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Arthur D. Little: Autoindustrie steht vor neuen Herausforderungen

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30. Juli 2009
Russland, Indien oder China waren bislang Absatzmärkte für die Autobauer aus dem Westen. Jetzt aber wachsen in diesen Ländern Konkurrenten heran. Und das ist nur einer von sieben neuen Branchentrends, die Arthur D. Little in einer heute veröffentlichten Studie beschreibt. Den Managern etablierter Hersteller empfehlen die Consultants, ihre Strategie schnell anzupassen.

Es ist gerade ein paar Tage her, dass der chinesische Premier Wen Jiabao erklärt hat, sein Land werde weltweit auf Einkaufstour gehen. Und diesmal sind es nicht etwa Autos aus dem Westen oder andere Spitzenprodukte wie die Magnetschwebebahn Transrapid, die der Politiker im Auge hat. Wen Jiabao meint Konzerne wie Opel oder Volvo.

Sechs neue Konkurrenten

Auch der Produktionsstart des Kleinwagens Tata Nano in Indien oder die massiven Probleme der einstmaligen Giganten General Motors und Chrysler zeigen, dass es hier um tief greifende und rapide Veränderungen geht. Marc Winterhoff, Director und Leiter Automotive Practice von Arthur D. Little: „Der bislang exklusive Club der Global Player wird sich bis zum Jahr 2020 um fünf neue Anbieter aus China und einen aus Indien erweitern.“

Im März 2009 haben sich die Berater der Automotive Practice von Arthur D. Little in der Studie „Shifting Centers of Gravity – the End of the Automotive Industry as we know it?“ mit den globalen Verwerfungen der Branche auseinandergesetzt. Die Studie identifizierte sieben zentrale Trends, die die Kräfte und globalen Schwerpunkte in der Automobilindustrie in den nächsten Jahren verschieben werden.

So werden insbesondere die etablierten Volumenhersteller unter Druck geraten, weil die Hersteller aus den Schwellenländern (Emerging OEMs) sich auf das neue globale Mittelsegment fokusieren und dort vor allem auf die Volumenhersteller treffen.

Die Kunden dieser neuen Märkte fragen verstärkt nach Fahrzeugen mit guten Basisfunktionalitäten bei gleichzeitigem Wegfall zusätzlicher Bonusfeatures; zudem sind die Kunden äußerst preisbewusst.

Für die etablierten Volumenhersteller wird es schwer werden, ihre ambitionierten Wachstumsziele vor dem Hintergrund der schnell stärker werdenden Emerging OEMs tatsächlich zu erreichen.

Vom lokalen zum globalen Produzenten

Die Konzerne im Westen sollten vor allem auf die Chinesen aufpassen. Winterhoff: „Die chinesischen Automobilproduzenten gehen den Weg vom lokalen zum globalen Anbieter mit einer ganz klaren Strategie: Zuerst streben sie die Marktführerschaft im eigenen Land an, anschließend erfolgt der orchestrierte Auftritt auf den Emerging Markets in Asien, dem Mittleren Osten sowie Afrika – zunächst im unteren Preissegment, anschließend auch in der mittleren Preisklasse. Diese Erfahrungen nutzen sie schließlich für den Angriff auf die etablierten Märkte.“

Noch werden die Emerging OEMs nicht wirklich ernst genommen. Es fehle ihnen an Know-how, trösten sich die Manager etablierter Konzerne. Winterhoff rät hingegen dazu, die Hersteller in den Schwellenländern aufmerksam zu beobachten: „Hier sehen wir derzeit, dass sie sich über Akquisitionen und dort vorrangig bei den Zulieferern und Entwicklungsdienstleistern das notwendige Know-how beschaffen, um ihre Qualitätsprobleme, fehlende Technologiekompetenz und Managementfähigkeit auszugleichen“, so der Experte.

Damit nicht genug: Zurzeit arbeiten die chinesischen Hersteller massiv am Ausbau ihrer Kompetenzen hinsichtlich Elektro-Antrieben, da sie darin eine Möglichkeit sehen, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den etablierten Playern zu erzielen. Hier besteht eine große Gefahr, da Technologiesprünge, gepaart mit veränderten Kundenanforderungen in der Vergangenheit auch in anderen Industrien zu gewaltigen Verschiebungen der Kräfteverhältnisse geführt haben.

Etablierte Hersteller müssten deswegen Strategien entwickeln, die ihnen langfristig den exklusiven Zugang zu Technologieinnovationen sicherstellen, sagt Winterhoff.

adl/pan

 


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