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Booz Allen Hamilton: Deutsche Auto-Zulieferer hängen Konkurrenz ab Drucken E-Mail

München, 20. November 2007 - bah/pan. Die großen deutschen Automobilzulieferer sind in den vergangenen fünf Jahren deutlich gewachsen. Sie legten im Schnitt mehr als fünf Prozent pro Jahr an Umsatz zu. Weltweit schrumpfte der Umsatz bei den Unternehmen dieser Branche dagegen um durchschnittlich 0,3 Prozent. Noch deutlicher zeigt sich der Erfolg der Deutschen bei der operativen Marge. Diese stieg innerhalb von fünf Jahren um fast zwei Prozent. International sei die Marge dagegen unverändert geblieben, heißt es in einer aktuellen Studie des Beratungshauses Booz Allen Hamilton. Bei genauem Hinsehen schneiden jedoch nicht alle deutschen Zulieferer gut ab. Und: Der Wettlauf um die Zukunft der Branche hat gerade erst begonnen.

Die Consultants, die über sechzig der weltweit wichtigsten Zulieferer unter die Lupe genommen haben, stellen den deutschen Unternehmen dieser Branche ein gutes Zeugnis aus. Das heißt jedoch nicht, dass es allen Unternehmen gleichermaßen gut ginge. Die Einzelbetrachtung zeigt: Antriebsstrang- und Elektronik-Hersteller sind weit überproportional gewachsen, Zulieferer in materialintensiven Segmenten wie Chassis und Interieur mussten eine Wachstumsdelle hinnehmen.

Stärke bedeutet für Zulieferer nicht Größe, sondern primär Innovationspotenzial. „Nur Lieferanten, die innovative Technologien anbieten, können selbstbewusst gegenüber den Automobilherstellern auftreten. Produkte, bei denen der Endkunde die Innovationsleistung nicht wahrnimmt, wie etwa Chassisteile, müssen sich meist dem Preisdiktat beugen – zu Lasten ihrer Marge“, sagt Klaus Nadler, Geschäftsführer von Booz Allen Hamilton.

Innovationsdruck beschleunigt sich weiter

Doch auch die Gewinner sehen sich neuen Schwierigkeiten gegenüber. Durch die aktuelle Umweltdebatte verschärft sich beispielsweise der Wettlauf um den Antrieb der Zukunft. Zulieferer in diesem Bereich müssen schon heute beginnen, die richtige Technik für die nächsten Jahrzehnte zu entwickeln. „Das sind Wetten mit hohem Einsatz, deren Verlust selbst für erfolgreiche Zulieferer schnell zur Bedrohung werden kann“, erklärt Ulrich Otto, Mitglied der Geschäftsleitung bei Booz Allen Hamilton.

Gleichzeitig wird die Produktvielfalt trotz kürzerer Produktlebenszyklen immer größer: Nischenmodelle und Low-Cost-Fahrzeuge gehören heute zum Portfolio nahezu aller Hersteller (OEM). Hinzu kommt, dass es immer schwieriger ist, einzuschätzen, wie sich ein neues Modell verkaufen lässt. Auch verlagert sich der regionale Fokus der Automobilhersteller. Steigende Fahrzeugvolumina sehen die Experten nicht mehr vorrangig in den traditionellen europäischen und US-Automärkten, sondern vor allem in den BRIC-Ländern. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzen OEMs auf immer höhere Flexibilität in der Produktion und geben diese Anforderungen direkt an die Zulieferer weiter.

Deutlich gestiegen sind dadurch die Investitionsanforderungen für neue Produktionskapazitäten und –verlagerungen für die Entwicklung der neuen Technologien. Effizienter Kapitaleinsatz und die optimale Nutzung des vorhandenen Betriebsvermögens entscheiden über den Erfolg.

Deutsche Automobilzulieferer profitieren vom Erfolg ihrer Kunden

Laut Booz Allen-Analyse gelingt es deutschen Automobilzulieferern derzeit besser als ihren internationalen Konkurrenten, den wachsenden Herausforderungen gerecht zu werden. In hohem Maße profitieren sie außerdem vom Erfolg der japanischen und Premiumhersteller. „Natürlich sind die Zulieferer auch abhängig vom Ergebnis der OEMs, für die sie produzieren. Die Lieferanten von GM, Ford und Chrysler haben eben auch unter dem Marktanteilsverlust der Big Three gelitten“, nennt Nadler als weitere Begründung.

Die entscheidende Frage für die Zukunft der Zulieferer liegt laut den Experten von Booz Allen in einem effizienten Kapitaleinsatz und der richtigen Innovationsstrategie. Dauerhaft kann die Höhe der Investitionen nicht die Abschreibungen übersteigen (heute um das 1.07-fache). Deshalb ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Zulieferer eine kapital-effektive Anpassung der Produktionsmittel und Standorte sowie der Unternehmensstrukturen an die Wettbewerbssituation und regionale Ausrichtung der OEMs.
 
  Datum: 12.05.2008

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