Plano/Texas, 25. August 2005 - pan. Der Poker um die Zukunft von A.T. Kearney geht weiter. Jetzt sei wieder ein Management Buyout im Gespräch, heißt es.
Der Poker um die Zukunft von A.T. Kearney, der einst renommierten Beratungsfirma unter dem Dach des angeschlagenen texanischen IT-Dienstleisters EDS, geht in eine neue Runde. Nachdem die Übernahmeverhandlungen mit dem US-Consultingkonzern Monitor Group Anfang der Woche gescheitert sind, hat EDS-Chef Michael Jordan wieder Gespräche mit dem Führungsteam von A.T.Kearney um den Deutschen Henner Klein aufgenommen.
Schließung unprofitabler Büros
Wie aus verhandlungsnahen Kreisen verlautet, hat Klein jetzt zwei Wochen lang Zeit, sein Angebot für einen Management Buyout nachzubessern. Ein solches Angebot hatte Klein bereits Anfang Juni vorgelegt. Jordan fordere aber nicht nur mehr Geld von den Consultants, so ein Berater aus der Riege der Vice Presidents, der nicht genannt werden will. Es gehe bei den Verhandlungen auch um die Übernahme von Verpflichtungen, beispielsweise um die Versorgungsansprüche altgedienter und die Pensionen ausgeschiedener Consultants sowie um die Schließung zahlreicher unprofitabler Büros.
Offiziell hält man sich bei den Parteien bedeckt: „EDS verfolgt eine ganze Reihe von Optionen bezüglich des Verkaufs von A.T. Kearney“, sagt Konzernsprecher Travis Jacobsen. Man erwarte, dass eine Entscheidung bis Jahresende falle. A.T. Kearney und Monitor ließen entsprechende Anfragen unbeantwortet.
Kalte Füße
In den vergangen Wochen hatte ein Team um Monitor-Chairman Mark Fuller die gesamte Organisation von A.T. Kearney systematisch durchleuchtet und hunderte Einzelgespräche mit den Consultants geführt. „Fuller hat jetzt kalte Füße bekommen“, so ein weiterer Berater von A.T. Kearney, der ungenannt bleiben will.
Dass die Verhandlungen im Sande verlaufen sind, scheint nicht so sehr am Preis gelegen zu haben. Experten schätzen den Wert der EDS-Tochter auf 300 bis 400 Millionen US-Dollar – eine Summe, welche die hoch profitable Monitor Group durchaus aufbringen könnte. Schwerer wiegt wohl, dass A.T. Kearney seit Jahren hohe Verluste schreibt. 2004 machte die Firma 806 Millionen Dollar Umsatz, etwa fünf Prozent der Erlöse von EDS. Das operative Minus betrug dabei immerhin zehn Millionen Dollar. Im Jahre 2000 lag der Umsatz noch bei rund 1,3 Milliarden Dollar, und A.T. Kearney machte Gewinn. Seit dieser Zeit aber haben viele leistungsstarke Consultants der Firma den Rücken gekehrt.
Monitor traut es sich offensichtlich nicht zu, die Dinge zu einem Besseren zu wenden.
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