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Immer mehr Ausländer an der Spitze von Schweizer Unternehmen

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23. Mai 2011
Die Globalisierung hinterlässt deutliche Spuren in den Führungsetagen der schweizerischen Wirtschaft. Das heißt: Die Präsenz von Topmanagern mit ausländischem Pass ist weiter gestiegen. Welche Nationen besonders stark vertreten sind, zeigt eine heute veröffentlichte Analyse der Zürcher Headhuntingfirma Guido Schilling AG.

Schilling hat die Führungsgremien der 116 größten Unternehmen der Schweiz untersucht, wobei sich die Größe auf die Mitarbeiterzahl bezieht. Entsprechend wurden 907 Geschäftsleitungsmitglieder und 814 Verwaltungsräte in die Analyse mit einbezogen.

Zwei Drittel kommen nicht aus der Schweiz

Ergebnis: Lag der Anteil der ausländischen Geschäftsleitungsmitglieder im Jahr 2006 noch bei 36 Prozent, ist er seitdem stetig gestiegen und liegt nun bei 45 Prozent. In den Konzernen, die im Börsen-Index SMI notiert und als Vorreiter in Sachen Internationalisierung anzusehen sind, stammen sogar zwei Drittel nicht aus der Schweiz.

Das Ausbildungsniveau der Geschäftsleitungsmitglieder ist unter den Ausländern besonders hoch. Die große Mehrheit sind Akademiker (88 Prozent), während von den Schweizern lediglich 69 Prozent eine Universität besucht haben. Laut Schilling liegt dies daran, dass im Ausland generell mehr Wert auf eine universitäre Ausbildung gelegt werde. Im Ausland besetze man Top-Positionen fast ausschließlich mit Akademikern, in der Schweiz hingegen reichten bisweilen der zweite Bildungsweg oder praktische Tätigkeiten, um es bis an die Spitze eines Unternehmens zu schaffen.

„Gefragt sind heute nicht mehr die besten Manager der Schweiz, sondern die besten Köpfe weltweit“ sagt Guido Schilling, Gründer und Chef der Guido Schilling AG. Für die grossen international tätigen Unternehmen sei der Schweizer Arbeitsmarkt einfach zu klein.

Deutsche spielen eine Schlüsselrolle

Nach wie vor spielen deutsche Führungskräfte eine Schlüsselrolle für die Schweizer Wirtschaft. Mit einem Anteil von einem Drittel bilden sie noch immer die größte Gruppe unter den ausländischen Topmanagern.

Allerdings werden die Deutschen nun erstmals von den US-Amerikanern überholt. Diese Trendwende gilt insbesondere für die SMI-Unternehmen, bei denen die Deutschen mit 14 Prozent nur noch die drittstärkste ausländische Gruppe bilden, während die US-Amerikaner mit einem Anteil von 23 Prozent klar vorne liegen.

Noch stärker akzentuiert findet sich dieser Trend unter den CEOs der SMI-Unternehmen: 2006 hatten immerhin bereits 42 Prozent der CEOs in diesen Unternehmen keinen Schweizer Pass. Heute jedoch hat sich der Ausländeranteil verdreifacht: 75 Prozent der Führungskräfte von SMI-Unternehmen sind keine Schweizer.

Die US-amerikanischen CEOs haben dabei zahlenmässig mit den Schweizer CEOs gleichgezogen. Schilling vermutet, dass für diesen Trend nicht nur die fortschreitende Globalisierung verantwortlich ist, sondern auch die boomende deutsche Wirtschaft.

Frauenanteil verharrt auf tiefem Niveau

Im Gegensatz zum steten Anstieg der ausländischen Führungskräfte verharrt der Frauenanteil in Geschäftsleitungen seit nunmehr sechs Jahren konstant bei rund fünf Prozent. Einzig bei den weiblichen CEOs tut sich etwas. So sind zwei neue Frauen an die Spitze von Schweizer Unternehmen gerückt: Isabelle Welton, IBM Schweiz, und Thorid Klantschitsch, Bell AG.

Im Schnitt übernehmen Top-Managerinnen jedoch weniger oft Verantwortung im operativen Geschäft als ihre männlichen Kollegen, da sie immer noch eher interne Servicefunktionen im Personal- oder Kommunikationsbereich besetzen.

Das Bildungsniveau der Frauen ist – ähnlich wie bei den Ausländern – höher als das der Mitglieder der Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte insgesamt. Über die beste Ausbildung verfügen ausländische Frauen. In Bezug auf die Verweildauer in der Geschäftsleitung ist zu vermerken, dass Frauen früher wieder aus dem Führungsgremium ausscheiden als Männer.

Kommentar von Guido Schilling: „Die 100 größten Unternehmen der Schweiz sind global tätig und tragen maßgeblich zur Wertschöpfung in unserem Land bei. Dabei spielen ausländische Top-Manager mit Leistungsausweisen aus globalen Märkten eine entscheidende Rolle. Die Politik tut gut daran, die Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt für die Großen der Wirtschaft nicht zu verschlechtern. Sonst laufen wir alle Gefahr, dass wir den Ast absägen, auf dem wir sitzen.“

pan

 


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