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GEELY? Kaum jemand kennt den chinesischen
Industriekonzern, der den schwedischen Autohersteller Volvo vom
US-Konkurrenten Ford gekauft hat. Der Fall ist bemerkenswert. Und er ist nur einer von vielen Belegen dafür, dass sich China von einer verlängerten Werkbank des Westens zu einem Produktentwickler mit globalen Marken wandelt.
In seinem neuen Buch „The China
Strategy“ beschreibt Edward Tse,
Senior-Partner bei Booz &
Company, nicht nur diesen Trend. Der
Experte zeigt, wie internationale Unternehmen in China Erfolge erzielen
können.
Anlässe, sich mit China auseinanderzusetzen, gibt es mehr als genug. Nicht nur positive. Da ist zum einen die harsche Zensurpolitk der chinesischen Regierung, die dem US-Internetkonzern Google zu schaffen macht. Oder der niedrige Wechselkurs, mit dem Peking die Exporte pusht.
Beeindruckende Erfolge
Zum anderen sind da die beeindruckenden Erfolge der Chinesen: Die Wirtschaft des Landes ist mit einem Volumen von 1,2 Billionen US-Dollar erstmals Exportweltmeister. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 4,9 Billionen US-Dollar und einem Wirtschaftswachstum von 8,7% in 2009 entwickelt sich China zu einem der attraktivsten Absatzmärkte und leistungsstärksten Innovationsstandorte.
Gleichzeitig kurbelt die Regierung in Peking mit vielfältigen Konjunktur- und Investitionsprogrammen die Binnennachfrage an.
Die Experten von Booz & Company rechnen damit, dass die chinesische Wirtschaft 2010 um 9% wachsen wird. Damit bleibt das Land der Motor einer immer noch krisengeschüttelten Weltwirtschaft.
Zahlreiche Gründe sprechen für einen anhaltenden Boom: Laut einer aktuellen Studie von Booz & Company wollen 83% der bereits in China ansässigen internationalen Unternehmen ihr Engagement weiter ausbauen. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 71%. 50,5% der befragten Unternehmen wollen aus China heraus zudem weitere asiatische Märkte erschließen.
Tse identifiziert in seinem Buch vier Treiber für den rasanten Wandel und erläutert, wie sich Wirtschaft, Staat und Gesellschaft in den nächsten zwanzig Jahren entwickeln. Der Experte zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie es ausländischen Akteuren gelingen kann, im Dickicht sozialer Umbrüche und staatlicher Regulierungen den eigenen Weg zum Erfolg zu finden.
Postmoderne Konsumgesellschaft
„Wollen sich internationale Unternehmen gegenüber einheimischen Wettbewerbern behaupten und chinesische Konsumenten für ihre Leistungen begeistern, müssen sie das ‚neue China’ verstehen“, sagt Tse. So bewirken die modernisierte Infrastruktur und zunehmende Mobilität eine dramatische Urbanisierung. Lebten zur Jahrtausendwende 35% der Chinesen in Städten, werden es 2020 fast 60% sein.
Daneben bringen Wohlstand sowie steigende soziale Standards eine neue konsumfreudige Mittelschicht hervor. Deren Haushaltseinkommen steigt jährlich um annähernd 10%. Im Gegensatz zu vielen westlichen Ländern ist die Mittelschicht in China kaum verschuldet und legt großen Wert auf Lebensqualität.
Viele chinesische Produkte und Dienstleistungen haben den Qualitätssprung vom Discount- ins Premiumsegment geschafft. Sie sind nun dabei, bisherige globale Champions zu verdrängen. „Huawei, BYI und Haier sind nur die Spitze des Eisbergs. Daneben stehen Hunderte innovativer Firmen mit guten und günstigen Produkten in den Startlöchern, um nach dem Heimat- auch den Weltmarkt zu erobern“, prognostiziert Tse.
Der Siegeszug chinesischer Produkte basiert auf einer extrem steilen Lernkurve im Innovationsmanagement. So ist beispielsweise der Telekommunikationsausrüster Huawei seit seiner Gründung 1988 zum Weltkonzern mit 15 Mrd. Euro Umsatz und 90.000 Mitarbeitern aufgestiegen. Der ehemalige Hersteller von Nachahmerprodukten setzt heute im Markt die Maßstäbe für Preis und Qualität.
Global Player setzen auf China
Eines der ersten Unternehmen, das die Chancen des Wachstumsmarkts begriffen und sein Geschäftsmodell konsequent angepasst hat, ist IBM. Bereits seit 1994 produziert der Hardwarehersteller in China. Durch Joint Ventures sind seitdem zahlreiche weitere Produktionsstandorte hinzu gekommen. Der Konzern lagert seit der Jahrtausendwende immer mehr Geschäftsbereiche in die Region Shenzen aus und betreibt, neben einem großen Forschungszentrum, inzwischen auch sein globales Neugeschäft von Shanghai.
Daneben hat es die Restaurantkette Kentucky Fried Chicken mit kulturell angepassten Menüs und Lokalen inzwischen zur erfolgreichsten Restaurantkette der Volksrepublik geschafft. Auch Procter & Gamble erobert mit einer konsequenten Strategie die chinesischen Badezimmer. „Der Konsumgüter-Konzern startete mit einem einzigen Produkt, einem Haarshampoo. Dann nahm sich das Management Region für Region vor und adaptierte immer weitere Produkte für den chinesischen Markt. So baute der Konzern eigene Strukturen, interkulturelle Teams und exzellentes Know-how auf“, so Tse.
„Die Regierung wird in den kommenden Dekaden immer mehr Sektoren auch für ausländische Unternehmen öffnen“, prognostiziert Tse. So brachte der ‚chinesische Weg’ aus Regulierung und Offenheit etwa die einheimische Automobilindustrie besonders beim Thema Elektromobilität in die Spitzengruppe der internationalen Entwicklungs- und Produktionsstandorte.
„Die nächsten Liberalisierungsschübe erwarten wir in der pharmazeutischen Industrie, bei Konsumgütern und bei Dienstleistungen, wie zum Beispiel Lebensversicherungen“, sagt der Consultant. „Für deutsche Verbraucher wird die Entscheidung zwischen Miele oder Haier bald genauso selbstverständlich, wie die zwischen Allianz und China Life“, so der Experte.
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Dr. Ed Tse wuchs in Hongkong auf, studierte in den USA und arbeitet seit über 20 Jahren in Führungspositionen von Industrieunternehmen und Consultingfirmen. Daneben publiziert er regelmäßig in Wirtschaftsmagazinen und lehrt am Shanghai Institute of International Finance.
b&c/pan
Weitere Informationen über Booz &
Company bei ConsultingStar:
http://www.consultingstar.com/details/576.html
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