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Studie von Booz & Company: Hohe Fluktuationsrate im Topmanagement

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18. Mai 2010

Das Personalkarussell in den Führungsetagen der Wirtschaft dreht sich immer schneller. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie der Beratungsfirma Booz & Company. Demnach musste 2009 jeder fünfte Unternehmenslenker seinen Posten räumen oft wegen schwacher Leistungen. 

Die Berater haben die Top-Personalien von über 2500 börsennotierten Unternehmen rund um den Globus analysiert. Überraschendes Ergebnis: Im deutschsprachigen Raum und nicht etwa in den USA tauscht man die Chefs am häufigsten aus.

Genauer: Mit über 20 Prozent liegt die Fluktuationsrate im Management deutscher, österreichischer und schweizerischer Unternehmen deutlich höher als in anderen Ländern. Der europäische Durchschnitt beträgt nur 15 Prozent, der weltweite Vergleichswert 14 Prozent.

Unfreiwillige Wechsel

Interessant dabei: Fast ein Viertel dieser Wechsel erfolgte zwangsweise zum Beispiel wegen schwacher Leistungen des CEOs.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die Aufsichts- und Verwaltungsräte ihre Kontrollfunktion heute genauer nehmen als früher nicht zuletzt deswegen, weil Fälle von Managerversagen heute in den Medien schonungslos offen gelegt und diskutiert werden.

Aber auch in anderen Ländern wird Corporate Governance größer geschrieben als früher. Ein deutliches Indiz dafür ist die Tatsache, dass Doppelmandate an der Spitze großer Unternehmen seltener werden. Dies betrifft vor allem Unternehmen in den USA und Großbritannien, wo ein Topmanager gleichzeitig als Präsident eines Kontrollorgans und CEO fungieren kann.

Vor zehn Jahren übernahmen rund die Hälfte der neu eingesetzten Chefs von Unternehmen in den USA und in Europa beide Rollen. 2009 lag dieser Wert in den USA bei nur noch 17 Prozent und in Europa sogar nur noch bei sieben Prozent.

Hoher Leistungsdruck, kurze Verweildauer

Laut Studie tendieren die Aufsichts- und Verwaltungsräte immer öfter dazu, interne Kandidaten an die Spitze eines Unternehmens zu berufen. Diesen Managern räumen sie jedoch immer weniger Zeit ein, um Erfolge zu erzielen. So verkürzte sich die durchschnittliche Amtszeit eines CEO im vergangenen Jahrzehnt von 8,1 auf 6,3 Jahre.

„Neue CEOs müssen heute innerhalb kürzester Zeit eine richtungweisende Strategie entwickeln, die kurzfristig den Gewinnerwartungen der Aktionäre gerecht wird sowie langfristig Marktanteile und Wachstum sichert“, sagt Klaus Hölbling, Geschäftsführer von Booz & Company in Österreich.

Weitere Ergebnisse: Die wackligsten Chefsessel stehen in den Vorstandsetagen der internationalen Banken und Versicherungen. Über 17 Prozent der CEOs des Finanzsektors mussten 2009 ihren Schreibtisch vorzeitig räumen. Ein knappes Drittel davon unfreiwillig.

Ruhiger ging es bei der Pharma- und Kosmetikunternehmen zu. Hier wechselten lediglich rund zehn Prozent des weltweiten Spitzenpersonals wechselten – kaum einer davon musste unfreiwillig gehen (0,6 Prozent der Fälle).

Unruhige Telekom-Branche

Mit einer Wechselquote von fast 17 Prozent erweist sich der Telekommunikationssektor als die weltweit wechselintensivste und unberechenbarste Branche: Jeder zweite Abgang in dieser Branche erfolgte vorzeitig und gegen den Willen des jeweiligen Managers.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden letztes Jahr in der Telekommunikations-, Energie- und Konsumgüterindustrie besonders viele neue CEOs installiert. Ihre Vorgänger bekleideten den Posten branchenübergreifend durchschnittlich 6,7 Jahre, waren beim Amtsantritt 48,9 Jahre alt und 55,7 Jahre beim Ausscheiden.

Während 2009 vor allem die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise bewältigt werden mussten, stehen nun bei den meisten Unternehmen wieder Wachstums- und Internationalisierungsstrategien auf der Agenda.

„Schönwetterkapitäne sind in den letzten drei Jahren von Bord gegangen. Nun heißt es für die aktuelle, krisengestählte CEO-Generation die Balance zwischen Kosten- und Prozessoptimierung sowie wachstumsorientierter Strategieentwicklung zu finden“, so Hölbling.

pan

 


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