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Barcelona / Düsseldorf, 6. Februar 2008 - bah/pan. Mächtige Konzerne attackieren die traditionellen Mobilfunkunternehmen auf dem Feld des mobilen Internets: Das Umsatzbeteiligungsmodell bei Apples iPhone, die ambitionierte Android-Plattform von Google, das Multimediaportal OVI von Nokia und die geplante Übernahme von Yahoo durch Microsoft - all das fordert die Mobilfunkanbieter heraus. Ob und wie die Netzbetreiber kontern können, verrieten die Consultants von Booz Allen Hamilton heute bei der Präsentation einer neuen Studie auf dem Kongress "Mobile World" in Barcelona.
Noch erwirtschaften die europäischen Mobilfunkanbieter den Löwenanteil ihrer Umsätze mit traditionellen Sprachdiensten. Auf mobile Datendienste inklusive SMS-Versand und E-Mail-Pushservices entfallen gerade einmal 18 Prozent der Umsätze.
Dieses Verhältnis werde sich noch vor dem Jahr 2010 deutlich zugunsten von mobilen Datendiensten verschieben, heißt es in der Studie. In einem Mobilfunkmarkt, der im Sprachbereich zunehmend von Discount- und Flatrate-Tarifen dominiert wird, liege das künftige Wachstumspotenzial für die Netzbetreiber bei den Datendiensten. Die technischen Voraussetzungen seien dafür bereits vorhanden, so die Consultants.
Moderne Handys
Bereits 77 Prozent aller europäischen Handybesitzer verfügen schon heute über die geeignete technologische Infrastruktur, um von mobilen Internetdiensten zu profitieren. Tatsächlich aber machen nur ein knappes Drittel (31 Prozent) davon Gebrauch.
Innerhalb dieser Gruppe steigt die Nutzungsdauer der mobilen Angebote allerdings rapide. Allein in der Startphase zwischen 2001 und 2006 haben Verbraucher ihre “mobile“ Zeit im Internet durchschnittlich um den Faktor Zehn gesteigert.
„Provider müssen ihre Mobilfunkkunden mit speziellen Angeboten an das mobile Internet heranführen. Unsere Analyse verdeutlicht: Sind die Eintrittsbarrieren erst einmal überwunden, steigt die Nutzung“, sagt Roman Friedrich, Geschäftsführer und Telekommunikationsexperte bei Booz Allen Hamilton.
Bis 2011 prognostiziert der Strategieberater einen weiteren Anstieg der durchschnittlichen mobilen Zeit im Internet um 220%.
Anders als im Festnetz sind dabei die Rollen der Anbieter noch nicht fest verteilt. Somit könnten sich Netzbetreiber neben ihrem traditionellen Geschäftsfeld – der Bereitstellung von Übertragungskapazitäten – neue Teile der Wertschöpfungskette als Wachstumsfelder erschließen.
„Die Renner des etablierten Internets werden sich dabei auch im mobilen Internet durchsetzen“, so Friedrich.
Neue Umsatzträger
Umsätze mit mobilen Ablegern von Social Communities, Newsdiensten und eCommerce-Angeboten werden solche mit Messaging-Angeboten wie SMS und Push-E-Mail mit großem Tempo überholen.
Daher ist es für Mobilfunkanbieter erfolgskritisch, möglichst attraktiven Content über Kooperationspartner und offene Schnittstellen in ihre mobilen Vermarktungsplattformen einzubinden.
Mobilfunkanbieter können auf Dauer nicht kontrollieren, welche Angebote und Anwendungen Kunden auf ihrem mobilen Endgerät nutzen. „Statt sie zu bekämpfen, müssen Netzbetreiber das mobile Web über offene Systeme offensiv und aktiv mitgestalten“, so Friedrich weiter.
Sollte ihnen das nicht gelingen, droht die sogenannte „Bit Pipe“. In diesem Szenario könnten die Mobilfunknetzbetreiber weltweit nur ca. 274 Milliarden US-Dollar erlösen. Ein innovations-orientiertes Modell würde den Netzbetreibern dagegen einen Umsatz von etwa 480 Milliarden US-Dollar ermöglichen.
Zumal die technische Entwicklung die mobile Datennutzung für Konsumenten künftig noch attraktiver macht. Bereits heute erweitert der mobile Übertragungsstandard High Speed Packet Access (HSPA) auf UMTS-Basis Übertragungsgeschwindigkeiten sprunghaft auf mehrere Megabit/sec.. Entsprechend leistungsfähige, mobile Endgeräte stehen ebenfalls zur Verfügung und öffnen damit endgültig die Tür zum Massenmarkt.
Erfolgsfaktoren: Servicewelten und offene Schnittstellen
Mobilfunkexperte Friedrich: „In der mobilen Zukunft sind solche Angebote und Anbieter erfolgreich, die unverwechselbare Servicewelten aufbauen und Kunden so mobilen Mehrwert stiften.“ Beim Aufbau solcher Servicewelten müssen Telekommunikationsanbieter sehr genau prüfen, welche Innovationen sie selbständig, welche in Joint Ventures und welche in funktionalen Partnerschaften realisieren.
Für die verschiedenen Optionen zeigt die Booz Allen-Untersuchung klar definierte Charakteristika und Erfolgsfaktoren auf:
Inhouse-Entwicklung: Fokussieren auf wenige vielversprechende Projekte mit geprüftem großem Marktpotenzial. Der Netzbetreiber bildet den gesamten Innovations- und Entwicklungsprozess intern ab und bindet Zulieferer nur für ausgewählte Komponenten ein.
Joint Venture: Partner entwickeln das Geschäftsmodell. Der Betreiber konzentriert sich auf Steuerungsfunktionen und stellt Kapital bereit. Joint Ventures müssen klar positioniert sein. Gewinn- und Verlustkontrolle sind essentiell.
Partnerschaften: Beide Seiten entwickeln zentrale Service Elemente für alle beteiligten Partner. Monitoring und Budgetierung erfolgen gemeinsam. Im Prozess müssen zu erreichende Kennzahlen und Exit Points definiert werden.
Mittels sorgfältig geplanter und strukturierter Partnerschaftsmodelle haben Netzbetreiber die Chance, einen signifikanten Teil des Marktes und der Wertschöpfung durch mobile Datendienste für sich zu sichern.
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