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Towers Perrin: Unternehmen wollen Gehälter wieder anheben

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9. Oktober 2009
Es geht aufwärts. Nicht nur mit der Konjunktur. Im kommenden Jahr werden auch Löhne und Gehälter wieder steigen. In Ländern wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz planen die Unternehmen allerdings nur vergleichsweise geringe Erhöhungen ein. Das ist das Ergebnis einer Studie, welche die Vergütungsexperten von Towers Perrin gestern veröffentlicht haben.

Für 2010 rechnen die meisten Unternehmen weltweit mit deutlich umfangreicheren Vergütungsbudgets als im laufenden Jahr. So planen französische Unternehmen mit einem doppelt so hohen Anstieg ihrer Vergütungsbudgets auf dann insgesamt 2,8%, in spanischen Unternehmen sollen die Budgets um drei Viertel steigen, in britischen immerhin noch um fast die Hälfte (47%) auf 2,5%.

Moderater Anstieg in Österreich

In dieser Größenordnung bewegt sich auch der Anstieg in Deutschland und der Schweiz (53% bzw. 57%). In Österreich dagegen fällt der Anstieg der Budgets mit rund 22% moderater aus. Unter Berücksichtigung der jeweiligen nationalen Inflationsrate erweisen sich diese Werte aber keineswegs als unattraktiv. Mit 1,6% realem Lohnwachstum bewegen sich Unternehmen dieser drei Länder im oberen Mittelfeld des internationalen Vergleichs.

Im Vergleich der großen Industrienationen kalkulieren wie im laufenden Jahr russische Firmen mit der höchsten nominalen Erhöhung ihrer Vergütungsbudgets (7,7%). Jedoch werden diese Zuwächse vollständig von der dortigen Inflation verzehrt, was neben Russland auch auf die Länder der ehemaligen Sowjetunion zutrifft.

Für Martin Hofferberth, Manager European Databases bei Towers Perrin, spiegeln die Werte den Verlauf und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise wider: „Angesichts der zurückliegenden schwierigen Jahre haben die Unternehmen ihre Lohnerhöhungsbudgets nahezu flächendeckend nach unten korrigieren müssen. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet aber aufgrund eines positiven Ausblicks nun wieder mit Lohnerhöhungen und insgesamt höheren Vergütungsbudgets. Viele Unternehmen haben vorsichtig geplant und werden ihre Kalkulationen zum Jahreswechsel nochmals überprüfen und gegebenenfalls anpassen.“

Pharma-Branche Spitze, High-Tech-Industrie mit deutlichen Zuwächsen

2010 wird in fast allen Branchen mit Lohnsteigerungen kalkuliert. Eine Ausnahme bildet die Pharma-Branche, in der in Deutschland mit reduzierten Budgets kalkuliert wird. Die Wirtschaftskrise scheint hier verzögert Folgen zu zeigen, wenn auch nur begrenzt. Denn wie in der Vergangenheit planen die Pharma-Unternehmen in Deutschland, wie auch in Österreich und der Schweiz mit den höchsten Gehaltssteigerungsraten von 3% und mehr.

Neben Unternehmen aus dem Bereich Professional Services zeigen sich IT- und Telekommunikationsfirmen für 2010 am optimistischsten in ihrer Vergütungsplanung. In der Schweiz und in Deutschland liegen ihre Budgets für Gehaltserhöhungen in 2010 deutlich über einen Prozentpunkt über dem Wert für 2009.

Selbst für die krisenerschütterte Finanzindustrie sind weltweit kaum signifikant gesunkene Budgets zu verzeichnen. Finanzdienstleister in Deutschland wollen ihre Mittel für Vergütungserhöhungen im Vergleich zu 2009 um rund ein Viertel auf 2,4% erhöhen, der Vergleichswert in der Schweiz liegt bei 2,2% und damit fast die Hälfte über dem Niveau von 2009; in Österreich beträgt der Budgetzuwachs gegenüber dem laufenden Jahr rund 23%.

„Keine Branche konnte sich der Krise gänzlich entziehen“, sagt Hofferberth. „Dass gerade die High-Tech-Branche bei den Budgeterhöhungen so stark nachgelegt hat, ist nicht zuletzt auch auf einen gestiegenen Bedarf an qualifizierten Fachkräften zurückzuführen.“

High-Performer weiter im Fokus

Nahezu weltweit gehen immer weniger Unternehmen davon aus, reguläre Gehaltsrunden aussetzen zu müssen. Haben im laufenden Jahr in Deutschland noch 40% der Unternehmen Nullrunden durchgeführt, so sind es für 2010 nur noch 8%, in Österreich sind es 7% und in der Schweiz noch 11% der Unternehmen - nach 24% bzw. 45% im laufenden Jahr.

Gleichzeitig reservieren Unternehmen weiterhin größere Teile ihres Vergütungsbudgets für ihre Leistungsträger. In Deutschland tun dies bereits 72%, in der Schweiz 69% und in Österreich 57% der Unternehmen. Damit ist allerdings der Anteil der Betriebe, die Lohnerhöhungen allen Mitarbeitern in gleichem Maße zukommen lassen, im Vergleich zum aktuellen Jahr wieder gestiegen.

„Offensichtlich gab es vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftslage auch in der Breite einen gewissen Bedarf für Vergütungserhöhungen. Schließlich konnten auch Leistungsträger aufgrund der Schwere der Krise vielfach ihre Ziele nicht erreichen“, erläutert Towers Perrin-Vergütungsexperte Hofferberth, der darauf verweist, dass jedes Unternehmen die für seine Mitarbeiterstruktur sinnvolle Balance an vergütungswirtschaftlicher Förderung bestimmter Mitarbeitergruppen finden muss.

Mit erhöhten Vergütungsbudgets versuchen vor allen Dingen Unternehmen aus dem Bereich Professional Services (85%), der Chemie- (80%) und High-Tech-Branche (77%) verstärkt High Performer anzuwerben bzw. zu binden.

Mitarbeiterfluktuation in Deutschland

Bereits zum zweiten Mal wurde im Rahmen der Studie die Mitarbeiterfluktuation erhoben. Hierbei wird unterschieden zwischen erzwungenem (Unternehmen kündigt) und freiwilligem Arbeitsplatzwechsel (Mitarbeiter kündigt). Die höchste freiwillige Mitarbeiterfluktuation ist in Südafrika (7,7%), Ägypten (6,1%) und Großbritannien (6,0%) zu verzeichnen. Deutschland und die Schweiz liegen mit 3% bzw. 4,2% an freiwilligen Kündigungen im weltweiten Mittelfeld, Österreich mit 2,2% darunter. Die aus einer Kündigung des Arbeitgebers resultierende Fluktuation liegt in Deutschland auf demselben Niveau wie die freiwillige Mitarbeiterfluktuation (3%).

Hintergrundinformationen zur Studie und Bezug

Der jährlich von Towers Perrin erstellte Global Compensation Planning Report analysiert die aktuellen Entwicklungen im Bereich Vergütungsplanung. Das für die Studie erhobene Vergütungsbudget erfasst tarifliche und außertarifliche Mitarbeiter aller Hierarchiestufen und berücksichtigt bei den Prognosen auch die geplanten Beförderungen. Die vorliegenden Ergebnisse für 2009 und 2010 basieren auf den Angaben von rund 2.900 großen und mittelständischen Unternehmen aus 48 Ländern. In Deutschland sind die Angaben von 185, in Österreich von 82 und in der Schweiz von 107 Unternehmen eingeflossen.

tp/pan

 


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