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Deloitte zeichnet vier Mittelständler für vorbildliche Unternehmensführung aus Drucken E-Mail
Hannover / München, 25. Januar 2008 – dd/pan. Ein einheitlicher Corporate-Governance-Kodex für mittelständische, eignergeführte Unternehmen ist wenig sinnvoll – sehr wohl jedoch ein an den spezifischen Unternehmensbedingungen orientierter Kodex. So setzen sich viele erfolgreiche deutsche Mittelständler heute intensiv mit dem Thema auseinander. Im Vordergrund stehen Transparenz, verantwortliches Handeln und eine langfristige Unternehmenspolitik. Das zeigt eine neue Studie von Deloitte und der Privaten Fachhochschule Göttingen, die mit Blick auf den Deloitte Axia-Award erstellt wurde. Mit diesem Preis wurden gestern Abend in Hannover mehrere deutsche Unternehmen ausgezeichnet.

Familiengeführte, mittelständische Unternehmen stellen mit 80 Prozent den größten Anteil deutscher Unternehmen, sie erwirtschaften 53 Prozent der Bruttowertschöpfung und bieten 68 Prozent der Arbeitsplätze.

„Gerade bei dieser enormen Bedeutung für die gesamte Volkswirtschaft ist es wichtig, dass mittelständische Betriebe die richtige Balance zwischen unternehmerischer Autonomie, Traditionsverbundenheit sowie Zukunftsinnovation halten“, kommentiert Jürgen Reker, Partner von Deloitte. „Hierzu zählt auch die Orientierung an den Grundsätzen guter Unternehmensführung.“

Drei Säulen der Corporate Governance

Unternehmensexterne, -interne und familiengerichtete Elemente sind die drei Säulen einer zukunftsfähigen Corporate Governance im Mittelstand.

Preisträger in der Kategorie „Unternehmensexterne Elemente“ ist Wemhöner. Dem Anlagebauunternehmen ist es gelungen, eine aktive, offene Informationspolitik umzusetzen. Überdies zeichnet sich das Herforder Unternehmen durch ein vorbildliches Engagement bei der Ausbildung junger sowie der Integration älterer Mitarbeiter aus.

Insgesamt zeigten die befragten Unternehmen bei den unternehmensexternen Elementen ein starkes Unabhängigkeitsbestreben – die Anteilsmehrheit verbleibt möglichst bei den Eigentümern bzw. der Familie und der Bankeneinfluss wird gering gehalten. Auch lehnt ein Drittel alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie Private Equity ab. Dennoch ist ihnen eine offene und transparente Beziehung zu Banken und anderen Stakeholder-Gruppen wichtig.

Unternehmensinterne Elemente werden von mehreren Faktoren bestimmt. Dazu gehören sowohl eine langfristig angelegte Unternehmenspolitik als auch die Delegation von Verantwortung an die zweite Führungsebene. Beides wird von den untersuchten Unternehmen mehrheitlich praktiziert, ebenso die Inanspruchnahme externer Ratgeber.

Eher zögerlich zeigten sich die Befragten jedoch bei einer Beiratsetablierung, der nur bei gut einem Drittel existiert, sowie bei der Installation eines Risikomanagementsystems – 40 Prozent verfügen über kein solches System. Hier überzeugte das hanseatische Handelshaus Jacob Jürgensen die Jury insbesondere durch seine innovativen Führungssysteme. Es bietet zur Mitarbeitereinbindung ein befristetes Beteiligungsmodell mit erfolgsorientiertem Zielsystem und bezieht damit externe und interne Mitarbeiter in den Führungsprozess mit ein. Ein handlungsfähiger Beirat unterstützt überdies das Managementteam.

Die Achilles Gruppe ist Sieger in der Kategorie der „Familiengerichteten Elemente“. Der Spezialist für Papierveredelung hat durch klare Nachfolgeregelungen und einen entscheidungsbefugten Beirat möglichen Konflikten im Familienkreis präventiv vorgebeugt. Mit einer deutlichen Trennung von Geschäftsführung und Eigentum können überdies externe Führungskräfte beteiligt werden.

Insgesamt sehen die Axia-Teilnehmer die Nachfolgeregelung als einen wesentlichen Aspekt. Hier wird vor allem die „Staffelübergabe“ an Familienmitglieder favorisiert. Im Problemfeld der Unternehmens- und Familien- bzw. Gesellschafterinteressen hat laut der Studie stets die Sicherung des Unternehmens Priorität.

Den Sonderpreis „Junges Unternehmen“ erhielt Delticom. Der börsennotierte Online-Reifenhändler hat trotz der Gründerkapitalmehrheit die klassischen Wege eines Mittelständlers verlassen und Finanzierungsmöglichkeiten des Kapitalmarktes genutzt. Eine offene Kommunikation verbunden mit einer langfristigen Unternehmensstrategie runden das Erfolgskonzept der Hannoveraner ab.

Basis-Forderungskatalog für Mittelstands-Kodex

Angesichts dieser Mittelstandsvielfalt ist laut Meinung der Befragten ein einheitliches, unflexibles Corporate-Governance-Regelwerk nicht sinnvoll – es muss genügend Raum für spezifische Bedingungen und Anforderungen der einzelnen Unternehmen bieten. Dennoch lässt sich ein Basiskatalog erstellen: Dazu gehören Transparenz gegenüber Finanzierungspartnern in Form einer offenen und zeitnahen Kommunikation, die Umsetzung gesellschaftlicher Verantwortung, die Erhaltung des Unternehmens als vorrangiges Ziel sowie eine langfristig angelegte Unternehmenspolitik und -steuerung. Empfehlenswert wären die Nutzung des Kapitalmarkts, die Installation externer Kontrollorgane sowie eine definierte Nachfolgeregelung.

„Die Mehrzahl der befragten mittelständischen Familienunternehmen entspricht diesen Forderungen in weiten Teilen. Allerdings kann kein einheitlicher Kodex allen Unternehmenseigenschaften und -besonderheiten gleichermaßen genügen. Hier ist Flexibilität gefordert. Dass sich die Orientierung an den aufgeführten Grundregeln guter Unternehmensführung auch in wirtschaftlicher Hinsicht auszahlt, beweist die Tatsache, dass die untersuchten Unternehmen in den letzten fünf Jahren bei den zentralen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen durchweg eine positive Bilanz aufweisen können“, resümiert Jürgen Reker.

Insgesamt nahmen knapp 60 mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 10 bis 500 Millionen Euro und Sitz in Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern sowie angrenzenden Regionen an der Ausschreibung teil.

 
  Datum: 10.05.2008

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