New York/Plano, 25. Februar 2005 - pan. Der Chef des krisengeschüttelten texanischen IT-Dienstleisters Electronic Data Systems (EDS) will seine defizitäre Consulting-Tochter A.T. Kearney loswerden - im Wege eines Management Buyouts.
In den letzten Tagen brodelte es heftiger denn je zuvor in der Gerüchteküche. In Internet-Foren rätselten die Mitarbeiter von A.T. Kearney, was EDS-Chef Michael Jordan wohl mit seiner Consultingtochter im Schilde führe. Und immer wieder war von einem Verkauf die Rede. Grund: Die Muttergesellschaft steckt tief in den roten Zahlen und muss mit brachialen Methoden saniert werden. Nach Jordans Meinung passen die Consultants außerdem strategisch gesehen nicht zu einem IT-Dienstleister wie EDS.
So gesehen, wäre ein Verkauf tatsächlich plausibel. Doch Jordan hatte erst vor rund zwei Wochen gegenüber Journalisten dementiert, dass er entsprechende Absichten hege.
Das erschien auch glaubhaft, denn potenzielle Käufer waren weit und breit nicht zu sehen. Kein Wunder: Die Zeit, als sich IT-Berater gerne mit dem klingenden Namen einer klassischen Consultingfirma schmückten, scheint vorbei zu sein. Und es gibt keinen vernünftigen Grund, warum ein direkter Wettbewerber von A.T. Kearney diese hoch defizitäre Firma übernehmen sollte. Die Chefs anderer klassischer Beratungshäuser mussten in den vergangenen Monaten ohnedies nur kurz mit den Geldscheinen winken - und schon drehten die Leistungsträger bei A.T. Kearney ihrem Arbeitgeber den Rücken.
Am Donnerstag, den 24. Februar, nun meldete das Massenblatt USA Today, dass die Consultingfirma verkauft wird. Geplant sei ein so genannter Management Buyout: Die Consultants von A.T. Kearney sollen ihre Firma selbst übernehmen. Der Preis stehe noch nicht fest, die Verhandlungen befänden sich noch in einem frühen Stadium, so die Zeitung.
EDS hatte A.T. Kearney 1995 für 600 Millionen US-Dollar von den Partnern der Firma gekauft. Gestützt auf die einst prallen Kassen des zweitgrößten IT-Dienstleisters der Welt, eröffneten die Consultants ein Büro nach dem anderen und feierten zunächst tatsächlich große Erfolge. Die Firma verfügte Ende der 90er Jahre über etwa 60 Stützpunkte in 35 Ländern rund um den Globus. Der Umsatz lag bei 1,3 Milliarden US-Dollar, und in Sachen Profitabilität lagen Kearney´s Consultants zwischen McKinsey und Boston Consulting. < >
Von diesem Glanz ist heute nichts mehr zu sehen. Die Firma sei "als ein Marketing-Vehikel von EDS missbraucht" worden, schreibt USA Today. Der Umsatz lag letztes Jahr bei etwas über 800 Millionen US-Dollar. Von Gewinnen keine Spur. Die jüngsten Quartalsergebnisse lassen auch keine Wende zum Besseren erkennen. So mancher Beobachter fragt sich deswegen , wie tief Jordan den Preis senken muss, damit die Consultants zugreifen.
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