Düsseldorf, 3. September 2006 - pan. Jürgen Kluge, seit 1999 Chef des German Office von McKinsey, wird Ende 2006 abgelöst. Der Deutsche soll eine andere Aufgabe im Konzern bekommen. Wer Kluges Nachfolge antritt, steht noch nicht fest.
McKinseys Statthalter in Deutschland, Österreich und Kroatien, Jürgen Kluge, räumt zum Jahresende seinen Chefsessel. Das hat der 53-jährige Physiker am vergangenen Freitagabend bekannt gegeben - am Rande eines Betriebsfestes im Freizeitpark "Ferropolis" in Sachsen-Anhalt. Laut der Online-Ausgabe des Manager-Magazins hat sich Kluge zu diesem Schritt nach einem Gespräch mit McKinsey-Weltchef Ian Davis entschlossen. Davis hat in den vergangenen drei Jahren seit seinem Amtsantritt eine ganze Reihe von Länderchefs in seiner Organisation ausgetauscht.
Wachsende Unzufriedenheit?
Der Stabwechsel im German Office wird von Insidern als Zeichen für die wachsende Unzufriedenheit der McKinsey-Führung mit der Situation im German Office gewertet.
Das mag auf den den ersten Blick überraschen, denn Kluges Bilanz kann sich eigentlich sehen lassen. McKinsey ist in Deutschland unangefochtener Branchenprimus, und Kluge hat diese Stellung in den vergangenen Jahren noch ausgebaut. Seit 1999 ist der Honorarumsatz von 322 Millionen Euro auf 540 Millionen Euro (2005) gestiegen. Dieses Jahr will Kluge die Schwelle von 600 Millionen Euro überschreiten.
Aber: Das Umsatzplus fällt seit einigen Jahren nur noch einstellig aus. Schlimmer noch ist, dass einige Wettbewerber unter den großen Firmen erheblich stärker geworden sind und einige Spezialisten unter den Unternehmensberatern Kluges Beratertruppen immer öfter die Butter vom Brot nehmen. Zumindest liegen die Wachstumsraten dieser Konkurrenten weitaus höher als bei McKinsey.
Public Sector Consulting
Enttäuschend fallen auch Kluges Ergebnisse bei der Akquisition von Aufträgen im öffentlichen Sektor aus. Auf diesem zukunftsträchtigen Feld zeigen vor allem Kluges britische Kollegen, dass hier weitaus mehr machbar ist.
Zu allem Überfluss berichten auch die deutschen Medien zunehmend kritisch über McKinsey. Und das wirkt sich negativ auf das Recruiting aus: Die besten Köpfe unter den Universitätsabsolventen suchen sich inzwischen andere Arbeitgeber.
Vor diesem Hintergrund ist noch völlig offen, wer Kluges Nachfolge antritt. Die Entscheidung trifft Ian Davis nach Anhörung der mit Personalfragen befassten Direktoren der Firma. Vor der Ablösung von Kluges Vorgänger Herbert Henzler hatten die Consultants wochenlang hinter verschlossenen Türen diskutiert. Dieses Mal, sagen Insider, wird es wohl nicht ganz so lange dauern.
Kluge selbst soll dem Vernehmen nach McKinsey nicht verlassen müssen - entgegen der in dieser Firma offiziell hochgehaltenen Regel, wonach ein Berater ausscheiden muss, wenn seine Laufbahn nicht mehr weiter nach oben führt (up or out). Keine Regel ohne Ausnahmen: Schon Kluges Vorgänger Herbert Henzler durfte noch ein paar Jahre Europa-Chef spielen, bevor er sich endgültig zurückziehen musste. Auch Kluge soll offenbar eine Aufgabe im internationalen Management der Firma bekommen.
Kommentar: Kein starker Abgang
Es ist schon seltsam. Da tritt mit Jürgen Kluge einer der einflussreichsten Männer der deutschen Wirtschaft ab, ja mehr noch, einer, der vor drei Jahren als heißer Kandidat für den Posten des Weltchefs von McKinsey gehandelt wurde - und das staunende Publikum bekommt es am Rande einer Firmenfete im ehemaligen Braunkohlerevier von Sachsen-Anhalt mitgeteilt. Das ist alles andere als ein starker Abgang.
Aber vielleicht hat Kluge das ja bereits vor seinem Amtsantritt geahnt. Er müsse verrückt sein, die Nachfolge von Herbert Henzler anzutreten, also jenes Mannes, der McKinsey in Deutschland groß gemacht hat - so Kluge jedenfalls im Dezember 1998 vor Journalisten in Düsseldorf, kurz bevor er den Chefsessel erklomm.
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