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Studie: Deutsche Großunternehmen bauen Pensionslasten ab Drucken E-Mail

Frankfurt/Düsseldorf, 14. April 2007 - rtp/pan. 2006 war ein gutes Jahr für die Betriebsrenten, zumindest wenn man die im deutschen Börsenindex DAX notierten Unternehmen betrachtet. Diese haben die Risiken, die mit den Pensionszusagen an ihre Mitarbeiter verbunden sind, unter Kontrolle gebracht. Genauer: Während die Pensionsverpflichtungen leicht sanken, stieg das Pensionsvermögen. Das belegt eine Analyse von Experten der Firma Rauser Towers Perrin. Die Unternehmen selbst hatten mit einer ganz anderen Entwicklung gerechnet.


Thomas Jasper, Towers Perrin Principal und leitender Studienautor, führt die Studienergebnisse zum einen auf die ausgezeichnete Entwicklung an den Kapitalmärkten und zum anderen auf die intensivierten und professionalisierten Unternehmensaktivitäten im Rahmen ihres Pensions Managements zurück. "Die DAX-Werte sind im vergangenen Jahr für ihre Bemühungen belohnt worden. Bei einer Hochrechnung des aktuellen Trends könnten sie bis 2010 sogar die volle externe Kapitaldeckung ihrer Pensionsverpflichtungen erreichen", so Jasper.

Auch wenn das nicht die Strategie jedes Unternehmens ist, so macht diese Aussicht nach Auffassung des Experten deutlich, dass die generelle Richtung der Entwicklung stimmt.

Höhere Zinsen, positive Auswirkungen

2006 sind die Pensionsverpflichtungen der im DAX notierten Unternehmen um 0,2 Prozent gesunken. 2005 belief sich der Anstieg noch auf 19 Prozent. Die absolute Höhe der Pensionsverpflichtungen betrug zum Stichtag 31. Dezember 2006 rund 246 Mrd. Euro (2005: 247 Mrd. Euro). Dies entspricht rund 30 Prozent der Marktkapitalisierung (2005: 35) oder 51 Prozent des Eigenkapitals (2005: 56) der DAX-Firmen. Diese hatten für das Jahr 2006 selbst noch einen Anstieg der Pensionsverpflichtungen in Höhe von 5,2 Mrd. Euro prognostiziert.


Entscheidend für die aus Unternehmenssicht sehr erfreuliche Entwicklung ist die Entwicklung der Zinssituation bei gleichzeitiger stabiler Entwicklung der Annahmen für Bezüge- und Rentendynamik. Erstmals seit fünf Jahren ist der von den Unternehmen verwendete, vom Kapitalmarkt abhängige Rechnungszins wieder gestiegen, auf 4,5% im Median (2005: 4,25%). Ein höherer Rechnungszins führt zu geringeren Pensionsverpflichtungen, wobei nach Schätzungen der Berater eine Rechnungszinsänderung in Höhe von einem Prozent in einer Schwankung von 20 bis 30 Mrd. Euro bei den Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen resultiert.

Wie der Rechnungszins hat auch die Bezüge- und Rentendynamik einen starken Einfluss auf die Pensionsverpflichtungen. Die Bezügedynamik zeigt sich im Vergleich zum Jahr 2005 mit 2,6 Prozent stabil. Die Annahmen zur Rentendynamik - der entsprechende Medianwert liegt bei 1,55% - spiegeln die Erwartungen der Unternehmen bei der Inflation wider. "Im Gegensatz zur gesetzlichen Rente planen die Unternehmen also mit einer nachhaltigen Erhöhung der Betriebsrenten", so Sieglinde Deihle, Rauser Towers Perrin-Beraterin und Mitautorin der Studie. "Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Anteil der Betriebspensionen an der Gesamtrente weiter zunehmen wird."

Grad der Kapitaldeckung nimmt deutlich zu


Der durchschnittliche Grad der externen, kapitalgedeckten Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen liegt bei den DAX-Unternehmen bei nunmehr 65 Prozent. Dies entspricht einem signifikanten Anstieg von neun Prozentpunkten gegenüber 2005 (56%). Bei Fortschreibung des Trends könnten die DAX-Unternehmen bis 2010 eine vollständige Kapitaldeckung ihrer Pensionsverpflichtungen erreichen.

Der zu bilanzierende höhere Grad der Kapitaldeckung ist nicht zuletzt auf zusätzliche Beiträge zum Planvermögen zurückzuführen. Insgesamt wurden 2006 rund 15,6 Mrd. Euro für Pensionsverpflichtungen extern dotiert (2005: 14 Mrd. Euro), wobei E.ON, Allianz, Commerzbank und DaimlerChrysler diesbezüglich am aktivsten waren. Auf sie entfallen fast zwei Drittel der Gesamtdotierungen.

Die Gruppe der Unternehmen mit dem höchsten Grad der externen Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen wird angeführt von Hypo Real Estate, Deutsche Bank und SAP. Diese weisen eine Überdeckung ihrer Pensionsverpflichtung aus, das heißt, ihr Pensionsvermögen übersteigt die Pensionsverpflichtungen.


Im Betrachtungszeitraum verfügen zudem erstmals alle DAX-Werte über eine zumindest teilweise kapitalgedeckte Ausfinanzierung ihrer Pensionsverpflichtungen. 2005 war Adidas noch der einzige Vertreter, der ausschließlich auf eine Innenfinanzierung (Rückstellungen) setzte. Das Unternehmen verfügt nunmehr - unter anderem bedingt durch die Reebok-Übernahme - über eine Kapitaldeckung seiner Pensionsverpflichtungen in Höhe von 27%.

Erneut hohe Erträge aus Pensionsvermögen

2006 hat sich dank der guten Entwicklungen an den europäischen Aktienmärkten als gutes Jahr für Erträge aus Pensionsvermögen erwiesen. Auch in dieser Hinsicht sind die Erwartungen der Unternehmen deutlich übertroffen worden: 10,7 Mrd. Euro betrug letztlich der Ertrag auf die für Pensionsverpflichtungen reservierten Vermögenswerte; von den DAX-Firmen geplant waren 8,7 Mrd. Euro - ein Plus von rund 23 Prozent.

Wie auch in den Jahren zuvor hat sich die Investitionsstrategie für das zweckgebundene Pensionsvermögen kaum geändert. Nach wie vor ist ein Großteil in Rentenpapieren (46,6 Prozent) und in Aktien (41,5 Prozent) angelegt, wobei der Anteil der Investitionen in Aktien im internationalen Vergleich hoch ausfällt. So liegt der vergleichbare Wert für die Unternehmen im schweizerischen Premium-Index SMI bei 31,5 Prozent (2005). Der Anteil alternativer Investmentformen wie beispielsweise Immobilien bleibt im DAX mit 5,4 Prozent gering.

Differenzierte Sicht bei externen Marktbeobachtern

Die positiven Entwicklungen bei den Pensionsverpflichtungen samt der dafür reservierten Vermögenswerte sind auch für externe Marktbeobachter, wie beispielsweise Analysten, ein wichtiges Signal der Entspannung. "Auch sie sehen die DAX-Unternehmen auf dem richtigen Weg", sagt Jasper. Im Unterschied zu früheren Jahren verzeichnet der Berater zudem ein generell größeres Verständnis für die Situation der Unternehmen in Deutschland.

Die Diskussion drehe sich nicht mehr nur allein um das 'Ob' der Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen, sondern auch das 'Wie'. "Und dieser Wandel ist durchaus berechtigt", so Jasper. "Bei aller Notwendigkeit der Vergleichbarkeit im Sinne des Kapitalmarkts muss jedes Unternehmen für sich die Entscheidung treffen können, ob und wie viel es in seine Kernaktivitäten investiert und wie viel in sein Pensionsvermögen."

Hintergrundinformationen zur Studie und Bezug


Die Studie "Pensionsverpflichtungen Dax 2006: Unternehmen im Spannungsfeld von Kapitalmarktanforderungen und Finanzierungsstrategien" basiert auf Analysen der Geschäftsberichte aller 30 Dax-Unternehmen einschließlich der Anhangsangaben zu den Pensionsverpflichtungen sowie weiterer öffentlich zugänglicher Daten. Die der Auswertung zugrunde liegende Rauser Towers Perrin-Datenbank umfasst den Zeitraum von acht Jahren und ermöglicht somit Vergleiche bis ins Jahr 1999.

Eine Zusammenfassung der Studienergebnisse ist kostenlos zu beziehen bei:

Towers Perrin
Anna-Maria Angermann
Eschersheimer Landstraße 50
60322 Frankfurt/Main
Tel.: 069 1505-5161
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können .
 
  Datum: 16.05.2008

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