drei Jahren. Auftraggeber sollten Vorsicht walten lassen, wenn ein
Dienstleister nicht mehrere große Kunden gleichzeitig bedienen und
seine Verträge nicht erfolgreich in die Outsourcing-Praxis umsetzen
kann.
3. Verlust wichtiger Kunden und großer Teile des Geschäfts an einen
Wettbewerber. Möglicherweise ist das noch verbleibende BPO-Portfolio
des Anbieters zu klein für einen profitablen Betrieb. Auftraggeber
sollten sich daher mit den sogenannten Anker-Kunden in Verbindung
setzen und herausfinden, ob die Beziehung zwischen diesem Kunden und
dem Dienstleister stabil ist.
4. Dürftige Kapitalausstattung. BPO-Deals
sind schon in der Angebotsphase sehr teuer. Stark fremdfinanzierte
Anbieter sind gezwungen, die gewonnenen Abschlüsse schnell profitabel
zu machen. Investitionen in einheitliche Plattformen und Service-Levels
werden vernachlässigt.
5. Starke Ausrichtung des Geschäfts auf Banken und Versicherungen.
Verträge mit Finanzdienstleistern machen etwa ein Drittel des
weltweiten BPO-Marktes aus. Anbieter, die ihr Geschäft stark auf diese
Kunden ausgerichtet haben, waren die Ersten, die unter der Finanzkrise
zu leiden hatten – und manche leiden heute noch darunter. Vorsicht
also, wenn ein Anbieter mehr als 85 Prozent seines Umsatzes mit Kunden
aus der Finanzbranche verdient.
6. Mehr vorzeitig abgebrochene BPO-Verträge, steigende Zahl von
Insourcing-Projekten. Laut einer Umfrage von Gartner wurden 2008
deutlich mehr BPO-Verträge vorzeitig gekündigt als 2007. Vor diesem Hintergrund
rät Gartner den BPO-Kunden, sich schon bei Abschluss eines
Outsourcing-Vertrags eine Exit-Strategie zu überlegen und entsprechende
Vorsichtsmaßnahmen zu treffen bzw. Rücklagen zu bilden.
Der Wechsel
eines Dienstleisters könne mit erheblichen Kosten verbunden sein, warnen
die Experten. Deswegen muss der Outsourcing-Vertrag auch in diesen
Punkten sorgfältig ausformuliert werden. Der Auftraggeber sollte insbesondere
darauf achten, dass es klare Abmachungen über die Regelung von
Meinungsverschiedenheiten gibt und dass man beim Ausstieg aus einem Vertrag
nicht automatisch den Rechtsweg beschreiten muss.
ner/pan
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