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Beratergruppe Neuwaldegg: Ethik gewinnt in Unternehmen an Bedeutung Drucken E-Mail

Wien, 13. Dezember 2007 - egg/pan. Unternehmensethik? Das war doch ein Seminarthema für weltfremde Gutmenschen. Jedenfalls bis vor kurzem. Der Korruptionsskandal beim Münchner Industriekonzern Siemens und seine dramatischen Folgen rücken die Ethik jetzt ins Bewusstsein vieler Manager. Das dokumentieren auch die Ergebnisse einer Umfrage, die die in Wien ansässige Beratergruppe Neuwaldegg gestern veröffentlicht hat. Dabei zeigen sich länderspezifische Unterschiede: Österreichs Chefs hinken ihren deutschen und Schweizer Kollegen hinterher, beispielsweise wenn es um die Integration von Ethik in die Unternehmensentwicklung geht.

Hier die Ergebnisse des "Neuwaldegger Top-Management Survey 2007" im Einzelnen:

Für rund die Hälfte (47 %) der 300 befragten Top-Manager in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Fragen der Unternehmensethik ein kontinuierliches Thema in der Unternehmensentwicklung.

Sensible Schweizer

Die Schweizer Unternehmen haben dabei allerdings – wieder einmal – die Nase vorn: Hier spielen ethische Grundsätze sogar in knapp 60 % der Unternehmen eine wichtige Rolle. Österreich dagegen deutlich abgeschlagen: Nur 37 % der Top-Manager sehen Unternehmensethik als fortlaufendes Thema der Unternehmensentwicklung.

Nach Branchen betrachtet haben die Informations- und Consultingbranche (73 %), die Tourismus- und Freizeitbranche (65 %) sowie Finanzunternehmen (58 %) und die Industrie (56 %) ethische Werte als Leitmotive in die Unternehmensentwicklung mit aufgenommen.

Kaum konkrete Projekte

Nur rund 10 % der Top-Manager in den drei Ländern sagen, in ihrem Unternehmen werde derzeit ein Projekt in Sachen Unternehmensethik umgesetzt. 10 % denken über die Initiierung eines Projektes nach. Für rund 20 % sind Fragen der Ethik derzeit allerdings kein Thema, in Österreich sagen dies sogar 36 %.

Torsten Jung, geschäftsführender Gesellschafter der Beratergruppe Neuwaldegg, sieht darin einen Arbeitsauftrag: „Die Projektlandschaft steckt noch in den Kinderschuhen, obwohl das Bewusstsein um die Bedeutung ethischen Unternehmensverhaltens in den letzten Jahren sehr stark gestiegen ist. Hier klaffen Wunsch- und Ist-Situation doch deutlich auseinander.“

Was ethisch ist, bestimmen wir selbst

Unternehmensethik drückt sich für je 60 % der Führungskräfte in der Orientierung an eigenen Unternehmenswerten sowie im partnerschaftlichen Umgang mit Mitarbeitern, Lieferanten und Stakeholdern aus.

Für ein Drittel ist die Orientierung an ökologischen Themen und Nachhaltigkeit ausschlaggebend und auch hier liegen die Schweizer mit 43 % deutlich an der Spitze. Rund ein Viertel der Befragten sieht die Unternehmensethik in der Orientierung an gesellschaftspolitischer Verantwortung begründet, das vertreten vor allem die Deutschen (30 %). Für die österreichischen Manager spielt diese Thematik hingegen für nur knapp 20 % eine Rolle. Dafür führen die Österreicher, wenn es um die Orientierung an spirituellen Grundhaltungen geht – 11 % orientieren sich daran (CH: 3 %, D: 0 %).

Persönliche Werte leben

Deutsche Top-Manager sind mit sich am häufigsten im Reinen, wenn es um die Umsetzung der eigenen Wertvorstellungen geht: 54 % können Entscheidungen überwiegend im Einklang mit ihren persönlichen Werten treffen. Österreicher tun dies zu knapp 40 %, Schweizer zu 35 %. Am häufigsten gilt dies für Spitzenkräfte im Finanzwesen und der Industrie. Sie geben an, zu 60 % orientiert an ihren eigenen Werten agieren zu können. Knapp über 10 % der Manager aller drei Länder treffen Entscheidungen immer in Übereinstimmung mit ihren persönlichen Werthaltungen, rund ein Drittel gibt an, dies teilweise tun zu können.

Großes Potenzial für Leadership-Programme

„Auch in der Weiterbildung für Führungskräfte in Sachen Unternehmensethik steckt noch einiges an Potenzial“, sagt Torsten Jung. „Die Arbeit an Führungs- und Unternehmensethik wird noch wenig durch gezielte Weiterbildungsmaßnahmen unterstützt – für nahezu die Hälfte der befragten Manager in Österreich spielen Ethikfragen in ihrer Weiterbildung gar keine Rolle.“ Nur knapp ein Viertel der österreichischen Top-Manager sagt, alle Leadership Programme seien mit ethischen Inhalten abgestimmt. Zum Vergleich: In der Schweiz sind es 44 %, in Deutschland 33 %.

Knapp 20 % der Manager im deutschsprachigen Raum sind auf der Suche nach angemessenen Formen, um ethische Inhalte zu thematisieren.

 
  Datum: 16.05.2008

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