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Odgers Berndtson: Der Generalist alter Schule hat ausgedient

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7. September 2009
Vor einigen Jahren hieß es noch, dem Generalisten gehöre die Zukunft. Die Realität in den Führungsetagen sieht anders aus. Das belegt eine neue Studie der Personalberatungsfirma Odgers Berndtson. Mehr denn je sind Branchenkenntnisse gefragt. Und: Juristen werden rar im Topmanagement.

Für die Studie hat Odgers Berndtson die Lebensläufe der Vorstandsvorsitzenden von 30 Dax-Unternehmen aus den Jahren 1988 und 2008 verglichen und zahlreiche Aufsichtsräte befragt.

Kenntnis des Kerngeschäfts

Ergebnis: Bei der Besetzung von Spitzenpositionen im Management kommt es stärker denn je auf eine genaue Kenntnis des Kerngeschäfts eines Unternehmens an. Mit anderen Worten: Der Generalist, der sich in jeder Branche sattelfest fühlte, ist ein Auslaufmodell. Als Begründung hierfür nennt Patrick Schild, Partner bei Odgers Berndtson, „die wachsende Komplexität unserer Wirtschaft und die Vielzahl der unternehmerischen Risiken."

Die Kandidaten müssen zudem wissen, was die Kunden wollen, und sie müssen Erfolge im operativen Geschäft vorweisen können. Das nötige Fachwissen wird als selbstverständlich vorausgesetzt.

Die Studie zeigt außerdem, dass weiche Faktoren und der Charakter eines Managers immer mehr an Bedeutung gewinnen. Schild nennt in diesem Zusammenhang die Schlagworte „Führungsstärke und Sozialkompetenz“, aber auch „Bescheidenheit, Integrität und nachhaltiges Handeln“.

Juristen weniger gefragt

Interessant ist jedoch nicht nur der Blick nach vorn, sondern auch die Retrospektive. So zeigt sich zum Beispiel, dass die Juristen an der Spitze eines Dax-Konzerns rar geworden sind. Genauer: Im Jahr 1988 hatte noch fast die Hälfte aller Konzernlenker einen juristischen Abschluss, 23 % absolvierten ein wirtschaftswissenschaftliches Studium. Dieses Verhältnis ist gekippt: In 2008 hatten nur noch 19 % der CEOs Jura und bereits 35 % BWL oder VWL studiert.

Gleichzeitig wird die Promotion von postgraduierten Ausbildungen abgelöst. Hatten 1988 noch 68 % der CEOs einen Doktortitel, so waren es 2008 nur noch 55 %. Im Gegenzug hat sich der Anteil von CEOs mit einem MBA von Null auf 23 % erhöht. „Aufgrund der abnehmenden Halbwertszeit des Wissens müssen künftige CEOs eine hohe Bereitschaft zum lebenslangen Lernen haben. Der Bedarf an einer Zusatzausbildung in strategischer Unternehmensführung wird daher in Zukunft steigen“, so Schild.

Weniger als 30 % der Dax-CEOs in 2008 hatten einen Branchenwechsel in ihrem Berufsleben vollzogen. Mit durchschnittlich 1,42 ist die Anzahl der unterschiedlichen Unternehmen, in denen die CEOs vor ihrer Ernennung tätig waren, ebenso gering. CEO-Kandidaten werden demnach überwiegend intern für die Position aufgebaut werden. Der Anteil der intern rekrutierten CEOs betrug 1988 84 %. Im Jahr 2008 ist der Anteil gesunken, lag aber mit 77 % unverändert hoch.

Marketing & Sales legt zu

Deutlich verändert haben sich dagegen die Unternehmensbereiche, in denen die Kandidaten vor ihrer Berufung tätig waren. 1988 kamen noch mehr als die Hälfte der Top-Manager aus dem Finanzbereich. 2008 hat der Bereich Finance zugunsten der übrigen beiden Bereiche an Bedeutung verloren (39 %). Am stärksten konnte der Bereich Marketing & Sales zulegen: Heute kommen 26 % der Dax-CEOs aus entsprechenden Führungspositionen.

Schild: „Trotz der anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise, die dem Finanzbereich in Unternehmen naturgemäß mehr Beachtung verschafft, gehen die befragten Aufsichtsräte davon aus, dass der Finanzvorstand in Zukunft nicht mehr der geborene Kronprinz sein wird. Der Königsweg wird mehr vom Kerngeschäft, von den Kunden und der jeweiligen Situation des Unternehmens abhängen.“

ob/pan


Weitere Informationen über Odgers Berndtson bei ConsultingStar:

http://www.consultingstar.com/details/475.html

 


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