München, 17. Januar 2005 - pan. 2004 war das erste Geschäftsjahr von Roland Berger Strategy Consultants unter der Führung von Burkhard Schwenker. Es ist das schlechteste in der Geschichte der Münchner Firma.
Während andere große Beratungsfirmen in den letzten drei Jahren teilweise herbe Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, konnten die Münchner stets mit einem zweistelligen Umsatzplus glänzen. Vor allem das Inlandsgeschäft brummte seit der Gründung durch Roland Berger im Jahre 1967 ohne Unterlass. Damit ist ganz offensichtlich jetzt erst einmal Schluss.
Wie Schwenker am Donnerstag vergangener Woche gegenüber der Berliner Tageszeitung Die Welt einräumte, habe der Umsatz im vergangenen Jahr bei 530 Millionen Euro gelegen. 2003 hatte die Firma noch einen Umsatz in Höhe von 550 Millionen Euro erzielt. Die aktuellen Zahlen wären sogar noch niedriger ausgefallen, wenn man nicht im zweiten Halbjahr 2004 kräftig aufgeholt hätte, so der Berger-Chef.
Zwei Dinge sind für Schwenkers verpatzten Einstand verantwortlich: Erstens die aufgeregte Diskussion um die Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe öffentlicher Aufträge an Beratungsfirmen. Zweitens das schwache Auslandsgeschäft. Wegen des negativen Medienechos bekamen zahlreiche Beamte und andere Entscheider im öffentlichen Sektor kalte Füße und stoppten die Auftragsvergabe. Folge: Das Inlandsgeschäft der Münchner brach ein. Das wäre vielleicht noch zu verschmerzen gewesen, wenn die Firma nicht in den USA und in Großbritannien so schlecht abgeschnitten hätte. Statt wie geplant in den Vereinigten Staaten um 25 bis 30 Prozent zuzulegen, habe man das Geschäft zurückfahren müssen, gestand Schwenker. So wurde unter anderem das Berger-Büro in San Francisco dicht gemacht, Teile des New Yorker Büros mussten geräumt und untervermietet werden.
Über das Abschneiden in Großbritannien, dem nach den USA zweitwichtigsten Beratungsmarkt der Welt, sagte Schwenker nichts. Umso redseliger zeigte sich vor wenigen Wochen der ehemalige Berger-Berater Tony Restell. In einem Interview mit dem britischen Branchendienst Consultants News verriet Restell, dass die Münchner in London "zahlreiche Fehlstarts" hingelegt hätten - eine Anspielung auf die Tatsache, dass sich die ersten Versuche, jenseits des Ärmelkanals Fuß zu fassen, als nicht sonderlich erfolgreich herausgestellt hatten: 1996 hatte Berger die britische Firma Ravensbeck übernommen. Der Versuch, das Ravensbeck-Team in das damals bereits existierende Londoner Berger-Büro einzugliedern, muss wohl gescheitert sein. Jedenfalls sahen sich die Deutschen bereits 1997 nach einem neuen Chef für die britische Niederlassung um und warben Tim Simpson vom Konkurrenten Arthur D. Little ab. Rund zwei Jahre später erfolgte die Fusion des britischen Berger-Geschäfts mit IPG Consulting, einer Gründung ehemaliger Berater von Bain und Booz Allen. Offensichtlich wieder ein Fehlgriff: "Das Potenzial, das die Fusion versprochen hatte, konnte nie erzielt werden", urteilt Restell. Für Schwenker ist der letztgenannte Flop umso peinlicher, als er selbst maßgeblich am Zustandekommen der IPG-Fusion beteiligt war.
Trotz dieser herben Rückschläge zeigte sich der Berger-Nachfolger gegenüber der Welt optimistisch: 2005 sollen die Honorareinnahmen wieder nach oben klettern, und zwar um acht bis zehn Prozent. Dabei ruhen die Hoffnungen des Consultants vor allem auf dem internationalen Geschäft. Bereits im abgelaufenen Jahr habe die Firma in Osteuropa, China und Japan stark zulegen können, und auch in den USA wolle man wieder expandieren, sagte Schwenker. Dieser Strategie trage auch die neue Führungsstruktur Rechnung: Seit vergangenem Oktober stehen sechs statt bisher vier Personen an der Spitze von Roland Berger Strategy Consultants.
Schwenker führt seit dieser Zeit auch nicht mehr den Titel Vorstandssprecher. Er darf sich jetzt Vorsitzender der Geschäftsführung nennen. Bei einer partnerschaftlich organisierten Beratungsfirma bedeutet dies zwar nicht allzu viel. Es ist aber immerhin ein Signal nach außen: Roland Berger, Chef des Aufsichtsrats und Hauptanteilseigner der Firma, sowie seine Partner scheinen Schwenker weiterhin zu vertrauen.
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